Wirtschaft

Razzien bei Einzelhändlern Preisschlacht geht weiter

Der Preis ist heiß, bei Discountern wie Einzelhändlern. Trotz aller Kritik reißen die "ruinösen Rabattaktionen" nicht ab. Jetzt sind Einzelhändler, darunter Drogerie- und Supermarktketten, auch noch wegen Preisabsprachen ins Visier der Wettbewerbshüter geraten.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

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Teures Aufgussgetränk: Laut Statistik trinkt jeder Deutsche fast 150 Liter Kaffee pro Jahr.

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Die Preisschlacht bei den Discountern geht auch im neuen Jahr weiter. Marktführer Aldi und Konkurrent Penny bieten ab sofort Frühstücksflocken, Pflanzenöle, Nüsse und Schoko-Riegel dauerhaft günstiger an, wie die Unternehmen mitteilten. Den Preissenkungen beim Marktführer Aldi folgen die Wettbewerber in aller Regel unmittelbar. Im vergangenen Jahr hatten die Lebensmittel-Discounter insgesamt zwölf Mal die Preise gesenkt. Die Billig-Supermarktketten versuchen damit, ihre Marktanteile auszuweiten.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) hatte den "ruinösen Preiswettbewerb" im Lebensmitteleinzelhandel erst am Vortag scharf kritisiert und die "unverzügliche Beendigung" angemahnt. Die Preissenkungsspielräume durch die günstiger gewordenen Rohstoffe seien "längst ausgereizt" und die Verbraucher zeigten sich fast unbeeindruckt von den Billigangeboten.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte angesichts des harten Wettbewerbs der Discounter vor wenigen Tagen vor einem Qualitätsverlust bei Lebensmitteln gewarnt. Wenn nur noch der niedrigste Preis regiere, "geht das nicht nur zulasten der Landwirte, sondern früher oder später auch zulasten der Qualität und damit der Verbraucher", sagte sie der "Saarbrücker Zeitung".

Laut BVE vertreiben die Billig-Supermärkte 44 Prozent der Lebensmittel in Deutschland. Die hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel sei im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Den mittelständischen Lieferanten der Ernährungsindustrie stünden nur noch fünf große Lebensmittelhändler mit einem Marktanteil von 70 Prozent gegenüber.

Razzia bei Einzelhändlern

Wegen des Verdachts auf Preisabsprachen durchsuchte das Bundeskartellamt derweil die Büros von Einzelhandelsunternehmen und Markenherstellern. Die Firmen stünden im Verdacht, die Preise für die Endverbraucher abgestimmt zu haben, teilte die Bonner Wettbewerbsbehörde mit. Die Wettbewerbshüter gehen demnach davon aus, dass die Einzelhändler und Markenhersteller Preise für Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung abgesprochen haben.

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Die Kartellwächter durchsuchten die größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka und Rewe.

(Foto: AP)

Durchsucht wurden laut Kartellamt 15 Firmen, darunter elf Supermarkt-, Drogerie- und Tierbedarfsketten. Betroffen waren die Branchengrößen Rewe, Edeka und Metro. An der Aktion waren demnach 56 Mitarbeiter der Wettbewerbsbehörde sowie 62  Polizeibeamte beteiligt. Parallel seien Verfahren gegen weitere Unternehmen schriftlich eingeleitet worden. Die betroffenen Firmen müssen mit Geldbußen rechnen.

Die Wettbewerbshüter haben bereits seit geraumer Zeit ein Auge auf die Lebensmittelbranche und den Einzelhandel geworfen. In der Vergangenheit hatte es unter anderem Durchsuchungen bei Kaffee- und Süßwarenherstellern gegeben. Im Fall der Kaffee-Untersuchung, bei der Strafgelder in Höhe von insgesamt knapp 160 Mio. Euro gegen die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo verhängt worden waren, hatte der Kraft-Konzern mit den Fahndern zusammengearbeitet und war so um ein Bußgeld herumgekommen.

In Branchenkreisen hieß es nun, auch Händler kooperierten bereits mit dem Kartellamt. Die Wettbewerbshüter hätten Unternehmen der Branche und Lebensmittelhersteller im Verdacht, seit einigen Jahren zum Schaden der Verbraucher Preisuntergrenzen für Artikel abgesprochen und durchgesetzt zu haben. Die Wettbewerbshüter können empfindliche Strafen verhängen, wenn sie die Beteiligung an einem illegalen Kartell nachweisen. Diese können theoretisch bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen. Der Rahmen ist aber noch nie ausgeschöpft worden.

Quelle: ntv.de, ddi/AFP

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