Wirtschaft

"Big is beautiful" Fusionswelle der Airlines

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Die Lufthansa hat sich durch Zukäufe zum Branchenriesen hochgearbeitet.

(Foto: Reuters)

Kostendruck durch Billig-Airlines, steigende Kerosinpreise und stagnierende Fluggastzahlen zwingen die Fluggesellschaften geradezu zu Bündnissen und Fusionen. Dabei könnten die jüngsten Zusammenschlüsse von Iberia und British Airways, sowie möglicherweise US Airways und United Airlines nur der Anfang sein. Eine Analyse der Branchensituation.

"Big is beautiful" gilt auch für Fluggesellschaften. Viele Airlines, die wegen der Wirtschaftskrise, stark schwankender Ölpreise und der wachsenden Konkurrenz nicht allein bleiben können, suchen sich einen Partner. Und sei es nur deshalb, weil in dem Fusionswettbewerb, der von immer weiteren Milliardendeals angestachelt wird, niemand zurückbleiben will. "Es gibt zu viele Fluggesellschaften auf der Welt und Größe wird in Zukunft ein Vorteil sein", sagt Luftfahrt-Analyst Stephen Furlong von Davy Stockbrokers.

Darauf hoffen auch die Macher der jüngsten Übernahmen: British Airways und die spanische Iberia haben ihre lang erwartete Acht-Milliarden-Dollar-Fusion zur nach Umsatz weltweit drittgrößten Airline unterzeichnet. Zeitgleich verhandeln die US-Riesen United Airlines und US Airways Kreisen zufolge über einen Zusammenschluss.

BA muss Stärke zeigen

Obwohl die Liste der Zusammenschlüsse bereits lang ist, geht Luftfahrtexperten die Fantasie für weitere Fusionen nicht aus. "Der Druck ist deutlich stärker geworden", kommentiert Unicredit-Experte Uwe Weinreich. Nach Einschätzung von Metzler-Analyst Jürgen Pieper dürften die jüngsten Zusammenschlüsse weitere Fusionen nach sich ziehen. "Man sieht, andere agieren, da muss man irgendwann reagieren. BA ist tendenziell zurückgefallen in den letzten Jahren gegenüber Air France und Lufthansa und muss jetzt Stärke zeigen."

Lufthansa hatte sich mit der Übernahme von Swiss, Austrian, Brussels und British Midland zur größten europäischen Airline hinaufgearbeitet, während Air France den niederländischen Rivalen KLM geschluckt und sich mit der neuen Alitalia verbündet hatte.

Für BA und Iberia ist die Fusion aber nur der erste Schritt hin zu dem angestrebten Dreierbündnis mit dem Oneworld-Partner American Airlines. Die drei Partner wollen mit ihrer Kooperation von der Liberalisierung des Transatlantikverkehrs profitieren. Nach Ansicht von Analysten dürfte auch United eigentlich auf ein größeres Bündnis hinarbeiten: eine Fusion mit Continental Airlines. Darüber hatten die drei Konzerne Kreisen zufolge bereits gesprochen, der Deal war jedoch in letzter Minute geplatzt. "Das wäre eine Wiederauflage einer Hochzeit, die kurz vor dem Altar gescheitert ist", sagte ein Branchenkenner.

Weniger Wettbewerb

Der Reiz an Zusammenschlüssen liegt für viele Fluggesellschaften auch darin, einen Wettbewerber weniger zu haben. Viele Airlines - besonders in den USA - leiden darunter, dass noch immer zu viele Flugzeuge unterwegs sind. In größeren Verbänden könnten die Konzerne ihre Kapazitäten besser steuern. Zudem sinkt die Zahl der Wettbewerber, die den Preis drücken. Für viele Manager ist daher Konsolidierung der Weg, um die angeschlagene Industrie, die in den vergangenen zehn Jahren 50 Milliarden Dollar verloren hat, in die Gewinnzone zu führen.

Nach Ansicht von Pieper tun sich größere Fluggesellschaften vor allem beim Einkauf von Maschinen und der Reduzierung von Personal- und Abfertigungskosten leichter. Gerade dieser Vorteil treiben auch viele kleinere Airlines in die Arme ihrer großen Rivalen. Die skandinavische Fluggesellschaft SAS hatte sich wiederholt dem Star-Alliance-Partner Lufthansa angedient. Dieser hat mit der Integration der unter Firmenchef Wolfgang Mayrhuber neu gekauften Töchter aber erst mal alle Hände voll zu tun. Eine weitere Übernahme wird es unter der nur noch bis Ende des Jahres laufenden Amtszeit von Mayrhuber wohl nicht mehr geben.

Neben SAS sieht Pieper auch Air Berlin als Übernahmeziel. Als mittelgroße Airline, die sich in den vergangenen Jahren nicht immer gut entwickelt habe, werde das Unternehmen früher oder später einen Bieter anlocken, sagte der Experte.

Quelle: n-tv.de, AFP

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