Wirtschaft

Funktionär wegen Inflation vor Gericht Nordkorea statuiert ein Exempel

Die Währungsreform in Nordkorea verschlechtert das Leben für viele Einwohner des verarmten Landes. Die Regierung findet den Schuldigen in einem Funktionär und stellt ihn vor Gericht.

RTR29Q2U.jpg

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il beim Besuch der Armeeführung.

(Foto: REUTERS)

Nordkorea zieht offenbar einen hochrangigen Funktionär für die chaotischen Folgen der jüngsten Währungsreform des Landes zur Verantwortung. Der bisherige Direktor für Finanzen bei der herrschenden kommunistischen Arbeiterpartei, Pak Nam Gi, habe seinen Posten räumen müssen, zitierte die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" einen Informanten in Peking.

Pak sei für die Umsetzung der Reform zuständig gewesen, die dann unter anderem eine galoppierende Inflation zur Folge gehabt habe. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf nordkoreanische Händler in China, Pak werde nach der Entlassung vor Gericht gestellt. Der südkoreanische Geheimdienst bestätigte die Berichte nicht.

Nordkorea hatte Ende November zwei Stellen der Landeswährung gestrichen, so dass es für 1000 alte Won 10 neue Won gab. Die plötzliche Umstellung habe eine Schockwirkung auf die Menschen des Landes gehabt, hieß es. Zahlreiche Nordkoreaner hätten in Panik ihre versteckten Guthaben in Fremdwährungen wie Dollar oder japanische Yen getauscht.

Ausländische Währungen verboten

Zu Beginn des Jahres verbot das Regime deshalb ausländische Währungen. Ausländer mussten laut einem Erlass des Ministeriums für Volkssicherheit ihr Geld in den nordkoreanischen Won umtauschen, Nordkoreaner dürfen keine ausländischen Währungen besitzen. Bis dahin waren ausländische Währungen zwar nur auf Flughäfen, in Hotels und in bestimmten Geschäften erlaubt, es gab jedoch einen regen Schwarzhandel. Nach den Hungersnöten in den 90er Jahren hatte sich in Nordkorea ein Schwarzmarkt etabliert.

RTR29IJ7.jpg

Nordkoreanische Fischer auf einem Fluss an der Grenze zu China.

(Foto: REUTERS)

Unter anderem soll mit der Reform die fortschreitende Inflation eingedämmt werden, da der Wert des Won nach Wirtschaftsreformen vor sieben Jahren stark gefallen und die Preise merklich gestiegen sind. Doch die Verärgerung vieler Nordkoreaner war groß, da der Umtausch auf lediglich 100.000 Won pro Person begrenzt wurde. "Ich habe für den Winter zwei Monate wie ein Hund gearbeitet, doch das Geld wurde über Nacht nutzloses Papier", klagte ein Bewohner der Stadt Sinuiju an der Grenze zu China. Nach dem amtlichen Wechselkurs entsprach vor der Neuordnung ein Dollar135 nordkoreanischen Won. Auf dem Schwarzmarkt kostete die US-Währung allerdings ein Vielfaches davon.

Die Umstellung diene sowohl wirtschaftlichen als auch politischen Zwecken, sagte der Ökonom Yang Moon Soo von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul. Das Regime könne beim Umtausch erkennen, wer Geld versteckt halte. Es werde weniger Bargeld auf den Märkten im Umlauf sein "und die Bürger werden durch die Regierung stärker kontrolliert".

RTR29DXU.jpg

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il besichtigt eine Lebensmittelfabrik.

(Foto: REUTERS)

Die Maßnahme sollte Beobachtern zufolge also nicht nur die Inflation bekämpfen, sondern vor allem den unkontrollierten Handel auf den Märkten unterdrücken. Zahlreiche Menschen verloren durch die Reform aber ihre Ersparnisse. Südkoreanische Medien und Hilfsorganisationen berichten, dass sich durch die Umstellung die wirtschaftliche Situation der Nordkoreaner weiter verschlechtert habe. In einigen Gebieten gebe es erneut eine Hungersnot. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete, dass Menschen in den Gebieten nahe der nordkoreanisch-chinesischen Grenze an Hunger gestorben seien.

