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Für 5,99 Euro von Berlin nach Köln? Klare Kampfansage von Ryanair

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Was ist schon Komfort? Hauptsache billig: Auch deutsche Kunden haben laut Ryanair bei Ticketpreisen dazugelernt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Während sich Lufthansa und Air Berlin mit Streiks und anderen Problemen rumschlagen, schafft Ryanair beim Fliegen Fakten. Kampfpreise sollen den Marktanteil in Deutschland vervierfachen. "Augen auf!", empfehlen die Iren.

Die Wachstumspläne der irischen Billigfluglinie Ryanair zeigen: Auch nach 30 Jahren hat der irische Billigflieger noch jede Menge Schub. Während traditionelle Airlines wie Lufthansa mit hohen Kosten und Gewerkschaften ringen und sich die Billigkonkurrenz wie Air Berlin mit eigenen Problemen rumschlägt, baut die Fluggesellschaft von der grünen Insel das Streckennetz kontinuierlich aus. Für ihre jüngste Wachstumsoffensive haben die Iren den deutschen Markt ins Visier genommen. "Deutschland ist der wichtigste Markt in den kommenden fünf Jahren", sagt Kenny Jacobs, Chief Marketing Officer von Ryanair in Berlin.

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Die klare Kampfansage an die Lufthansa-Tochter Germanwings und Easyjet: Demnächst könnte es die Strecke Köln/Bonn - Berlin für 5,99 Euro geben. Jacobs kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ryanair sieht den Wettkampf um Marktanteile offensichtlich sportlich, demonstriert damit aber auch, dass der Angriff auf den deutschen Markt durchaus ernst ist.

"Augen auf!"

Ryanair hat die Strecke zwischen Köln/Bonn und Berlin mit fünf täglichen Verbindungen erst kürzlich eingeführt. Es ist die einzige Strecke, auf der Lufthansa und Easyjet Billig-Tickets auf dem Niveau des irischen Billiganbieters bieten. "Augen auf, es wird eine Preisschlacht geben", kündigt Jacobs an. "Die Deutschen lieben ihre Lufthansa, aber die Konsumenten werden auch cleverer, wenn es um ihre Ausgaben geht."

In diesem Jahr zeigen die Pfeile bei Auslastung und Verkehrszahlen bei Ryanair wieder steil nach oben: Die Auslastung bei den Flügen liegt bei 90 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von zwei Prozent zum Vorjahr. Für das laufende Jahr erwartet die Fluggesellschaft nun insgesamt 104 Millionen Fluggäste. Prognostiziert waren lediglich 100 Millionen. Erst kürzlich hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary das Gewinnziel für das Geschäftsjahr (bis Ende März 2016) um ein Viertel auf 1,175 bis 1,225 Milliarden Euro nach oben geschraubt.

Das ambitionierte Ziel von Ryanair für Deutschland: 20 Prozent Marktanteile in den kommenden fünf Jahren. Derzeit sind es fünf Prozent. Erreichen will der Billigflieger das vor allem durch die günstigen Tarife und den Ausbau des Streckennetzes.

Neue Basis in Berlin

Dreh- und Angelpunkt der Wachstumsoffensive ist Berlin. Ende Oktober eröffnet Europas größter Billigflieger eine Basis mit eigenem Personal und Flugzeugen in der Hauptstadt. Mit dem Sommerflugplan 2016 sollen wöchentlich 219 Flüge auf 26 Routen abgewickelt werden. Jährlich rechnet die Airline dann mit 3,5 Millionen Kunden, das wäre eine Steigerung um eine Million. Auf Basis von Zahlen des Airport Council International (ACI) soll der Berliner Standort insgesamt 2600 Arbeitsplätze schaffen. Beheimatet ist die Berliner Ryanair-Flotte am alten Flughafen Schönefeld. Der Pannenflughafen BER spielt bei den Wachstumsplänen keine Rolle. "Für uns gibt es keinen anderen Flughafen. Wir sind glücklich in Schönefeld", sagt Jacobs. Bis der neue Flughafen fertig werde, werde sowieso noch viel Zeit vergehen.

Die Preisoffensive der Iren wird Lufthansa und Easyjet weiter in Bedrängnis bringen. Kostet das Ticket bei Ryanair im Schnitt 47 Euro, sind es bei Easyjet 84 Euro. Bei Air Berlin bezahlt der Flugreisende 120 Euro und bei Lufthansa 230 Euro. Bieten Airlines dieselben Strecken an, ist für viele Kunden der Preis ausschlaggebend. Baut ein Billiganbieter sein Streckennetz aus, wird es noch schwieriger für die alten Traditions-Fluggesellschaften, Marktanteile zu halten.

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Warum nicht?: Ryanair-Chef O'Leary fordert die großen Fluggesellschaften zur Kooperation auf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ryanair ist gemessen am Marktanteil hinter Lufthansa und Air Berlin die Nummer drei auf dem deutschen Markt. Die Iren wetten, dass hier für sie noch deutlich mehr geht. "Der Wettbewerb in Deutschland ist schwach", sagt Jacobs. "Wir freuen uns über jeden Streik bei Lufthansa. Und Air Berlin hat Probleme wegen seiner angespannten finanziellen Lage." Lufthansa und Air Berlin hätten ihr Angebot auf der Kurzstrecke gekürzt. Zugleich gebe es prozentual deutlich weniger Billigflüge als in vielen anderen Ländern. Mit anderen Worten: Für die Konkurrenz gibt es noch viel Raum zum Wachsen. Ryanair sei bereit, mit allen deutschen Flughäfen zu sprechen, sagt Jacobs.

Auch Kooperationen werden ins Auge gefasst. Nachdem Lufthansa kürzlich verkündet hat, im Billigsegment mit Easyjet zusammenrücken zu wollen, signalisierte Ryanair-Chef O'Leary, auch Interesse an einer Zusammenarbeit zu haben. Durchgedrungen ist er damit bisher nicht. Noch habe sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht in Dublin gemeldet, heißt es.

AGB: "Always get better"

Pünktlich zur Marktoffensive haben sich die Iren natürlich auch hübsch gemacht. Vor einem Jahr wurde das Programm "Always Getting Better" aus der Taufe gehoben. Nach einer Reduzierung der Extra-Gebühren, Familienangeboten, einem zweiten freien Handgepäck sowie festen Sitzplätzen, will man jetzt "noch besser" werden. Diesmal wurde auch an den Komfort beim Fliegen gedacht. Die Sitze werden zugunsten von mehr Beinfreiheit dünner. Weitere Neuerungen reichen von den Uniformen des Flugpersonals bis hin zur medizinischen Ausstattung. Ab November 2016 soll es auf allen Fliegern Defibrillatoren geben.

Ryanair bezeichnet sich selbst als grüne Airline. Nicht, weil die Heimatbasis Irland ist, sondern weil sie die jüngste Flotte in Europa besitzt. Die neueren Maschinen verbrauchen weniger Kerosin. Und sie fliegen geräuschärmer. Die Kehrseite der Billigpreise gibt es aber auch. O'Leary trimmt die Airline nicht nur konsequent auf das Motto "no frills" ("Kein Schnickschnack"). Hinter dieser griffigen Formulierung verbirgt sich auch knallharte Kostenkalkulation: Die grüne Airline holt aus Mitarbeitern, Kunden und Flugzeugen so viel wie möglich heraus.

Quelle: n-tv.de

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