Wirtschaft

Studie zeigt deutsche Top Ten Reiche Süd-Städte werden immer reicher

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In Süddeutschland, allen voran in München, brummt die Wirtschaft - dort muss kaum jemand Hartz IV beziehen. Allerdings sind dort auch die Lebenshaltungskosten dank besonders hoher Mieten höher.

(Foto: dpa)

Schwache Kommunen fallen immer weiter hinter reichere Städte zurück, stellt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung fest. Das Bild ist altbekannt: In Bayern und Baden-Württemberg sind die reichsten Städte, im Ruhrgebiet die ärmsten. Die Autoren stellen daher eine kostspielige Forderung.

Trotz der guten Konjunktur in den vergangenen Jahren hat sich die Kluft zwischen armen und reichen Städten in Deutschland einer Studie zufolge vergrößert. Hohe Schuldenberge bei steigenden Kosten für Hartz-IV-Empfänger und hohe Haushaltsdefizite setzen schwache Kommunen unter Druck, wie aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Die ohnehin schon starken Kommunen profitieren hingegen kräftig von der Wirtschaftslage.

Die reichsten und die ärmsten Städte

Die Städte mit niedrigster Hartz-IV-Quote: München, Schwabach, Regensburg, Landshut, Ulm, Kempten, Erlangen, Ingolstadt, Heidelberg, Memmingen.

 

Die Städte mit der höchsten Hartz-IV-Quote: Gelsenkirchen, Essen, Wilhelmshaven, Halle (Saale), Herne, Duisburg, Delmenhorst, Mönchengladbach, Dortmund, Pirmasens.

Die Autoren verglichen die Entwicklung der zehn reichsten und zehn ärmsten kreisfreien Städte und nahmen als Indikator den Anteil an Hartz-IV-Empfängern. Das Haushaltsdefizit der armen Kommunen lag im Zeitraum 2010 bis 2017 bei fast einer Milliarde Euro, während die reichen Städte einen Überschuss von 3,6 Milliarden erzielten.

Zu den ärmsten gehören fünf Ruhrpott-Städte, darunter Gelsenkirchen - dort bezieht fast jeder Vierte Hartz IV. Es geht um Menschen von 0 bis 65 Jahren; Rentner bekommen aus einem anderen Finanztopf Hilfen, der nicht von den Kommunen getragen wird. In Essen, Herne, Duisburg und Dortmund bekommt etwa jeder Fünfte Hartz IV.

Kaum Hartz-IV-Empfänger in München

Dem stehen zehn Städte mit dem niedrigsten Hartz-IV-Anteil gegenüber, von denen acht in Bayern und zwei in Baden-Württemberg sind. Am besten sieht es in München aus, wo den Angaben zufolge nur 4,5 Prozent der Bevölkerung die staatliche Hilfe beziehen. Der Landkreis München als bundesweit stärkster Kreis nehme pro Einwohner zudem siebenmal so viele Steuern ein wie der schwächste Kreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt.

Erstmals seien in dem Finanzreport auch die Bar- und Sichteinlagen untersucht worden. Diese seien zwischen 2012 und 2017 von 33 Milliarden auf 48 Milliarden Euro gestiegen. Allerdings gebe es gerade hier erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. So erreichten die bayerischen Kommunen pro Einwohner den neunfachen Wert des Saarlandes.

Die Studienautoren sind besorgt. "Mit der Wirtschaftskraft der Städte driften auch die Lebensverhältnisse ihrer Einwohner immer mehr auseinander", erklärt Bertelsmann-Experte René Geißler. Sollte es mit der Wirtschaft bergab gehen, drohe sich die Situation zu verschärfen. "Eine Abkühlung der Konjunktur reißt unmittelbar neue Löcher in die Haushalte und macht die vergangenen Bemühungen zunichte."

Autoren: Bund soll seinen Anteil an Hartz-IV-Zahlungen erhöhen

Die Autoren empfehlen, dass der Bund seinen Anteil an den Hartz-IV-Zahlungen von derzeit knapp der Hälfte auf mehr als 70 Prozent hochschraubt. Zudem sollte der Bund schwache Kommunen gezielter als bisher fördern. "Aus eigener Kraft können diese Städte ihre Kassenkredite nicht abtragen."

Die Kassenkredite der Kommunen würden als zentraler Krisenindikator gelten, so die Studienmacher. Eigentlich seien sie als kurzfristige Überbrückung vorgesehen, tatsächlich würden sie aber in vielen Kommunen als dauerhaftes Finanzierungsinstrument genutzt.

Zuletzt seien die Kassenkredite bundesweit betrachtet zwar auf 36 Milliarden Euro gesunken, rund die Hälfte aller Kommunen in Deutschland sei nahezu frei davon. Am geringsten seien diese Kredite in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. In den Ländern Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gebe es hingegen weiterhin bedrohlich hohe Bestände. 2017 befanden sich demnach von den 20 Kommunen mit den höchsten Kassenkrediten 19 in Rheinland-Pfalz und NRW.

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Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

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