Wirtschaft

Auftakt zur Berlin Air Show ILA zieht die schweren Flieger an

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Drei Maschinen will Deutschland davon kaufen: Eine "Hercules" C-130J von Lockheed Martin in Berlin-Schönefeld.

(Foto: © Messe Berlin GmbH / Hans Scherhaufer)

Ungewöhnliche Sichtungen im Südosten Berlins: Am Himmel über der Airport-Baustelle BER tauchen exotische Fluggeräte auf. Der Grund? Die Luftfahrtmesse ILA lädt zur Leistungsschau - in diesem Jahr mit besonders spektakulären Maschinen.

In der europäischen Luftfahrtindustrie herrscht Aufbruchsstimmung: Autonom fliegende Drohnen, die Chancen der Digitalisierung und die militärische Aufrüstung in Europa stehen zum Auftakt der Berliner Luftfahrtmesse ILA für gleich drei Megatrends, die eine Revolution des Fliegens verheißen - oder zumindest Herstellern und ihren Zulieferern Geschäfte versprechen. Dem Vernehmen nach wollen Deutschland und Frankreich die Berliner Messe nutzen, um Details zum neuen deutsch-französischen Kampfjet-Projekt vorzustellen.

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Europa rüstet auf: Deutschland sucht unter anderem einen Nachfolger für den Jagdbomber Tornado.

(Foto: picture alliance / Carsten Venne)

Wie die Zukunft des Fliegens aussehen könnte, lässt sich auf der Internationalen Luftfahrtausstellung besichtigen: In diesem Jahr strömen mehr als 1000 Aussteller aus 40 Ländern nach Berlin-Schönefeld, um auf dem Gelände des Großflughafens BER im Südosten der Hauptstadt ihre Neuheiten aus der Luft- und Raumfahrt vorzustellen. Die traditionsreiche Messe gilt als einer der wichtigsten Branchentreffs der weltweit vernetzten Luftfahrtindustrie. Die große "Berlin Air Show" findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der britischen Flugshow in Farnborough und dem französischen Pendant in Le Bourget statt.

"Joint Strike Fighter" in Berlin

In diesem Jahr dürfte die ILA reichlich Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Der europäische Flugzeugbauer Airbus will unter anderem den neu entwickelten "CityAirbus", ein batteriebetriebenes Elektroluftfahrzeug, das senkrecht starten und landen kann, für den Passagiertransport der Zukunft präsentieren. Branchenrivale Boeing ist mit einer ganzen Palette schwerer Maschinen vertreten, darunter einem vierstrahligen Militärtransporter "Globemaster", einem bis an die Zähne bewaffneten Kampfhubschrauber "Apache" und einem Kipprotor-Flieger "Osprey".

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Ein Highlight der Messe: Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin reist mit einer F-35 an. Der Stealth-Jet - auch bekannt als "Joint Strike Fighter" - gilt als das bislang teuerste Kampfjetprojekt aller Zeiten - und zugleich als heimlicher Nachfolgekandidat für die alternden Tornado-Jets der Bundeswehr. Zusätzlich bringen die Amerikaner auch mehrere Transporter vom Typ C-130 "Hercules" mit. Die viermotorigen Maschinen sollen Kapazitätslücken bei deutschen und französischen Spezialkräften schließen.

Boeing, Airbus und Lockheed Martin hoffen in Berlin auf lukrative Verträge. Sie nutzen die ILA vor allem als Plattform, um ihre Systeme aus der zivilen Verkehrsluftfahrt und der militärischen Fliegerei potenziellen Neukunden vorzustellen. Wie wichtig die ILA für Flugzeugbauer ist, lässt sich schon am Aufwand erkennen, den die Aussteller betreiben: Die Branchenriesen Airbus und Boeing schicken ihre beiden Flaggschiffe nach Berlin, den doppelstöckigen Verkehrsjet A380 und den überarbeiteten und verlängerten Jumbo-Jet 747-8 - die beiden größten und schwersten Passagierflugzeuge der Welt.

Israelische Kampfdrohne in Berlin

Wichtigster Einzelaussteller ist jedoch die Bundeswehr - die deutschen Streitkräfte sind auf der ILA mit einer eigenen kleinen Luftflotte vertreten. Als Großabnehmer der europäischen Rüstungsbranche führt die Truppe auf der Messe ein stattliches Kontingent an Kampf- und Rettungshubschraubern, Transportflugzeugen und Abfangjägern vor. Insgesamt werden in Schönefeld mehr als 200 verschiedene Fluggeräte erwartet - vom historischen "Fieseler Storch" über jenen Aufklärer P-38 "Lightning", den der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry flog, bis hin zum Eurofighter oder friedlicheren Exemplaren wie etwa dem Pseudo-Satelliten "Zephyr", einer Solardrohne mit 25 Metern Spannweite.

Ab Mittwoch können sich Fachbesucher in den Ausstellungshallen der ILA über den neuesten Stand auf dem Gebiet der Drohnen-Logistik, der digitalisierten Airline-Planung, neuer Fertigungstechniken im Flugzeugbau und der europäischen Raumfahrt informieren. Für die Öffentlichkeit ist die ILA ab Freitag geöffnet. Bis Sonntag erwarten die Veranstalter - die Berliner Messe und der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie BDLI - mehr als 150.000 Besucher. Partnerland ist in diesem Jahr Frankreich. Ein ausführliches Flugprogramm umfasst Kunstflugvorführungen und eine Luftparade der Bundeswehr.

Viel Gedrängel dürfte es während der Messe jedoch vor allem im Ausstellungsbereich der Drohnen geben: Auf der ILA wird nämlich eines der derzeit umstrittensten Rüstungsprojekte der Bundeswehr zu sehen sein. Der israelische Hersteller IAI präsentiert in Schönefeld die Turboprop-Kampfdrohne "Heron TP", die das Bundesverteidigungsministerium für gut eine Milliarde Euro beschaffen will. Nebenan zeigt Airbus erstmals überhaupt einen Prototyp der neuen europäischen Überwachungsdrohne "Euro MALE".

 

Quelle: n-tv.de

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