Wirtschaft
Russlands Präsident Putin traf auch den Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Büchele.
Russlands Präsident Putin traf auch den Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Büchele.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Donnerstag, 01. November 2018

Weniger Bürokratie vorgesehen: Russland will Investoren anlocken

Weil die EU- und US-Sanktionen Russland wirtschaftlich treffen, will Präsident Putin ausländische Anleger ins Land holen. Dafür plant er, einige Hürden aus dem Weg zu räumen. Die deutsche Wirtschaft hofft, dass sich jetzt auch die Beziehung beider Länder verbessert.

Russland will für ausländische Investoren interessanter werden. "Wir werden übermäßige Hürden in der Bürokratie abbauen", kündigte Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit deutschen Topmanagern in Moskau laut russischen Medien an. Sein Land wolle zudem erheblich in die Infrastruktur investieren. "Kurzum: Wir werden alles Notwendige tun, damit sich ausländische Anleger - darunter auch deutsche - bei uns maximal wohl fühlen", erklärte der Kremlchef.

Er lobte die deutsche Wirtschaft für ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit und für ihren Pragmatismus. "Wir hoffen, dass sich die Geschäftsbeziehungen zwischen unseren Ländern trotz weltweiter politischer und wirtschaftlicher Spannungen weiter entwickeln werden", erklärte Putin. Die Meinung der deutschen Teilnehmer sei ihm wichtig - zum Beispiel was sie darüber denken, was ihren Geschäften in Russland im Weg stehe und wie der Staat Investoren unterstützen sollte. Putin sprach von einem Wirtschaftsaufschwung in seinem Land. So sei die Industrieproduktion von Januar bis September um rund drei Prozent gewachsen.

Die deutsche Wirtschaft hoffe sehr, "dass die vielen deutsch-russischen Treffen auf höchster politischer Ebene in den vergangenen Monaten Vorboten eines neuen Entspannungsprozesses sind, den wir dringend brauchen", erklärte Wolfgang Büchele, der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Er leitete die deutsche Delegation bei dem jährlichen Gespräch mit Putin.

Sanktionen belasten Firmen

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Angesichts neuer US-Sanktionen sprach der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses, Michael Harms, von einer "großen Belastung" für europäische und russische Unternehmen. "Weitere Sanktionen sind nicht zielführend", sagte er. Aus dem Gespräch mit Putin nehme er aber viel "hoffnungsvolles" mit. So wollten deutsche und russische Firmen bei der Bekämpfung von Krebs enger zusammenarbeiten. Dabei geht es Harms zufolge etwa um Fragen der Forschung und der Ausstattung zur Früherkennung der Krankheit.

Die EU und die USA haben Sanktionen gegen Russland verhängt, nachdem sich Moskau 2014 die ukrainische Krim-Halbinsel einverleibt und Separatisten in der Ostukraine unterstützt hatte. Vor allem deutsche Firmen in Russland treffen die Strafmaßnahmen schmerzlich, weil neue Geschäfte oft deutlich schwieriger oder gar nicht zustande kommen.

Trotz der Sanktionen liefen die Geschäfte zwischen deutschen und russischen Unternehmen in den ersten acht Monaten besser als im Jahr zuvor. Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der Handelsumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent auf 40,8 Milliarden Euro. 2012 waren es insgesamt 80 Milliarden Euro.

Deutsche Importe aus Russland legten bis zum August dieses Jahres um 13 Prozent zu, die Exporte nach Russland aber lediglich um zwei Prozent. Größter Wirtschaftspartner Deutschlands im Osten Europas bleibt Polen. Der Handelsumsatz zwischen beiden Ländern lag laut der Statistik in den ersten acht Monaten 2018 bei 77,6 Milliarden Euro.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich bei einem Arbeitsbesuch in der Ukraine für eine Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland aus. "Deutschland wird für die Verlängerung der Sanktionen eintreten", sagte die CDU-Politikerin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Petro Poroschenko in Kiew. Allerdings könnten diese abgemildert werden, wenn es Fortschritte bei der Beilegung des Konflikts in der Ostukraine gebe. "Leider gibt es keine stabile Waffenruhe, es sterben Soldaten", betonte die Regierungschefin.

Quelle: n-tv.de