Wirtschaft

Mehdorn im Fakten-Check Ramsauer: Keine Chance für Tegel

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Berlins Bürgermeister Wowereit begrüßt "Mr. Tegel" Mehdorn.

(Foto: dapd)

Am Hauptstadtflughafen ruhen die Bauarbeiten voraussichtlich noch bis August. Einen Kommentar von Hartmut Mehdorn gibt es dazu nicht, der neue BER-Chef spricht lieber über den Flughafen Tegel. Und muss sich schon zum zweiten Mal öffentlich über die Rechtslage belehren lassen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hält es für ausgeschlossen, den Berliner Flughafen Tegel nach Fertigstellung des neuen Airports BER in Betrieb zu halten. "Alle Verfahren sind abgeschlossen und höchstrichterlich bestätigt", sagte der CSU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Beschlüsse und die Rechtslage dazu seien "aus unserer Sicht heute noch eindeutig". Tegel werde wie vereinbart sechs Monate nach Inbetriebnahme des BER geschlossen, weil dann die Betriebsgenehmigung erlösche.

Der neue Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hatte direkt nach seiner Ernennung gesagt, ein Weiterbetrieb Tegels solle geprüft werden. Möglich sei etwa, dass Ferienflieger weiterhin den alten Flughafen nutzten. Da die Betriebserlaubnis für den BER an eine Schließung von Tegel geknüpft ist, hatte Mehdorn mit seinem Vorstoß einige Verwunderung ausgelöst. Ramsauer sagte, die Debatte über ein Offenhalten des alten Flughafens "eröffnet nur neue Gefechtsfelder, die wir derzeit nicht brauchen".

"Das sehen wir Herrn Mehdorn nach"

Bei einem Auftritt im Landtag in Potsdam hatte Mehdorn am 11. März - seinem ersten Arbeitstag als BER-Chef - vorgeschlagen, Tegel nicht zu schließen. Er musste sich bereits damals vom brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck belehren lassen, dass dies nicht möglich sei. "Das sehen wir Herrn Mehdorn, der jetzt genau sieben Stunden im Amt ist, nach, dass er das noch nicht ganz übersehen kann", so Platzeck.

Mehdorn korrigierte sich noch im Landtag: Er habe gemeint, wenn die Nordbahn in Schönefeld wie geplant saniert werde, müsse man gegebenenfalls Flüge nach Tegel verlagern und Tegel dafür ein paar Monate länger offen halten.

"Pro und Kontra"

Bei einer Zeremonie am Flughafen Tegel aus Anlass des ersten Direktflugs von Air Berlin nach Chicago trug Mehdorn - bis Januar 2013 Chef der Fluglinie - am Sonntag seine Idee erneut vor. "Das hat Pro und Kontra, man muss es sich anschauen", sagte er.

Auch der frühere Berliner Flughafenchef Hans-Henning Romberg schaltete sich in die Debatte um Tegel ein. Als "Airport One" könnte der Standort für Flieger der Bundesregierung mit Gastrechten für Geschäftsflieger genutzt werden, sagte er dem "Tagesspiegel". Romberg ist Geschäftsführer des Interessenverbands der Geschäftsflieger.

Mehdorn "muss sich erst ein Bild machen"

Während so eifrig über Tegel debattiert wird, ruhen am Hauptstadtflughafen weitgehend die Bauarbeiten. Es wird damit gerechnet, dass es frühestens im August weitergeht. Nach Informationen der "Wirtschaftswoche" muss zuvor auch noch eine Einigung mit den Baufirmen gefunden werden. Diese haben noch Forderungen an die Flughafengesellschaft.

Einen Kommentar der Betreibergesellschaft oder des BER-Chefs zu diesem Bericht gab es nicht. Flughafensprecher Ralf Kunkel sagte, Mehdorn müsse sich erst ein Bild machen.

Die Inbetriebnahme des BER wurde bislang viermal verschoben. Grund sind unter anderem massive Mängel an der Brandschutz-Anlage. Zurzeit ist völlig offen, wann am neuen Flughafen die ersten Flieger starten und landen können.

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa

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