Wirtschaft

Alternativen auf dem Vormarsch Milchkonsum fällt auf historisches Tief

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Bei Milch gibt es keine Knappheit in Deutschland. Die Nachfrage sinkt jedoch.

(Foto: IMAGO/YAY Images)

Ob Mandel, Hafer oder Soja - es gibt mittlerweile viele Milchalternativen. Der Absatz von Kuhmilch scheint unter dem breiten Angebot zu leiden. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist so niedrig wie zuletzt vor 30 Jahren.

Der Milchverbrauch in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1991 gesunken. Wie das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) mitteilte, ging der Pro-Kopf-Verbrauch von Konsummilch 2021 um 2,2 Kilogramm auf durchschnittlich nur noch 47,8 Kilogramm zurück. Als möglicher Grund wurde der verstärkte Konsum pflanzlicher Milchalternativen genannt.

Insgesamt wurden den Angaben zufolge 32 Millionen Tonnen Kuhmilch an milchwirtschaftliche Unternehmen geliefert, 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon kamen 31,2 Millionen Tonnen von inländischen Erzeugern. Der Anteil ökologisch erzeugter Milch an der Milchanlieferung lag demnach 2021 um 2,6 Prozent höher als im Vorjahr und erreichte 1,3 Millionen Tonnen.

Einen Rückgang um sieben Prozent auf 471.100 Tonnen verzeichnete das BZL bei der Herstellung von Butter, Milchfett- und Milchstreicherzeugnissen. Dies entsprach 6,1 Kilogramm Butter pro Person, 200 Gramm weniger als ein Jahr zuvor. Mildgesäuerte Markenbutter hatte demnach mit knapp 70 Prozent den größten Anteil an der Gesamtherstellungsmenge, verzeichnete aber auch den größten Rückgang mit minus 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Käse weiter gefragt

Die Herstellungsmenge von Käse stieg dagegen mit 2,67 Millionen Tonnen um ein Prozent im Vergleich zu 2020. Damit setzte sich der langfristige Wachstumstrend bei der Käseherstellung fort. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Käse blieb in Deutschland allerdings mit 25,3 Kilogramm etwa konstant. Die Exportmenge stieg um knapp drei Prozent auf 1,36 Millionen Tonnen.

Die Zahl der kuhhaltenden Betriebe in Deutschland sank 2021 um 2500 auf nun 54.800 Betriebe, die insgesamt 3,83 Millionen Milchkühe hielten. Das waren rund zwei Prozent weniger als 2020. Der Bestand an Milchkühen je Betrieb stieg auf durchschnittlich 70 Tiere weiter an.

Preise steigen weiter

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Die Molkereien in Deutschland erwarten weitere deutliche Preisanstiege bei Milch und Butter. "Die Verbraucher hat erst ein Teil der Preiserhöhungen erreicht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbands, Eckhard Heuser, dem "Handelsblatt". Die Großhandelspreise hätten schon viel kräftiger angezogen, kämen aber erst gegen Sommer bei den Konsumenten an. "Der Liter Milch geht auf jeden Fall über einen Euro", schätzte Heuser. Bei Butter rechnete er mit zehn Cent mehr pro Packung.

Das liege nicht nur an den gestiegenen Kosten für die Produzenten, sondern auch an den Hamsterkäufen der Verbraucher. "Das Hamstern spielt beim Preisanstieg leider eine Rolle", sagte Heuser dem "Handelsblatt" weiter. "Die Verbraucher frieren Butter ein und decken sich mit H-Milch ein." Aber auch die Nahrungsmittelhersteller selber hamsterten. "Sie lagern mehr Vorräte an Milch, Butter und Käse ein, um immer lieferfähig zu sein." Dies habe bereits zu einem relativ starken Preisanstieg geführt. Dabei gebe es insbesondere bei Milch keine Knappheit in Deutschland; das Land erzeugt viel mehr, als es selber verbraucht.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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