Wirtschaft

Brexit hoch 5? Fünf Gründe, warum Trump schlimmer ist

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Die Frage ist, ob Trump alle radikalen Äußerungen des Wahlkämpfers eins zu eins umgesetzen wird.

(Foto: REUTERS)

Erst "Great Britain first", jetzt "America first" - Trumps Programm erinnert an das EU-Referendum Großbritanniens. Der Brexit ist allerdings vergleichsweise harmlos zu dem, was dem neuen Präsidenten der USA so vorschwebt.

Er sei "Mr. Brexit" und die US-Wahl werde zu einem "Brexit hoch 5" werden, hatte Trump vor wenigen Tagen getönt. Was er damit sagen wollte, war wohl, dass sein Sieg einschlagen würde, wie ein Blitz. Das hat er getan. Niemand hatte ernsthaft mit ihm gerechnet. Abgesehen davon, könnten die Folgen einer Regierung unter Trump wirklich deutlich schlimmer sein als der Brexit.

  • Bei den anstehenden Brexit-Verhandlungen wird ein Punkt im Vordergrund stehen: Die Briten wollen den EU-Austritt, gleichzeitig aber den freien Handel fortsetzen. Trump mit seinem Amerikanisierungs-Programm dagegen hat die Schotten – zumindest verbal – runtergelassen. Absprachen zu TTIP zum Beispiel sollen nicht mehr gelten. Viele Ökonomen meinen, Trump sei der Tod des Freihandelsabkommens.
     
  • Trump will die Globalisierung umkehren, angeblich, weil Amerika davon profitieren würde. Aber die Renationalisierung der Wirtschaft wird voraussichtlich eher allen schaden - dem Wachstum und Wohlstand von Handelspartnern wie Deutschland oder China genauso dem von Amerika. Die USA sind zum Beispiel auf Maschinenlieferungen aus Deutschland angewiesen. Sie haben einen wesentlichen Anteil an der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie. Die Frage ist, können amerikanische Unternehmen diesen Part übernehmen? Wenn nicht, wird es schwierig, sich erfolgreich abzunabeln, so wie Trump es sich ausmalt. Sein Plan könnte nach hinten losgehen.
     
  • Trump hat im Wahlkampf viel gegen Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Niedrigzinspolitik gewettert. Beobachter rechnen damit, dass sie ihre Amtszeit möglicherweise nicht bis 2018 voll ausschöpfen wird. Ein "Falke" könnte die Zinsen schneller erhöhen, als die "Taube" Yellen. Doch was bedeuten höhere Zinsen für die USA? Steigende Zinsen könnten zu einer Aufwertung des US-Dollar führen. Große US-Unternehmen wie Apple haben aber gar kein Interesse an einem starken Dollar. Sie gehören zu den größten Profiteuren eines freien Welthandels, weil amerikanische Waren bezahlbar sind. Die britischen Großkonzerne konnten vom Absturz ihrer heimischen Währung profitieren. Für Global Player aus den USA wird das nicht der Fall sein. Leidtragende eines Kurswechsels in der Geldpolitik dürfte auch die Wall Street sein.
     
  • Den Brexit haben die Finanzmärkte, zumindest bisher, gut verarbeitet - vor allem, weil ein Teil der Regierung in London nun doch befürchtet, mit dem EU-Austritt zu weit gegangen zu sein. Das Oberste Gerichts in London entschied kürzlich, dass die britische Regierung erst nach einer Abstimmung des Parlaments das Verfahren zum Austritt aus der EU einleiten darf. Praktisch könnte das den Zeitplan von Premierministerin Theresa May, die den Beginn des Austrittsverfahrens für März angekündigt hatte, verzögern, weil sich die Mehrheit der Parlamentarier für einen Verbleib in der EU ausspricht. Für die Finanzmärkte stehen die Zeichen daher auf Gelb, also Entwarnung. Bei Trump zeigt die Ampel Rot. Er ist unberechenbar, für ihn zählen nicht Fakten, sondern Stimmungen und gefühlte Wahrheiten. Finanzmärkte reagieren darauf allergisch.
     
  • Nicht nur wirtschafts-, auch sicherheitspolitisch gilt Trump als Risiko. So hat er zum Beispiel Zweifel an den Sicherheitsgarantien für die baltischen Mitglieder angemeldet. Ein Präsident Trump werde die Nato schwächen, das könnte Russland dazu verführen, in Europa neue Konflikte anzustacheln, warnt Commerzbank-Volkswirt Jörg Krämer. "Das stellt ein beträchtliches Risiko dar."

Die Frage ist, wie ernst es Trump mit seinen Ankündigungen ist, ob alle radikalen Äußerungen des Wahlkämpfers eins zu eins umgesetzt werden. Einige Experten bezweifeln das. Krämer warnt jedoch vor Verharmlosungen. Viele gingen davon aus, dass "nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde". Es hätten aber auch viele bereits nach den Vorwahlen der Republikaner erwartet, dass Trump im eigentlichen Präsidentschaftswahlkampf zur Mitte rücken würde. "Dies ist nicht geschehen", stellt er fest.

Quelle: n-tv.de

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