Wirtschaft

Zukunftsaktie 3D-Drucker SLM drängt an die Börse

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Schicht für Schicht entsteht ein dreidimensionales Objekt: Ein 3D-Drucker der Firma Robo3D auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein junges Hightech-Unternehmen aus Deutschland könnte bald schon die Phantasien zahlreicher deutscher Aktienanleger anregen: SLM Solutions - ein Wettbewerber von Voxeljet - kündigt offiziell eine Erstnotiz noch in diesem Jahr an.

Frischer Wind im Aktienhandel: Das Lübecker Unternehmen SLM Solutions könnte zur ersten Neuemission an der Frankfurter Börse im laufenden Jahr aufsteigen. Der Hersteller von 3D-Druckern präsentierte zu Wochenbeginn konkrete Pläne für seinen Börsengang. Offiziell solle das Debüt noch in diesem Jahr stattfinden, hieß es. Bis es soweit ist, könnte es damit theoretisch also auch Herbst oder sogar Winter werden.

Vorstandschef Markus Rechlin erklärte, das Unternehmen wolle mit der Ausgabe von Aktien rund 75 Millionen Euro einnehmen. Der Erlös solle dazu dienen, das Wachstum des jungen Spezialherstellers zu beschleunigen. Ob die Altaktionäre beim Börsengang ebenfalls Aktien abgeben wollten, sei offen, sagte ein Sprecher. SLM gehört seit dem vergangenen Jahr zu 57 Prozent dem Mittelstands-Investor DPE Deutsche Private Equity, der frisches Geld in das Unternehmen pumpte. Dass der Firmenfinanzierer nach einer Gelegenheit für einen ertragreichen Ausstieg sucht, liegt nahe. Die restlichen Anteile liegen bei den Firmengründern.

In der Regel vergeht von der offiziellen Ankündigung bis zur Erstnotiz etwa ein Monat, so dass SLM bereits Anfang Mai seine Premiere an der Frankfurter Börse feiern könnte. Mit der Organisation des Börsengangs sind federführend die Deutsche Bank und Credit Suisse beauftragt. Hinweise auf entsprechende Pläne waren bereits in der vergangenen Woche an die Öffentlichkeit gelangt.

Spannender als Buwog

Während an den übrigen Handelsplätzen Europas bereits zahlreiche Firmen in diesem Jahr an die Börse gegangen sind, herrscht in Deutschland bisher noch Flaute. Als Börsenneuling steht in Frankfurt bisher nur die deutsch-österreichische Immobilienfirma Buwog fest, die Ende April auf dem Kurszettel erscheinen will. Viel Bewegung können sich Händler davon nicht erhoffen: Die Buwog-Aktien werden nur den Aktionären der österreichischen Immofinanz ins Depot gebucht, von der sie abgespalten wird.

SLM Solutions setzte mit 80 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 21,6 Millionen Euro um, der Nettoverlust lag bei 400.000 Euro. Unternehmen aus der 3D-Druck-Branche wurden zuletzt an der Börse hoch bewertet, teilweise sogar mit dem 30- bis 50-fachen des erwarteten Gewinns.

Gebilde aus Titan-Staub

Im Herbst war der SLM-Konkurrent Voxeljet an die US-Börse Nyse gegangen. Der Aktienkurs des jungen Börsenstars ist seit dem Debüt von 13 auf zeitweise bis zu knapp 35 Dollar gestiegen. Damit wird das Unternehmen aus Friedberg bei Augsburg mit umgerechnet gut 280 Millionen Euro bewertet - bei einem Umsatz von 11,7 Millionen Euro.

Mit 3D-Druckern lassen sich relativ einfach etwa Prototypen für die Autoindustrie bauen, aber auch echte Titan-Implantate für die Medizintechnik. Dabei wird Metallstaub nach einem am Computer erstellten Vorbild zu einem dreidimensionalen Objekt zusammengebacken. SLM Solutions entwickelt und baut Maschinen zum "selektiven Laserschmelzen", die mit einem Laserstrahl den Metallstaub auftragen. Das Unternehmen ist nach Angaben des Investors DPE "ein führender Anbieter metallbasierter additiver Fertigungstechnologie". SLM zählt zu seinen Kunden Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt, dem Energie- und Gesundheitssektor sowie aus der Autoindustrie.

Anleger feiern Thurgauer Kantonalbank

Dass das Umfeld für Neuemissionen gerade günstig ist, belegt eine Erstnotiz in der Schweiz: Unter den kritischen Blicken der Beobachter legte Thurgauer Kantonalbank beim ersten Börsengang des laufenden Jahres in der Schweiz ein erfolgreiches Debüt hin.

Die Partizipationsscheine der Kantonalbank stiegen am ersten Handelstag deutlich über den Ausgabekurs von 74 Franken und notierten am Vormittag bei 79,80 Franken. Die in Staatsbesitz stehende Bank gab 2,175 Millionen Partizipationsscheine aus, die mehrfache überzeichnet waren. Ursprünglich war eine Preisspanne von 64 bis 74 Franken festgelegt worden. Dem bisherigen Alleinbesitzer, dem Kanton Thurgau, fließen 160 Millionen Franken zu.

Partizipationsscheine (PS) sind eine Besonderheit des Schweizer Aktienrechts und entsprechen in etwa stimmrechtslosen Aktien deutschen Rechts. Anleger erhalten zwar eine Dividende, weitere Rechte sind mit den Titeln aber nicht verbunden. Die Zürcher Kantonalbank, die den Börsengang der Thurgauer betreute, steht eine Mehrzuteilungsoption von weiteren 325.000 Partizipationsscheinen zu. Würde auch die Mehrzuteilungsoption ausgeübt, bestünde das Eigenkapital der Bank aus 350 Millionen Grundkapital und 50 Millionen Franken PS-Kapital.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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