Berichte über Unruhen

Auch sei es in dem abgeschotteten Staat vereinzelt zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen, berichtete die Online-Zeitung "Daily NK". In der Provinz Nord-Pyongan und anderen Regionen seien Beamte angegriffen worden, die unter anderem gegen den Schmuggel von Lebensmitteln vorgehen sollten. Wütende Bewohner hätten eine Patrouille auf dem Markt der Stadt Pyongsung attackiert. Die Zeitung "JoongAng Daily" berichtete unter Berufung auf den südkoreanischen Geheimdienst, dass es "an einigen Orten" Unruhen gegeben habe. Die nordkoreanische Regierung habe diese aber offenbar unter Kontrolle gebracht.

RTXHEA4.jpg

Kinder in einem nordkoreanischen Krankenhaus (Foto vom Juli 1997)

In den 1990er Jahren waren in dem isolierten Land hunderttausende Menschen bei Hungersnöten gestorben,  in ihrer Not aßen viele Nordkoreaner Blätter und Wurzeln. Im vergangenen Oktober warf die UNO der Führung in Pjöngjang vor, fast einem Drittel der 24 Millionen Einwohner mit dem Recht auf Nahrung eines der wichtigsten Menschenrechte zu verwehren. Mitte Januar akzeptierte Nordkorea nach zweijähriger Unterbrechung wieder Lebensmittelhilfen aus Südkorea. Seoul hatte bereits im Oktober angeboten, 10.000 Tonnen Getreide in den Norden zu schicken. Die kommunistische Führung in Pjöngjang hatte aber zunächst nicht auf das Angebot reagiert. Auch 2008 hatte Südkorea dem Norden insgesamt 50.000 Tonnen Getreide angeboten, Pjöngjang lehnte aber ab. Zuletzt hatte es jedoch einige Zeichen der Entspannung zwischen Nord- und Südkorea gegeben: Die Treffen getrennter Familien wurden wieder aufgenommen, im August empfing Südkoreas Präsident Lee zum ersten Mal in seiner Amtszeit Gesandte aus Nordkorea.

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il hatte Anfang der Woche in einem seltenen Bekenntnis die chronische Nahrungsmittelknappheit in seinem Land zugegeben. "Ich bin untröstlich, dass unser Volk immer noch von Mais lebt", wurde er von der staatlichen Zeitung "Rodong Sinmun" zitiert. Künftig wolle er die Menschen stattdessen "großzügig" mit Reis, Brot und Nudeln versorgen. Die Nordkoreaner hätten schon seinem Vater, dem 1994 gestorbenen Staatsgründer Kim Il Sung, geschworen, ein Land zu begründen, dessen Bürger nicht von Maisgerichten leben müssten, sagte Kim.

Kampf gegen "westliche" Frisuren

Trotzdem fand Kim inmitten der Währungsreform Mitte Dezember offenbar Zeit, eine Kampagne gegen "unordentliche" westliche Frisuren und unziemliche Kleidung zu starten. Auslöser war offenbar unter anderem die nicht traditionelle Haartracht einer koreanischen Verkäuferin, an der Kim Anstoß genommen habe, wie die in Seoul sitzende Wohltätigkeitsgruppe Good Friends berichtete. Der Staatschef habe kritisiert, die Frau habe "unsere traditionelle Schönheit" aufgegeben und sich entschieden, "schlechte ausländische Gewohnheiten der Kapitalisten" zu kopieren.

Demnach ordnete Kim zudem an, dass Frauen keine Röcke mehr tragen sollen, die nicht mindestens bis zum Knie reichen. Enge oder unten ausgestellte Hosen seien ebenso verboten wie enge Kleidung, die die Körperformen betonten. Die Anweisung solle vom Komitee der Zentralen Jugend-Union umgesetzt werden.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa/rts