Wirtschaft
Dienstag, 29. Juni 2010

Neues Gas-Leck in der Nordsee: Norwegen stoppt Förderung

Nach einem Zwischenfall auf hoher See lösen die Norweger umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen aus: Unter einer Bohrplattform vor der Küste des Landes tritt Erdgas aus. Die Ursache ist noch unklar. Die Produktion wird unterbrochen. In London zieht der Gaspreis an.

Mit spitzen Nadeln in die Gasblase: Im Interesse aller ist das Rauchen streng verboten.
Mit spitzen Nadeln in die Gasblase: Im Interesse aller ist das Rauchen streng verboten.(Foto: Oyvind Hagen / Statoil)

Norwegen hat die Förderung von Erdgas aus seinem größten Feld in der Nordsee wegen eines Lecks eingestellt. Wie der staatliche Ölkonzern Statoil mitteilte, ruht die Gasproduktion auf drei Bohrinseln und musste auf zwei weiteren eingeschränkt werden. Die Ursache für das Gasleck werde untersucht, hieß es. Wann die Produktion wieder aufgenommen werden könne, sei unklar.

Das "Troll"-Feld gilt als wichtiger Lieferant für Europa. Das Vorkommen liegt rund 65 Kilometer vor der Küste auf der Höhe der norwegischen Stadt Bergen. Nach Angaben von Statoil vermuten Experten dort rund 40 Prozent der bislang bekannten Gasreserven im Bereich des norwegischen Kontinentalschelfs. Statoil betreibt hier auch die "Sea Troll", eine der größten schwimmenden Bohrplattformen der Welt. In Folge des Produktionsausfalls kletterte in Großbritannien der Spot-Preis für Gas zeitweise um zwölf Prozent.

Generell hohes Risiko

Bereits Ende Mai hatten Probleme mit dem schwankenden Druck auf einer anderen Bohrinsel in der Nordsee Statoil zu schaffen gemacht. "Der Druck ist immer noch instabil, aber die Lage hat sich nicht verschlechtert", hatte Statoil-Sprecher Gisle Johanson die Situation beschrieben. Die Firma arbeite weiter an einer "Normalisierung" der Lage. Wechselnder Druck einer Ölquelle kann im schlimmsten Fall zu Gas- oder Öllecks führen, die dann explodieren können. Dies war auch bei der BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko der Fall, wo bei einer Explosion am 20. April elf Arbeiter ums Leben gekommen waren. Seitdem strömt dort Öl ins Meer.

Statoil bezeichnete die Gefahr einer Explosion auf der Bohrinsel Gullfaks C als "sehr gering". Die Plattform arbeitet derzeit mit einem einzigen Sicherheitsventil. Ein zweiter Sicherheitsmechanismus war am Donnerstag ausgefallen - daraufhin wurden 89 Arbeiter in Sicherheit gebracht, deren Anwesenheit für den Betrieb der Ölquelle nicht unabdingbar ist. Sowohl die norwegische Behörde für Ölsicherheit als auch norwegische Umweltschützer hatten den Vorfall als "ernst" eingestuft. Der norwegischen Presse zufolge gibt es seit Monaten Probleme mit Druckschwankungen auf Gullfaks C.

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Quelle: n-tv.de