Wirtschaft

Möglicher Nuklearunfall in China Konzern ermittelt nach Bericht über AKW-Leck

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Die beiden Druckwasserreaktoren des neuen Typs EPR im AKW Taishan wurden 2018 und 2019 in Betrieb genommen.

(Foto: imago/Xinhua)

Zwei Druckwasserreaktoren des neuen Typs EPR sind der ganze Stolz des Atomkraftwerks Taishan. Weltweit sind sie die einzigen, die bereits Strom liefern. Doch nun gibt es einen Bericht, wonach es ein Leck an der Anlage im Süden Chinas gegeben habe. Die Betreiber bemühen sich um Aufklärung.

Der französische Atomkonzern Framatome prüft einen möglichen Vorfall in einem Atomkraftwerk in China. Er überwache "einen der Funktionsparameter" des AKW in Taishan in Südchina, erklärte der Konzern in Paris. Der US-Fernsehsender CNN hatte zuvor über ein bereits länger bestehendes mögliches Leck berichtet.

Bisher arbeite das Kraftwerk innerhalb der Sicherheitsvorgaben, erklärte Framatome. Der Konzern gehört zum französischen Energieriesen EDF, der zu 30 Prozent an dem chinesischen Atomkraftwerk beteiligt ist. EDF teilte mit, in einem der beiden Reaktoren gebe es einen "Anstieg der Konzentration bestimmter Edelgase im Primärkreislauf." Die Edelgase - Xenon und Krypton - seien gezielt in die Atmosphäre abgegeben worden. Dies sei "innerhalb der von der chinesischen Sicherheitsbehörde definierten Grenzwerte" geschehen. Ursache für den Vorgang sei "eine Schädigung der Umhüllung einiger Brennstäbe", erklärte der EDF-Sprecher, ergänzte jedoch: "Wir haben keine Dynamik eines Unfalls mit Kernschmelze."

Auch die chinesischen Betreiber sind Spekulationen über Umweltschäden entgegengetreten. Die Umweltdaten in dem Werk sowie in dessen Umgebung seien "normal", teilte die China General Nuclear Power Group (CGN) mit. Es werde regelmäßig gemessen. Die beiden Blöcke arbeiteten entsprechend den Sicherheitsvorschriften.

Das AKW liegt in der südchinesischen Provinz Guangdong nahe der Millionenstadt Taishan – etwa 135 Kilometer westlich von Hongkong. Die mit französischer Hilfe gebauten zwei Druckwasserreaktoren des neuen Typs EPR wurden 2018 und 2019 in Betrieb genommen. Diese sind bisher die einzigen weltweit, die bereits Strom liefern. Weitere Kraftwerke mit solchen Reaktoren werden unter anderem in Großbritannien und Frankreich errichtet. Ein Neubau im nordfranzösischen Flamanville hatte sich aber wegen Sicherheitspannen verzögert. Die französische Atomaufsicht bemängelte unter anderem Risse im Mantel des Reaktors.

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Zuvor hatte CNN unter Berufung auf einen Brief von Framatome an die US-Behörden berichtet, es gebe ein mögliches "Leck" in dem AKW und einen Hinweis auf eine "bevorstehende radiologische Bedrohung". Das Unternehmen habe den chinesischen Behörden vorgeworfen, die Grenzwerte für die Belastung durch nukleare Gase um das Atomkraftwerk erhöht zu haben, um es nicht schließen zu müssen.

Dem Bericht zufolge kam die US-Regierung nach einwöchiger Prüfung des Vorfalls allerdings zu dem Schluss, dass ein "Krisenpunkt" noch nicht erreicht sei, die Lage aber beobachtet werden müsse. US-Beamte glaubten, dass die Situation gegenwärtig keine schwere Bedrohung für die Arbeiter in dem Werk oder die Öffentlichkeit darstelle. Demnach habe die US-Regierung mit der französischen Regierung beraten und die chinesische Regierung kontaktiert.

Quelle: ntv.de, cri/AFP/dpa

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