Wirtschaft

Immobilienförderung vom Staat Seehofers Baukindergeld ist ein Witz

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Das Baukindergeld dürfte Familien in Großstädten nicht viel nützen.

(Foto: picture alliance / Bernd Wüstnec)

Zehn Millionen Glückliche könnten in den Genuss staatlicher Subventionen für die eigenen vier Wände kommen. Doch die geplante Familienförderung von Innen- und Bauminister Horst Seehofer geht in der Realität vollkommen am Ziel vorbei.

"Das Baukindergeld ist kein Programm für den Prenzlauer Berg", hat Baustaatssekretär Gunther Adler kürzlich gesagt. 1200 Euro jährlich sollen Familien pro Kind vom Innen- und Heimatministerium von Minister Seehofer bekommen. Bei einer Förderung von 10 Jahren sind das bei einem vierköpfigen Haushalt 24.000 Euro. Das klingt nach einer stattlichen Subvention für angehende Eigenheimbesitzer. Eine Berechnung zeigt jedoch, wie weltfremd die Förderung ausgestaltet ist und was viel mehr helfen würde.

Allein die Nebenkosten, die beim Erwerb einer Wohnung oder Hausbau zusätzlich zum reinen Kaufpreis anfallen, fressen einen Großteil des Geldes auf. Grunderwerbssteuer, Maklergebühren und Notarkosten summieren sich gewöhnlich zu einem Aufschlag von 15 Prozent auf den Kaufpreis. Wenn Innenminister Seehofer nun wirklich Familien entlasten will, sollte er zunächst bei Familien in Großstädten ansetzen. Denn Häuslebauer auf dem Land haben ohnehin doppeltes Glück: Sie profitieren von den ausgesprochen niedrigen Bauzinsen der letzten Jahre und niedrigen Preisen für Baugrund, die im ländlichen Raum kaum gestiegen sind. Bauwillige in Simmern, Bottrop oder Annaberg können deshalb günstig finanzieren, während Familien in Berlin, München und Hamburg in die Röhre schauen.

Steuern senken statt Zuschüsse verschenken

Ein Rechenbeispiel für die Großstädte zeigt das anschaulich. Angenommen sei für eine vierköpfige Familie eine Wohnung mit 100 Quadratmetern, was nicht unbedingt großzügig bemessen ist. Eine entsprechende Wohnung ließe sich freistehend in Berlin mit Glück und in Randstadtteilen noch für 400.000 Euro finden, in den anderen genannten Städten ist ein Preis unterhalb von 500.000 Euro kaum mehr darstellbar, in München schlicht illusorisch.

Kalkuliert man mit einer Summe von 500.000 Euro und einer Fremdfinanzierungsquote von 90 Prozent müsste die Beispielfamilie 50.000 Euro Eigenkapital aufbringen. Hinzu kommen etwa 75.000 Euro Erwerbsnebenkosten, was den Eigenanteil zum Start auf 125.000 Euro erhöht. Genau an dieser Summe dürften die meisten potenziellen Hauskäufer in den Großstädten scheitern. Auch das Baukindergeld von 24.000 Euro ändert daran nicht viel.

Wollte man jungen Familien wirklich auf die Beine helfen, wäre der Verzicht auf die Grunderwerbssteuer viel effektiver. Die Beispielfamilie in Berlin, wo der Steuersatz derzeit bei 6,0 Prozent liegt, würde damit sofort 30.000 Euro sparen. In Länder wie Bayern, wo sie nur 3,5 Prozent beträgt, wäre die Ersparnis niedriger, in Ländern wie Thüringen, Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg, wo sie bei 6,5 Prozent liegt, dagegen höher. Die Maklerkosten beim Hauskauf bewegen sich in Deutschland zwischen rund drei und sieben Prozent, sind jedoch keineswegs gesetzlich vorgeschrieben, sondern theoretisch verhandelbar.

Der Bund bunkert seine Grundstücke

Viel mehr als mit Zuschüssen könnte der Staat Hauskäufern zudem mit der Bereitstellung von Grundstücken unter die Arme greifen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat in den sieben größten Städten momentan knapp 1000 Parzellen im Reservoir, die man für Familienförderung freigeben könnte. Doch stattdessen verkauft auch der Bund diesen Grundbesitz lieber zum Höchstpreis an Investoren und erlaubt Investoren weiterhin sogenannte Share-Deals beim Immobilienkauf. Großinvestoren sparen dadurch jährlich eine Milliarde Euro  Grunderwerbsteuer. Viel Geld, das kleinen Häuslebauern zugutekommen könnte.

Das Baukindergeld ist nicht nur kein Programm für den Prenzlauer Berg, sondern auch keins für Frankfurt-Bonames, Berlin Hellersdorf oder Köln-Mülheim. Viel eher ist es für Altötting oder Hof geeignet. Und genau darauf zielt die Förderung womöglich ab.

Quelle: n-tv.de

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