Wirtschaft

Kein Verbot für E-Fuels Ganz abgeschrieben ist der Verbrenner nicht

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Die Zukunft ist (nicht nur) elektrisch.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nicht zuletzt dank des vehementen Einsatzes der FDP handeln die EU-Umweltminister eine Einschränkung für das Verbrenner-Verbot aus. Neuwagen, die mit synthetischen Kraftstoffen fahren, sollen auch nach 2035 verkauft werden dürfen. Dabei ist der Nutzen der Technologie fraglich.

Nach zähem Ringen haben sich die Umweltministerinnen und Umweltminister der Europäischen Union geeinigt: Ab dem Jahr 2035 sollen keine neuen Verbrenner mehr zugelassen werden - mit Ausnahme von sogenannten E-Fuels. Die Vermutung, das Verbot könnte an Deutschland scheitern, bestätigte sich nicht. Doch nach dem wochenlangen Streit der Ampel-Koalition über das Für und Wider synthetischer Kraftstoffe drückt die FDP den 27-Mitgliedstaaten nun ihren Stempel auf.

E-Fuel passt zum Mantra der Liberalen, auf Innovation statt auf Verbote zu setzen. "Es soll nicht ohne Not eine Tür zugeschlagen" werden, sagte etwa der FDP-Europapolitiker Andreas Glück. Tatsächlich klingt die Theorie erstmal ansprechend: Ein mittels Strom produziertes Gemisch aus Wasser und CO2 soll die fossile Energie ersetzen und eine Alternative zur Batterie bieten. Klimaneutral ist der ganze Prozess indes nur, wenn erstens der Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen und zweitens CO2 direkt aus der Luft absorbiert wird. Das relativiert den späteren Ausstoß und ergibt im Prinzip einen geschlossenen Kreis. Allerdings ist die Gewinnung selbst je nach Verfahren recht energieaufwändig. Bei Flugzeugen, Schiffen oder Lastwagen, also wo die elektrische Leistungsfähigkeit an ihre Grenzen stößt, könnten synthetische Kraftstoffe eine wichtige Unterstützung bieten. Aber es gibt erhebliche Zweifel, ob ihr Einsatz bei normalen PKW sinnvoll ist.

E-Fuels fressen Energie

Denn Autos, die mit E-Fuel betrieben werden, sorgen im Vergleich zu herkömmlichen Benzin- oder Dieselfahrzeugen kaum für Einsparungen an CO2-Ausstoß. Eine Studie der Expertenrunde "Transport and Environment" hat dazu die Emissionen eines kompletten Lebenszyklus von Autos berechnet, die im Jahr 2030 gekauft werden, inklusive Herstellung, Betrieb und Entsorgung. Demnach verursacht ein Elektrofahrzeug, das nur mit einer Batterie und Elektromotoren angetrieben wird, über seine Lebensdauer 78 Prozent weniger Emissionen als ein herkömmlicher Verbrenner.

Ein Fahrzeug, das mit reinem E-Fuel fährt, der zudem mit erneuerbarem Strom hergestellt wird, würde über seinen Lebenszyklus deutlich mehr emittieren als das Elektroauto, zeigt die Analyse. Ein Elektrofahrzeug wäre 53 Prozent sauberer als ein Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen. Der Grund: Allein die E-Fuel-Herstellung kostet viel Energie, zudem ist der Verbrennungsmotor ineffizient.

Auch bei Automobilexperten hat E-Fuel keinen guten Stand. Synthetische Kraftstoffe wären nur eine Randerscheinung und sind dazu "verdammt teuer", sagt der Auto-Analyst der Nord-LB, Frank Schwope, ntv.de. Der Chef des privatwirtschaftlichen Forschungsinstituts Center Automotive Research, Ferdinand Dudenhöffer, glaubt sogar, Technologieoffenheit bremse in dem Fall den Fortschritt: "Das Argument kommt von den ewig Gestrigen und den Mineralölkonzernen, um den Wandel aufzuhalten."

Industrie pocht auf synthetischen Sprit

Gebremster Fortschritt - mit der Außendarstellung der FDP passt diese Aussage eigentlich nicht zusammen. Dafür teilt die Partei den lautstarken Ruf nach E-Fuel mit dem Lobbyverband VDA der deutschen Automobilindustrie. Für Stefan Marschall von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf ist das wenig verwunderlich: "Die FDP vertritt industriepolitische Interessen", sagt er ntv.de. "Sie will ihre Klientel vertreten."

Der VDA kritisierte den EU-Beschluss prompt: "Zu E-Fuels scheint es nur für eine Absichtserklärung gereicht zu haben, deren Umsetzung offen ist", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Um die Klimaziele zu erreichen, sei dies aber wichtig. Mitunter hat die Autoindustrie bereits massiv in E-Fuel-Technologie investiert. Die VW-Tochter Porsche pumpte eine halbe Milliarde Euro in eine Fabrik für synthetische Kraftstoffe in Chile.

Grundsätzlich richtet die Industrie ihr Zukunftsprofil aber vor allem auf Elektrofahrzeuge aus. Auch schon vor der EU-Vereinbarung ließ sich den Ankündigungen der Hersteller entnehmen, dass im Jahr 2035 der Anteil elektrischer Neuwagen in Europa bei 84 Prozent liegen werde, zeigen Berechnungen des "International Council on Clean Transportation". Mit dem breiten Angebot dürfte sich auch der Preis bis dahin reduziert haben. Experten mahnen jedoch einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur an.

Nach der Einigung der Umweltministerinnen und -minister ist es nun am EU-Parlament und den Mitgliedsstaaten, fehlende Details auszuhandeln und das Gesetz zu verabschieden. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass das Verbrenner-Verbot noch gekippt wird. Auf einen Schlag von den europäischen Straßen verschwunden sein werden Benziner und Diesel ohnehin nicht. Als Gebrauchtwagen dürfen sie auch nach 2035 weiterhin gehandelt werden. Und auch alle vor dem Stichtag erworbenen Neuwagen mit Verbrennungsmotor dürfen fahren, bis sie rosten. Ein absolutes Fahrverbot gilt als unwahrscheinlich.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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