Wirtschaft

Exportmotor Deutschland und die Folgen Schäuble warnt vor Finanzblasen

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Jacob Lew (l.) und Wolfgang Schäuble (r.): Viele Themen werden besprochen. Vor allem bei der deutschen Exportstärke gehen die Meinungen der beiden Finanzminister auseinander.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ende Oktober 2013 kritisiert das US-Finanzministerium Deutschland offen für seine Exportstärke. Bei einem Treffen legt US-Finanzminister Lew nun nach. Sein deutscher Amtskollege Schäuble reagiert gelassen. Er sieht ganz andere Probleme.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vor Verwerfungen in der Weltwirtschaft wegen der niedrigen Leitzinsen gewarnt. Der CDU-Politiker sagte nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Jacob Lew, das Übermaß an weltweiter Liquidität müsse genau beobachtet werden: "Ich habe gesagt, dass wir darin übereinstimmen, dass wir die Gefahr neuer Blasenbildung sorgfältig überwachen müssen."

Lew äußerte sich vor Journalisten nicht zur Geldpolitik der Zentralbanken. Es müsse weltweit für mehr Wachstum und Beschäftigung gesorgt werden, betonte der US-Finanzminister.

Deutsche Exportstärke in der Kritik

Der US-Minister mahnte zugleich angesichts des anhaltenden deutschen Exportüberschusses eine Stärkung der Binnennachfrage. Eine größere Nachfrage im Inland und mehr inländische Investitionen wären "eine gute Sache" für Deutschland und auch für die Weltwirtschaft, sagte Lew. Es sei sehr wichtig, dass die Lücke zwischen Aus- und Einfuhren schrumpfe. Ihm sei allerdings bewusst, dass die Meinungen zwischen seiner Regierung und Deutschland in dieser Frage auseinander gingen, sagte Lew.

Ende Oktober hatte das US-Finanzministerium in einem Bericht Deutschland offen für seine Exportstärke angegriffen. Der Vorwurf lautete, dass Deutschland die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone gebremst hat. Grund dafür sei das schwache Wachstum der Binnennachfrage auf dem größten Markt im Währungsblock. Deutschland wurde seinerzeit ähnlich deutlich gerügt, wie sonst nur China wegen der Unterbewertung des Yuan.

Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts lag der Abstand zwischen Aus- und Einfuhren im November 2013 bei 18,1 Milliarden Euro. Im Vorjahresmonat waren es 16,9 Milliarden Euro gewesen.

Schäuble verwies bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Lew darauf, dass die Eurozone insgesamt nur einen sehr geringen Exportüberschuss verzeichne. Ohne den deutschen Überschuss würde sich für die Euroländer zusammen ein Außenhandelsdefizit ergeben, sagte der Minister. Dies würde jedoch nichts am Exportdefizit der USA ändern, gab Schäuble zu bedenken. Im Übrigen werde das deutsche Wirtschaftswachstum bereits maßgeblich von der Nachfrage im Inland getragen.

Auch Bankensystem ein Thema

Ein weiteres wichtiges Thema des Gesprächs war die Sicherheit im Bankensektor. Der US-Finanzminister hält die Kreditbranche in seinem Land durch den Dodd-Frank-Act für deutlich stabiler. Aber erst die nächste Krise werde zeigen, ob die Kapitalpuffer groß genug seien. Als noch ungelöste Herausforderungen nannte Lew die Regulierung des Schattenbankensektors, was im Rahmen der G20-Staatengruppe geschehen müsse.

Schäuble lobte für Europa die im vergangenen Jahr erzielten Fortschritte bei der Bankenregulierung und spielte damit auf die gemeinsame Aufsicht unter dem Dach der EZB und den geplanten Abwicklungsmechanismus für Pleitebanken an. "Im Vergleich zu Dodd-Frank ist das in Europa aber noch viel schwieriger, weil 28 Staaten betroffen sind", betonte Schäuble.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/DJ/AFP