Wirtschaft

Android unterm Armaturenbrett Renault holt Google ins Auto

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Android an Bord: Renault, Nissan und Mitsubishi setzen auf das mobile Betriebssystem von Google.

(Foto: REUTERS)

Im Autobau bricht eine neue Ära an: Digitalkonzerne wie Apple oder Google drängen in den Markt. Zusammen mit seinen japanischen Partnern bricht Renault ein Tabu der Branche. Google soll die Autos der Dreier-Allianz künftig mit Android-Software ausstatten.

Der US-Digitalgigant Google kooperiert mit der französisch-japanischen Autobauer-Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi: Die drei Pkw-Hersteller wollen das Betriebssystem Android für ein neuartiges Mediendisplay nutzen, das in Millionen von Autos weltweit eingebaut werden soll.

Für die Entwicklung des "Infotainmentsystems der nächsten Generation" habe sich die Dreier-Allianz, die eigenen Angaben zufolge zusammen mehr Fahrzeuge verkauft als jeder andere Hersteller, für Google entschieden, hieß es in einer Mitteilung. Branchenkenner werteten die Entscheidung zunächst vor allem als Erfolg für Google. Der US-Konzern versucht schon seit Jahren, mit dem mobilen Betriebssystem Android auch im Autobau Fuß zu fassen.

Zu den Details der Vereinbarung wollten sich die beteiligten Unternehmen nicht äußern. Google werde Zugang zu den Daten haben, die von Android-Apps im Auto erzeugt werden, sagte Kal Mos, Vizepräsident der Allianz für vernetzte Fahrzeuge. Google müsse aber zuvor die Zustimmung der betroffenen Kunden einholen, bevor die Daten erhoben, gesammelt und ausgewertet werden können.

Renault, Nissan und Mitsubishi kamen im vergangenen Jahr auf einen weltweiten Absatz von insgesamt 10,6 Millionen Fahrzeugen. Das neue Infotainmentsystem wollen die drei Hersteller 2021 erstmals vorstellen. Die Android-Technik werde den Fahrern einen verbesserten Zugriff auf Navi-Karten und den App-Stores ermöglichen, teilten die Autobauer mit. Fest verbaut im Armaturenbrett wird demnach auch der Sprachassistent von Google zugänglich sein. Damit können Fahrer auch während der Fahrt das Informationsangebot steuern.

Wer bekommt die Daten?

Mit der Entscheidung für Google setzt die französisch-japanische Hersteller-Allianz die Branche unter Zugzwang: Andere Autobauer zögern noch, die Kontrolle über diesen zukunftsträchtigen Bereich an Konkurrenten aus dem Technologiesektor abzugeben. Die Automobilkonzerne müssen auch fürchten, durch den Tabubruch in ihrem Hoheitsbereich den Zugriff auf eine künftig wichtige Einnahmequelle zu verlieren. Der Umgang mit Infotainment-Systemen erzeugt Verbraucherdaten, die als Rohstoff der Zukunft gelten, weil sie sich in der Masse leicht zu Geld machen lassen.

Ob die Strategie fest verbauter Android-Systeme aufgeht, ist noch offen. Marktkennern zufolge hat sich die Mehrzahl der Nutzer längst an den Smartphone-Einsatz im Auto gewöhnt. Schon jetzt greifen viele Autofahrer zu ihrem Telefon, um während der Fahrt Wegbeschreibungen abzurufen oder per Sprachassistent andere Aufgaben wie etwa die Telefonwahl oder die Musiksteuerung ausführen zu lassen. Welchen Mehrwert ein ins Auto integriertes Betriebssystem bieten kann, ist noch unklar.

In den vergangenen Jahren kämpfte die Automobilindustrie sichtlich mit Schwierigkeiten, geeignete Schnittstellen zu entwickeln, die auf Höhe der Zeit und dem neu entstandenen Wettbewerb gewachsen waren. Techkonzerne wie Google, Samsung oder Apple haben die Messlatte für den benutzerfreundlichen Umgang mit Auswahlmenüs und Informationsangeboten hoch gelegt.

Smartphone auf Rädern

Die Autobauer sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, im Wettbewerb mit den Digitalkonzernen Systeme zu entwickeln, die genauso zuverlässig und einfach zu bedienen sind, wie etwa Android-Telefone, Samsung-Tablets oder iPhones. Viele Fahrzeugsysteme seien noch immer zu kompliziert und anfällig für Störungen, sagen Branchenanalysten.

Nun dürfte der Druck auf die Konkurrenten steigern, die Multimedia-Systeme ihres Autos weiter für Google oder Apple zu öffnen. Beide Anbieter halten eigene Systeme bereit, um sie in Fahrzeuge zu integrieren. Ziel der Tech-Konzerne ist es dabei, ein breit gefächertes digitales Ökosystem für Nutzer zu schaffen, damit sie sich im Alltag mühelos zwischen den Geräten bewegen können, egal ob es sich um ein Auto, ein vernetztes Haus oder ein Smartphone handelt.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ

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