Wirtschaft

Abwärtsspirale droht Griechenland steckt in der Deflation

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Trübe Aussichten: In Athen warten Jobsuchende vor einem Arbeitsamt.

(Foto: REUTERS)

In Griechenland fallen die Preise kräftig. Für November weist das Krisenland sogar einen Rekord aus. Die Entwicklung ist von der internationalen Geldgeber-Troika zwar gewollt, aber dennoch ist sie nicht ungefährlich.

Die schwere Rezession lässt die Preise in Griechenland im Rekordtempo fallen. Waren und Dienstleistungen verbilligten sich im November im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 2,9 Prozent. Eine stärkere Deflation hat es seit Beginn der Datenerhebung 1960 noch nicht gegeben, wie das Statistikamt mitteilte. Im Oktober hatte das Minus bei zwei Prozent gelegen.

"Das ist beispiellos für Griechenland", sagte Ökonom Nikos Magginas von der National Bank of Greece. "Eine lange Periode des allgemeinen Preisverfalls würde die Schuldendynamik des Landes noch verschlechtern." Auch die Industriestaaten-Organisation OECD warnte kürzlich, dass eine starke Deflation die Konjunktur drücken und damit den Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt nach oben treiben könnte.

Sinkende Verbraucherpreise über einen längeren Zeitraum gelten als Hemmnis für die konjunkturelle Entwicklung, da Konsumenten und Unternehmen Ausgaben hinauszögern. Sie könnten darauf spekulieren, dass die Preise weiter fallen. Im schlimmsten Fall kann dies eine Abwärtsspirale aus fallenden Verbraucherpreisen und schwacher Wirtschaftsleistung auslösen.

Grund für den Preisverfall ist die Wirtschaftskrise. Unternehmen und öffentlicher Dienst haben die Löhne gekürzt - auch um auf Betreiben der internationalen Geldgeber die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern. Obwohl die Preise sinken, prognostiziert das gewerkschaftsnahe deutsche Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) für dieses Jahr einen Rückgang der Reallöhne um 6,2 Prozent. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote mit rund 27 Prozent so hoch wie noch nie.

Unternehmen können in diesem Umfeld kaum höhere Preise durchsetzen. Im Gegenteil: Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die Inflationsrate noch längere Zeit unter dem Durchschnittswert der Euro-Zone liegen wird. In der Währungsunion zogen die Preise zuletzt um 0,9 Prozent an. Preisstabilität sieht die Europäische Zentralbank bei einem Niveau von knapp unter 2 Prozent gewährleistet.

BIP schrumpft langsamer

Die griechische Wirtschaft steckt tief in der Rezession - auch wenn sich die Talfahrt in den Sommermonaten das vierte Quartal in Folge verlangsamte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im dritten Quartal um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr - das war der geringste Rückgang seit drei Jahren.

Dem am schwersten von der Euro-Schuldenkrise betroffenen Land wird aber 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das BIP soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um auch nur den in diesem Jahr erwarteten Einbruch von vier Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll im Jahr 2015 lediglich auf 24 Prozent sinken.

Griechenlands Parlament gab am Wochenende grünes Licht für weitere Einsparungen in Höhe von drei Milliarden Euro. Den internationalen Geldgebern von IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank gehen die Einsparungen aber nicht weit genug. Inspektoren der Troika verschoben einen für diese Woche geplanten Besuch in Athen. Die im September begonnenen Verhandlungen über die Auszahlung der jüngsten Kredittranche dürften sich daher voraussichtlich bis in den Januar hinziehen.

Quelle: n-tv.de, jga/rts

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