Wirtschaft

Treffen der G20 in Australien Merkel reist in eine ungewisse Zukunft

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Bundeskanzlerin Angela Merkel reist zum ersten Mal nach Australien und Neuseeland.

(Foto: dpa)

Es sind nicht Europas Volkswirtschaften, deren Bedeutung in der Welt zunimmt. Die Zukunft der Weltwirtschaft spielt woanders, zum Beispiel in Australien und Neuseeland. Dort erwartet Kanzlerin Merkel eine bittere Erkenntnis: Die Erde dreht sich auch ohne Europa weiter.

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Es geht auch ohne Europa: Während der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die heimische Kohlekraft verteidigt, einigen sich China und die USA auf ein Klimaschutzabkommen. Deutschland ist außen vor.

(Foto: REUTERS)

Es ist wie ein Treffen mit entfernten Verwandten, die man lange nicht gesehen hat. Angela Merkel war noch nie in Neuseeland und Australien, wie sie eingesteht. Mit ihrer Ankunft im neuseeländischen Auckland gibt es diesen "weißen Fleck" auf der Reiseliste der Kanzlerin nun nicht mehr. Auf den ersten Blick müssen ihr beide Länder vertraut erscheinen - die Bevölkerungen haben mehrheitlich europäische Wurzeln, es gibt viele kulturelle und historische Verbindungen.

Doch Australien und Neuseeland gehören zugleich in ein anderes - in das pazifische - Koordinatensystem. Das steht mit seinen großen Wachstumspotenzialen weit mehr für Zukunft als das alte Europa, das inzwischen um seinen Platz in der Welt kämpfen muss.

Der Kanzlerin ist das auf dem Weg zum Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer nicht entgangen. Die Musik in der Welt spielt immer häufiger außerhalb Europas und ohne eine Beteiligung Europas. Der gerade zu Ende gegangene Apec-Gipfel der asiatisch-pazifischen Länder, den China als Gastgeber mit dem ganzen Selbstbewusstsein einer relativ jungen globalen Wirtschaftsmacht zelebrierte, machte das deutlich. Neuseeland und Australien gehören dazu, sind dort regionale Bündnispartner der USA, Russlands, Chinas, Indiens und anderer aufstrebender Länder Asiens.

Acht G-20-Staaten waren in Peking vertreten - das sind mehr als der ehrwürdige G-7-Club der "alten" Industrieländer mit den vier größten europäischen Volkswirtschaften Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien. Thematisch ging es bei dem Apec-Treffen um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit der Mitgliedsländer, um den Abbau von Handelsschranken, Freihandelsabkommen und Investitionsbereitschaft - Themen, die auch die nach Wachstumschancen suchenden Europäer umtreiben. Am Rande des Apec-Gipfel kam es sogar zu einer "historischen" Klimaschutzvereinbarung zwischen den USA und China.

Die Zukunft verlässt den Kontinent

Die Welt dreht sich und Europa droht die Rolle des Zaungasts. Den Europäern wird immer häufiger vor Augen geführt, dass wichtige Dinge in der Welt auch ohne sie entschieden werden, dass zentrale Großvorhaben - wie etwa das umstrittene Freihandels- und Investitions-Abkommen mit den USA (TTIP) - plötzlich in Konkurrenz zu ähnlichen Vorhaben in anderen Ecken der Welt geraten - etwa die Transpazifische Partnerschaft TPP der USA mit einem Dutzend Staaten des Pazifikraums, das 2015 geschlossen werden soll. "Das macht die Dinge für uns schwieriger", warnen seit längerem deutsche Außenhändler. Gerade die Deutschen als große globale Exportnation müssen fürchten, dass ihnen die Felle davonschwimmen.

Auch Neuseeland und Australien stehen als Belege dafür, dass bei aller Verbundenheit die Zukunft aus Europa abwandert. Das rohstoffreiche Australien beispielsweise hat sich zur inzwischen zwölftgrößten Volkswirtschaft der Welt gemausert. Seine vier wichtigsten Exportmärkte liegen in Asien - in China, Japan, Südkorea und Indien - dann folgen die USA. Deutschland rangiert noch hinter Großbritannien als Handelspartner, der bilaterale Warenhandel nahm im vergangenen Jahr sogar leicht auf rund elf Milliarden Euro ab.

Australiens Wirtschaft wächst

Ähnlich sieht es beim deutlich kleineren Neuseeland aus. Rang 13 bei den Exportpartnern und Rang fünf unter den Importländern - so sieht die deutsche Position aus. Allein bei der Zahl der gemeinsamen wissenschaftlich-technologischen Projekte ist Deutschland der Top-Partner des Landes. Wofür Neuseeland und Australien auch stehen - ganz im Gegensatz zu Europa, aber im Einklang mit seinen regionalen Nachbaren - ist Wachstum. Australiens Wirtschaft ist seit 23 Jahren - auch während der Finanzkrise 2008 - kontinuierlich gewachsen. 2,3 Prozent sind es in diesem Jahr - etwa doppelt so viel wie Deutschland - wahrscheinlich um die drei Prozent laut IWF in den kommenden Jahren. Ähnlich aufwärts geht es in Neuseeland.

Dass Neuseeland und Australien in den beiden Weltkriegen an der Seite der Alliierten in Europa kämpften, dass sie auch aktuell militärische Partner der USA und der Europäer in Krisenherden wie Afghanistan sind, belegt zwar die andauernde Werteverbundenheit. Doch ökonomisch geht der Blick mehr und mehr in eine andere Richtung.

Quelle: n-tv.de, Gernot Heller, Reuters

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