Wirtschaft

So geht es nach dem Nein weiter Griechenland bleiben noch zwei Wochen

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Mit dem Nein beim Referendum ist der Grexit nur noch eine Frage von höchstens zwei Wochen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit dem Nein beim Referendum haben die Griechen womöglich ihr eigenes Todesurteil unterzeichnet. Der Fahrplan nach dem Referendum ist düster: Ohne Deal mit den Geldgebern bleiben Athen höchstens noch zwei Wochen bis zum Grexit.

Oxi! Griechenland hat entschieden, und die Botschaft ist klar: Mehr als 60 Prozent der Griechen haben "Nein" zu den Sparplänen der Geldgeber gesagt. Damit beginnt nun der gefürchtete  Wettlauf zwischen Politik und Notenbank: Die EU-Staatschefs müssen entscheiden, ob es überhaupt noch Verhandlungen gibt und Griechenland weitere Finanzhilfen bekommt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss parallel entscheiden, ob sie die Nothilfen für die griechischen Banken einstellt. Sie sind das Einzige, was Athens Pleite bislang noch verhindert. Politik oder Notenbank - wer dreht Athen den Geldhahn endgültig zu? Der Fahrplan nach dem Referendum sieht düster aus. An jedem der folgenden Schicksalstage droht Athen das Euro-Aus. Wenn kein Wunder geschieht, dürfte spätestens in zwei Wochen Schluss sein.

Montag, 6. Juli: Zieht die EZB den Stecker?

Die Griechen räumen seit Monaten ihre Konten leer, das Kapital flüchtet aus dem Land. Seit einer Woche dürfen Sparer nur noch 60 Euro täglich abheben. Die Regierung hat die Banken dicht gemacht. Nur die Nothilfen der EZB halten sie gerade noch über Wasser. Die EZB hat inzwischen 89 Milliarden Euro in die maroden Geldhäuser gepumpt.

Eigentlich dürfen die Währungshüter diese Nothilfen nur vorrübergehend vergeben. Und nur an Banken, die solvent sind. Trotzdem fließt das Geld schon seit Februar - obwohl Griechenlands Banken praktisch pleite sind. Denn wenn die Notenbanker diese letzte Rettungsleine für Athens Banken kappen, bleibt Griechenland kaum eine andere Wahl, als wieder eigenes Geld zu drucken und den Euro zu verlassen. Dafür wollen sie nicht verantwortlich sein. Die Notenbanker verschließen deshalb bisher einfach die Augen vor der Wirklichkeit.

Doch ewig lässt sich das nicht durchhalten. Am Montagnachmittag müssen sie entscheiden, was das Nein beim Referendum für die Bankenhilfe bedeutet. Denn mit der Ablehnung der Sparpläne rückt Griechenlands  Staatspleite in greifbare Nähe  - und damit auch der Konkurs der griechischen Banken, die griechische Staatsanleihen halten. Trotzdem wird die EZB die Hilfen am Montag wahrscheinlich noch nicht einstellen. Auch um den Politikern in Athen und Brüssel eine allerletzte Chance zu geben.

Dienstag, 7. Juli: Verstößt die EU Griechenland?

Die Währungshüter werden die Hilfen wohl solange verlängern, wie es noch einen letzten Funken Hoffnung gibt. Das entscheidet sich beim EU-Sondergipfel am Dienstagabend. Alexis Tsipras sieht sich durch das Nein beim Referendum gestärkt und glaubt, dass Angela Merkel und die anderen EU-Regierungschefs ihm nun entgegenkommen werden. Sollten sie aber kein Angebot machen, könnte das das Signal für die EZB sein, den Geldhahn zuzudrehen.

Womöglich kommt der Grexit am Dienstag auch von ganz allein. Eigentlich sollen die griechischen Banken am Dienstag wieder öffnen. Doch trotz der Kapitalverkehrskontrollen wird das Geld knapp: "Es reicht nur bis Dienstag", soll Louka Katseli, die Chefin des griechischen Bankenverbandes, laut der griechischen Zeitung "To Vima" schon am Freitag gesagt haben. Wahrscheinlich ist deshalb, dass die Banken weiter geschlossen bleiben.

Freitag, 10. Juli: Muss die EZB die Pleite anerkennen?

Auch wenn Athen die ersten beiden Hürden noch nimmt, werden womöglich schon am Ende der Woche Fakten geschaffen, vor denen selbst die EZB die Augen nicht länger verschließen kann. Am Freitag muss die Athener Regierung zwei Milliarden in kurzlaufenden Staatsanleihen zurückzahlen. Diese sogenannten T-Bills liegen bei den griechischen Banken. Bisher hat Athen die Papiere getilgt, indem es einfach neue ausgegeben hat.

Doch diesmal könnten die Banken sich weigern nachzukaufen, weil sie selbst kein Geld mehr haben. Athen könnte seine Papiere dann nicht zurückzahlen. Nachdem es schon am 30. Juni seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht beglichen hat, wäre es das erste Mal, dass es private Gläubiger nicht bedient. Die Ratingagenturen müssen Athen dann für pleite erklären. Selbst für die EZB wäre die Frage, ob auch Griechenlands Banken in die Pleite schlittern, kaum noch zu übersehen. Schließlich hätte Athen Anleihen nicht bedient, die in ihren Bilanzen schlummern.

Montag, 20. Juli: Schicksalstag für Athen

Endgültig Schluss mit den Nothilfen für Athen wäre aber wohl in genau zwei Wochen. Denn dann bekommen die Währungshüter den Zahlungsausfall direkt zu spüren: Griechenland muss rund 3,5 Milliarden Euro direkt an die EZB selbst überweisen. Sollte Athen diese Latte reißen, können die Notenbanker die Pleite nicht länger ignorieren. Es wäre an Absurdität nicht zu überbieten, wenn die EZB Griechenland gegen alle Fakten weiter für solvent erklärte, obwohl das Land ihr selbst alte Schulden nicht zurückzahlt. "Viel weiter kann sie nicht gehen", sagt DIW-Chef Marcel Fratzscher im Interview mit n-tv.de.

Es wäre der denkbar ironischste aller Schlussakkorde, den man sich in der Schuldenkrise vorstellen kann. Denn ausgerechnet die EZB, die mit ihrer Krisenpolitik den Euro retten will, würde Griechenlands Schicksal besiegeln und die Währungsunion damit in die tiefste Krise ihrer Geschichte stoßen. Wegen einer Anleihe, die sie auf dem Höhepunkt der Turbulenzen eigentlich gekauft hatte, um Athen zu retten.

Quelle: n-tv.de