Wirtschaft

Frauen besonders betroffen Nie zuvor waren mehr Rentner auf Grundsicherung angewiesen

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Der durchschnittliche Bruttobedarf liegt derzeit bei 851 Euro im Monat.

(Foto: picture alliance / dpa Themendienst)

Die Zahl der Rentner in Grundsicherung hat einen Höchststand erreicht und sich seit 2003 sogar verdoppelt, wie ein Bericht des Statistischen Bundesamtes offenbart. Die Daten zeigen einen weiteren Trend: Seit jeher sind Frauen am stärksten von der Altersarmut betroffen.

Die Zahl der auf Grundsicherung angewiesenen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland hat einem Bericht zufolge einen neuen Rekordstand erreicht. Im vergangenen September bezogen 579.095 Ruheständler Grundsicherung im Alter, wie laut Funke-Mediengruppe aus einer Datenabfrage der Linken-Bundestagsfraktion beim Statistischen Bundesamt hervorgeht. Das sei der höchste Wert seit fast zwei Jahrzehnten, berichteten die Zeitungen.

2003 waren es demnach noch etwa 257.734 Ruheständler, die auf das staatliche Existenzminimum angewiesen waren. Die Gesamtzahl der Rentnerinnen und Rentner in Grundsicherung habe sich seither also beinahe verdoppelt. Eine deutliche Zunahme zeige sich auch im Vergleich zu 2020. Demnach waren im vergangenen September rund 13.280 Rentnerinnen und Rentner mehr in Grundsicherung als im Vorjahr. Damals waren dem Bericht zufolge rund 565.815 Ruheständler auf die staatliche Unterstützungsleistung angewiesen.

Besonders von Altersarmut betroffen sind Frauen. Die Zahl der Rentnerinnen in Grundsicherung liege seit fast zwei Jahrzehnten konstant über jener der Männer, wie es weiter hieß. Den statistischen Daten zufolge bezogen im vergangenen September 321.745 Frauen Grundsicherung im Alter; das war ein Anteil von 56 Prozent. Dem standen 257.350 Männer gegenüber. Angaben dazu, ob hierfür als Ursache auch die unterschiedliche Lebenserwartung in Betracht kommt, wurden nicht gemacht. Dennoch markierten beide Zahlen neue Höchststände.

"Armutszeugnis für unser Land"

Zugleich zeige sich, dass seit einigen Jahren auch zunehmend Männer in die Grundsicherung rutschen, weil ihre Rente nicht ausreicht. 2003 lebten den Zahlen zufolge rund 74.748 Männer, aber rund 182.986 Frauen im Alter in Grundsicherung, also mehr als doppelt so viele. In den Folgejahren seien beide Zahlen stark gestiegen. Der durchschnittliche Bruttobedarf bei der Grundsicherung beträgt aktuell 851 Euro im Monat. Davon sollen Lebensunterhalt, Heizung und Miete abgedeckt werden.

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Um nach einem Arbeitsleben eine gesetzliche Rente von mehr als 851 Euro im Monat ausgezahlt zu bekommen und damit über Grundsicherungsniveau zu landen, müssen Beschäftigte mit durchschnittlichem Verdienst nach neuen Berechnungen 28 Jahre in die Rentenversicherung einzahlen. Das geht aus einer aktuellen Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Linken-Anfrage hervor, wie die Funke-Zeitungen weiter berichteten.

Der Vorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte: "Wenn 28 Jahre Durchschnittsverdienst notwendig sind, um überhaupt Grundsicherung zu erreichen, dann hat die gesetzliche Rente ein Strukturproblem." Den neuen Höchststand bei den Grundsicherungsempfängern im Alter nannte Bartsch "ein Armutszeugnis für unser Land". Dies sei "die Konsequenz der Fehler der Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik", sagte der Linken-Politiker den Funke-Zeitungen.

Quelle: ntv.de, spl/AFP

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