Wirtschaft

Investoren rangeln um Firmenbonds Medtronic stellt Apple in den Schatten

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Medtronic produziert unter anderem Herzschrittmacher.

(Foto: picture alliance / dpa)

Anleger suchen in Zeiten niedriger Zinsen händeringend nach lukrativen Investitionen. Unternehmensanleihen rücken da in den Fokus - jüngster Profiteur ist der US-Medizintechniker Medtronic - mit der bisher größten Emission des Jahres.

Der hierzulande kaum bekannte US-Medizingerätehersteller Medtronic sticht dieses Jahr an den Finanzmärkten die Schwergewichte Apple und Alibaba aus. Das Unternehmen sammelte bei seiner Anleiheemission mit 17 Milliarden US-Dollar mehr ein als die beiden Börsenlieblinge. Es ist der größte Bonddeal in diesem Jahr, was den anhaltenden Heißhunger von Investoren auf Anleihen mit einem hochklassigen Rating unterstreicht.

Dank des Kapitalzuflusses wird Medtronic seine 43 Milliarden Dollar teure Übernahme der irischen Covidien stemmen können. Die Transaktion beinhaltet auch eine sogenannte Inversion, bei der der Unternehmenssitz ins Ausland verlegt wird, um Steuern zu sparen. Diese Praxis geriet jüngst schwer in die Kritik von US-Politikern.

US-Firmen sammeln 1,5 Billionen Dollar ein

Mit dem Bond-Deal von Medtronic klettert das gesamte US-Emissionsvolumen in diesem Jahr auf rund 1,5 Billionen Dollar. Damit dürfte 2014 das dritte Rekordjahr in Folge werden, wie der Datendienstleister Dealogic glaubt. Die Summe beinhaltet alle an den US-Finanzmärkten emittierten Schuldverschreibungen - unabhängig von der Qualität ihres Ratings.

Die bisher größte Anleihe-Transaktion dieses Jahres war Apples Emission vom April, mit der der Konzern rund zwölf Milliarden Dollar erlöste. Medtronic übertraf auch Alibabas acht Milliarden Dollar schweres Anleihegeschäft vom vergangenen Monat.

Zugleich hält damit die Emissionswelle bei Anleihen an. Jetzt hat auch Amazon die Ausgabe von Bonds angekündigt, die erste Transaktion des Onlinehändlers dieser Art seit zwei Jahren.

Die Unternehmen wollen mit ihren Anleiheplatzierungen so schnell wie möglich aus den Startlöchern kommen, um noch die historisch niedrigen Zinsen auszunutzen. Mit dem Geld wollen sie von Fusionen und Übernahmen bis hin zu Aktienrückkäufen alles finanzieren.

Überflieger am Rentenmarkt

Die Größe des Medtronic-Deals fiel umfangreicher als erwartet aus. Das ist ein klares Zeichen: Die Investoren rangeln sich um relativ sichere Schuldverschreibungen, die höher rentieren als US-Staatsanleihen oder andere Papiere von Industriestaaten.

US-Unternehmensanleihen mit Investmentgrade gehören dieses Jahr zu den Überfliegern an den Rentenmärkten. Konjunkturelle Wachstumssorgen drücken die Renditen dieser Papiere. Auch bei Medtronic bröckelten die Renditen im Rahmen des Emissionsverfahrens immer weiter ab. Das Unternehmen brachte Anleihen mit Laufzeiten von 3 bis 30 Jahren unter. Die Nachfrage war extrem stark: Es seien Zeichnungsaufträge über rund 45 Milliarden Dollar eingegangen, sagte ein Insider.

Manche Investoren griffen bei Medtronic zu, da die neuen Schulden höhere Renditen boten als die schon bestehenden Anleihen. Geldmanager halten die Übernahme des europäischen Wettbewerbers Covidien für sinnvoll. Konsortialführer bei der Anleiheemission waren Bank of America Merrill Lynch, Deutsche Bank und JP Morgan Chase.

Auch wenn die Emission von Medtronic mit ihren 17 Milliarden Dollar riesig ist. Im Vergleich zum Rekord vom September 2013, den Verizon Communications mit 49 Milliarden Dollar aufstellte, erscheint sie jedoch relativ klein.

Quelle: n-tv.de

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