"Aber es wird besser"Lagarde stimmt Euroraum auf weiter steigende Preise ein

Der Iran-Krieg treibt die Inflation im Euroraum weiter an und belastet Verbraucher und Unternehmen. Die Notenbank reagiert mit höheren Zinsen. EZB-Chefin Lagarde stellt sich auf weitere schwierige Monate ein, sieht danach aber Licht am Ende des Tunnels.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde macht den Menschen im Euroraum Hoffnung auf mittelfristig wieder sinkende Inflationsraten. "In unseren aktuellen Prognosen steigt die Inflation bis Ende 2026 weiter. Sie wird also schlimmer, bevor sie besser wird, aber sie wird besser", sagte Lagarde ZDFheute.de.
Da mit dem Iran-Krieg die Ölpreise hochgeschossen sind, haben die Verbraucherpreise im Euroraum stark angezogen. Im August lag die Teuerungsrate bei 3,3 Prozent und damit weiter über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig 2,0 Prozent anstrebt. Als Reaktion darauf hat die Notenbank den für Sparer und Banken wichtigen Einlagenzins am Donnerstag auf 2,5 Prozent angehoben. Bundesbankchef Joachim Nagel sagte, damit sei der Leitzins an der Obergrenze einer neutralen geldpolitischen Zone angesiedelt - also in einem Bereich, in dem die Wirtschaft weder gebremst noch angeschoben wird.
Lagarde hatte bereits nach dem Zinsentscheid erklärt, dass die Inflation "für einen längeren Zeitraum" deutlich über dem Zielwert bleiben dürfte. Für dieses Jahr erwartet die EZB nach neuster Prognose eine Inflation von 3,0 Prozent. Auch 2027 (2,5 Prozent) und 2028 (2,1 Prozent) wird die Marke von 2,0 Prozent demnach verfehlt.
Die Währungshüter der EZB warnten zugleich vor anhaltendem Preisdruck, was Spekulationen über weitere Zinserhöhungen befeuerte. Der Ölpreis war Mitte der Woche wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen. Der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran schürt an den Börsen die Sorge vor Lieferausfällen.
Lagarde will digitalen Euro voranbringen
Bundesbankchef Nagel schließt es nicht aus, dass die EZB die Zinszügel weiter anziehen muss und damit auch die Wirtschaft leicht bremsen würde. Es sei noch zu früh, um über Zinserhöhungen zu spekulieren, sagte Nagel dem Sender CNBC. Dies hänge letztlich von der Entwicklung der Energiepreise ab. Er könne jedoch nicht ausschließen, dass die Notenbank mit einem strafferen Kurs auch in einen leicht "restriktiven Bereich" vordringe. Damit ist ein Zinsniveau gemeint, das die Wirtschaft etwas dämpft.
Zugleich sei es eine gute Nachricht, dass sich die Wirtschaft trotz der Folgen des Iran-Krieges als erstaunlich robust erweise, sagte Nagel. Für Deutschland, die größte Volkswirtschaft des Euroraums, könne dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent herausspringen.
Lagarde betonte gegenüber ZDFheute.de zudem die Bedeutung des digitalen Euro. Die Menschen würden zunehmend online einkaufen. "Deshalb müssen wir sicherstellen, dass auch das Geld der Zentralbank digital ist, denn wir dürfen von diesem Spiel nicht ausgeschlossen werden. Es wird also weiterhin Banknoten geben, schöne, hoffe ich, und einen digitalen Euro, denn falls alles sehr digital wird, müssen wir bei beiden im Spiel sein: Banknoten und digital."
Der digitale Euro soll das Euro-Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen. Mit dem digitalen Euro wollen die Euro-Notenbanken US-Anbietern wie Paypal, Mastercard und Visa, die den Markt für digitale Zahlungen in Europa dominieren, ein europäisches Angebot entgegensetzen. Angepeilt ist die Einführung des digitalen Euro für 2029.
