Wirtschaft

Trotz gesunkener MehrwertsteuerPreise in Restaurants und Cafés ziehen deutlich an

30.01.2026, 17:26 Uhr
00:00 / 03:33
06-03
In Bayern stiegen die Preise um 3,9 Prozent, auch in anderen Bundesländern wurde es teurer. (Foto: picture alliance / M.i.S.)

Seit dem Jahreswechsel gilt eine niedrigere Mehrwertsteuer von sieben Prozent auf Speisen in der Gastronomie. Doch der Restaurantbesuch wurde im Januar trotzdem nicht günstiger, im Gegenteil. Der Branchenverband Dehoga verteidigt das und nennt gleich mehrere Gründe dafür.

Trotz gesunkener Mehrwertsteuer sind Restaurantbesucher im Januar stärker zur Kasse gebeten worden. In Bayern etwa zogen die Preise in Restaurants, Cafés, für Straßenverkäufe und Ähnliches um 3,9 Prozent im Vergleich zum Januar 2025 an, wie aus der Schätzung des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Gaststättendienstleistungen verteuerten sich auch anderswo - in Berlin etwa um 2,1 Prozent und in Brandenburg um 3,8 Prozent, "trotz Absenkung der Mehrwertsteuer", so das Statistikamt Berlin-Brandenburg. Auch im Vergleich zum Vormonat Dezember legten die Preise zu: In Nordrhein-Westfalen betrug der Aufschlag 0,7 Prozent. Seit dem 1. Januar gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen in der Gastronomie. Zuvor lag er bei 19 Prozent.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verteidigte die Entwicklung. "Preissenkungen sind keine Frage des Wollens, sondern des Könnens", teilte der Branchenverband auf Nachfrage mit. Seit 2022 seien die Kosten in den Bereichen Lebensmittel und Energie um rund 30 Prozent, die für Personal um mehr als 40 Prozent gestiegen. In vielen klassischen Restaurants beliefen sich die Kosten für Personal und Waren zusammen auf mehr als 70 Prozent des Umsatzes. Zum 1. Januar 2026 sei zudem der Mindestlohn auf 13,90 Euro erhöht worden - "eine Steigerung um 8,4 Prozent mit Auswirkung auf das gesamte Lohngefüge", so der Dehoga. "Diese zusätzlichen Kosten müssen erst einmal erwirtschaftet werden."

Die Einführung der sieben Prozent Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie helfe den Betrieben, trotz massiv gestiegener Kosten überhaupt wirtschaftlich zu arbeiten. "Soweit Spielräume vorhanden sind, werden unsere Gastronominnen und Gastronomen diese auch für preisattraktive Angebote nutzen", so der Verband. "Darüber entscheidet jeder Betrieb individuell - abhängig von der individuellen Kostensituation und vom Marktumfeld."

Bei Ökonomen stieß die Steuersenkung dagegen überwiegend auf Kritik. "Die dauerhafte Senkung der Gastro-Mehrwertsteuer ist eine Niederlage der steuerpolitischen Vernunft", sagte etwa der Finanzwissenschaftler Friedrich Heinemann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Alle Argumente für diese Steuersubvention seien seit Langem entkräftet. Sie begünstige eher reiche Haushalte, privilegiere eine Branche ungerechtfertigt und trage zur weiteren Zersplitterung der Mehrwertsteuer bei. Noch dazu koste dies mit rund vier Milliarden Euro im Jahr sehr viel Geld. Kritik kam auch von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Sie sprach von Steuergeschenken für große Fast-Food-Konzerne.

Quelle: ntv.de, are/rts

BerlinBrandenburgMehrwertsteuerVerbraucherPreiseInflationNordrhein-WestfalenGastronomieBayern