Wirtschaft

Die Zeit scheint reif Julius Bär spaltet sich auf

Während die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS nicht müde werden, die Vorteile einer integrierten Bank zu betonen, geht das Zürcher Traditionshaus Julius Bär den entgegengesetzten Weg. Bär teilt die Vermögensverwaltung für Reiche und das Asset Management für institutionelle Kunden in zwei eigenständige Gesellschaften auf. Beide sollen auch selbstständig an der Börse gelistet werden.

Bei den Großbanken fuhren die Investmentbank-Töchter in der Finanzkrise happige Verluste ein. Der damit verbundene Vertrauensverlust zog bei UBS - nicht bei Credit Suisse, wo die Verluste auch nicht so hoch waren - das lukrative Vermögensverwaltungsgeschäft stark in Mitleidenschaft. Die Kunden liefen in Scharen davon.

Zur Bär-Gruppe gehörte seit 2005 auch die Fonds-Gesellschaft GAM, die in der Finanzkrise unter einem kräftigen Vermögensabfluss seitens institutioneller und Fonds-Kunden zu leiden hatte und sich nach Ansicht des Helvea-Analysten Peter Thorne von einem Merkmal der Stärke zu einem Schwächefaktor entwickelt hat. Obwohl GAM ungleich den Investmentbank-Töchter der Großbanken schwarze Zahlen schrieb und schreibt, galt sie im Markt vielen als eine Art Klotz am Bein der Gruppe.

Ob die Abfluss-Tendenz bei GAM auf das Privatbankgeschäft übergeschwappt ist oder überzuschwappen drohte, blieb zunächst unklar. Auf jeden Fall berichtete Bär Mitte Mai zur Enttäuschung von Analysten von einer "klar abgeschwächten Zuwachsrate" beim Zufluss neuer Gelder in die Privatbank. Das zu einer Zeit, in der andere Schweizer Institute von der Kundenflucht bei UBS profitieren konnten. Verwaltungsratspräsident Raymond Bär blieb in einer Pressekonferenz am 20. Mai in dieser Hinsicht eher allgemein: Mit dem Beschluss zur Trennung habe die Bank auf die Veränderungen der vergangenen Monate reagiert, sagte er.

Gute Gründe

Die Zeit sei gekommen für sogenannte "pure plays", für Banken und Finanzgesellschaften, die sich ohne Rücksicht auf einen anderen Geschäftsteil auf einen einzigen Zweck und einen homogenen Kundenkreis konzentrieren. Bär betonte auch die neue "open architecture" bei den Produkten. Das heißt, vermögende Kunden sollen nicht die Sorge haben müssen, dass ihnen GAM-Fonds nur deshalb ins Depot gelegt werden, weil sie von einer Tochterfirma von Bär kommen. Zudem sind die beiden Gesellschaften auf unterschiedliche Regionen ausgerichtet. Während sich das Privatbankgeschäft neben der Schweiz auf Europa konzentriert und im Nahen Osten und in Asien wachsen will, blickt GAM über den Atlantik nach Amerika.

In den USA haben Schweizer Vermögensverwalter derzeit freilich kein gutes Image. UBS hatte aggressiv und wohl auch gegen die US-Gesetze reiche Amerikaner als Kunden geworben und muss sich mit dem Vorwurf der Beihilfe zu Steuerhinterziehung auseinandersetzen. Für GAM, die die Entwicklung der US-Vertriebskanäle beschleunigen will, ist es sicher nicht von Nachteil, unter dem eigenständigen Namen GAM Holding und nicht mehr als Teil einer Schweizer Privatbank zu operieren.

Nach dem Bankgeheimnis

Die Trennung der beiden Einheiten vereinfacht auch die Strukturen. Verwaltungsratspräsident Bär muss sich nur noch um das Privatbankgeschäft kümmern. Da wird sich nach Ansicht von Aktienexperten einiges tun. Das Schweizer Bankgeheimnis für ausländische Kunden wird weitgehend wegfallen. Das könnte bedeuten, dass auch Bär-Kunden abwandern oder es schon getan haben. Für Bär, EFG International und auch die Bank Sarasin bestehe ein gewisses Risiko, so der Helvea-Analyst. Raymond Bär sieht keine große Gefahr. Vielmehr böten sich Chancen für Zukäufe, und dafür sei die neue Bär nun besser gerüstet.

Quelle: n-tv.de, Albert Schmieder, rts

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