Wirtschaft

Geschlecht im Ei bestimmen Neues Verfahren soll Küken-Töten beenden

92175153.jpg

Zig Millionen männliche Küken werden jedes Jahr am ersten Lebenstag getötet.

(Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec)

Rund 45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Brüterein getötet. Eine neue Technik könnte laut Agrarminister Schmidt diese brutale Praxis bald überflüssig machen. Lebensmittel-Händler Rewe setzt dabei auf Hormonanalyse.

Das massenhafte Töten männlicher Küken in Deutschland könnte nach Ansicht von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bald ein Ende haben. "Wir sind auf dem Weg, eine ethisch und auch rechtlich fragwürdige Praxis in Deutschland zu beenden", sagte der CSU-Politiker beim Besuch einer Brüterei im niedersächsischen Großenkneten.

Dort testet der Einzelhandelskonzern Rewe in einer Gemeinschaftsfirma mit einem niederländischen Partner ein System, das das Geschlecht von befruchteten Eiern mit Hilfe einer Hormonanalyse bestimmt. Entwickelt wurde das Verfahren von Wissenschaftlern der Universität Leipzig.

Agrarminister Schmidt hofft schon länger auf einen technischen Durchbruch, der das sogenannte Kükenschreddern überflüssig macht. Zuletzt hatte er ein anderes Verfahren vorgestellt, das jedoch auf die sogenannte Spektroskopie-Technologie setzt. Dabei werden die Eier mithilfe eines Lasers auf das Geschlecht des sich entwickelnden Kükens geprüft.

"Unser Anspruch ist es, grundsätzlich das Kükentöten zu eliminieren", sagt Ludger Breloh, Bereichsleiter Strategie und Innovation im Agrarsektor von Rewe. Fertig ausgebrütet würden dann nur noch die Eier, aus denen Hennen schlüpfen. Die übrigen Eier würden zu Tierfutter verarbeitet - zu einem Zeitpunkt, an dem die Hühnerembryos laut Breloh noch kein Schmerzempfinden haben.

"Weiter Weg zur Praxisreife"

"Was wir heute sehen, ist der Einstieg in den Ausstieg aus der Praxis des Tötens männlicher Eintagsküken", sagte Schmidt. Deutschland übernehme damit eine Vorreiterrolle und schaffe mit Forschung und Technik die Voraussetzungen, um das Kükentöten auch international zu beenden.

Es sei allerdings noch ein weiter Weg zur Praxisreife, sagte Rewe-Group Bereichsleiter Ludger Breloh. Angesichts der großen Menge an Eiern müsse die Arbeitsgeschwindigkeit und der Beprobungserfolg erhöht werden. Wenn die Technik marktreif sei, solle sie auch der Konkurrenz zugänglich gemacht werden, sagte Breloh. Eine Praxistauglichkeit im nächsten Jahr sei denkbar. Pro Jahr werden in Deutschland 45 Millionen männliche Küken getötet, weil sie keine Eier legen und es unwirtschaftlich ist, sie zu mästen.

Tierschützer noch nicht zufrieden

Für Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist das Engagement der Händler auch eine Antwort auf veränderte Kundenerwartungen: "Von Einzelhändlern wird heute viel mehr verlangt, als nur gute Ware zu einem günstigen Preis. Die Käufer erwarten, dass die Unternehmen auch bei gesellschaftlichen Themen und in Umweltfragen Flagge zeigen. Dem müssen Firmen wie Aldi, Lidl oder Rewe Rechnung tragen", meint er.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, findet durchaus lobende Worte für die Initiativen der Handelsketten. "Es ist gut, wenn der Handel Verantwortung übernimmt", meint er. Schließlich spiele er mit seiner Einkaufspolitik eine Schlüsselrolle beim Thema Tierschutz.

Doch das heißt nicht, dass der Tierschutzpräsident wirklich zufrieden ist. Im Gegenteil: "Die Einkaufspolitik des Handels ist immer noch viel zu sehr geprägt von Billigeinkauf und Preiskampf - und viel zu wenig auf mehr Tierwohl ausgerichtet", beklagt er. Solange weiterhin massiv für Billigfleisch geworben werde, wirkten die Bemühungen der Händler scheinheilig. Denn niedrige Preise für Landwirte verhinderten bessere Haltungsbedingungen.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa

Mehr zum Thema