Wirtschaft

Milliardenschweres Rettungspaket Staat plant Direkteinstieg bei Lufthansa

f6936bc0f888b81376ac9ffcf1e19fcf.jpg

Die Bundesregierung plant offenbar einen Direkteinstieg bei der Lufthansa.

(Foto: imago images/Action Pictures)

Trotz aller Corona-Nöte zieht der Lufthansa-Chef angeblich lieber eine Insolvenz in Betracht, als die Bundesregierung im Konzern mitreden zu lassen. Einem Medienbericht zufolge bietet Berlin dennoch üppige Hilfen an. Dabei erwartet der Staat allerdings eine Gegenleistung.

Die Bundesregierung plant laut einem Bericht des "Spiegel" einen Direkteinstieg bei der angeschlagenen Fluggesellschaft Lufthansa. Demnach geht es um Hilfen im Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro. Das Magazin berief sich auf Angaben aus Verhandlungskreisen. Die Lufthansa ist wegen der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten.

Lufthansa
Lufthansa 8,21

Dem Bericht zufolge sollen 5,5 Milliarden Euro in Form einer stillen Beteiligung des Bundes an die Lufthansa fließen. Im Gegenzug verlangt die Bundesregierung dafür demnach eine Garantiedividende von neun Prozent. Außerdem wolle der Staat mit 25,1 Prozent direkt bei der Lufthansa einsteigen, was knapp eine Milliarde kosten dürfte. Weitere 3,5 Milliarden Euro solle die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beisteuern. Hierfür wolle die Regierung eine Bürgschaft übernehmen, hieß es.

Die Lufthansa selbst kommentiert das bislang nicht. Mehreren Medienberichten zufolge dauern die Verhandlungen über das Hilfspaket allerdings noch an. Auch bezieht sich die Berichterstattung des "Spiegel" offensichtlich nur auf die Regierungsseite. Über die Konditionen für das Unterstützungspaket müsste jedoch auch eine Einigung mit der Lufthansa erzielt werden.

Dank für politische Unterstützung

In einem Schreiben an die Bundesminister für Finanzen und für Wirtschaft, Olaf Scholz und Peter Altmaier, hatten sich die Lufthansa sowie die Gewerkschaften Verdi und Piloten-Vereinigung Cockpit (VC) am Donnerstag für die grundsätzliche Bereitschaft der Bundesregierung zur Unterstützung bedankt. "Wir wissen sehr zu schätzen", dass sie "Hilfe in Aussicht gestellt haben", hieß es. "Nachhaltiger Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen" sei das Ziel.

Finanzielle Unterstützung, die Österreich, Belgien und die Schweiz für die Lufthansa-Töchter Austrian Airlines, Brussels und Swiss gewähren, sollen dem "Spiegel" zufolge auf die Hilfen des Bundes angerechnet werden. Einen entsprechenden Beschluss gibt es aus der Schweiz, Austrian Airlines hat Hilfen beantragt. Als Gegenleistung für mögliche Unterstützung fordern aber auch andere betroffene Regierungen Mitsprache- und Vetorechte.

Klare Vorgaben vom Konzernchef

Bereits am vergangenen Dienstag hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor einem zu großen Staatseinfluss auf sein Unternehmen in der Folge möglicher Hilfskredite gewarnt. "Wenn die Bundesrepublik zu große Einflussnahme auf operative Geschäftsaufgaben nehmen wollte, fordert das vielleicht die österreichische Regierung ebenso ein, dann möglicherweise auch die Schweiz, Belgien, Bayern oder Hessen", sagte Spohr der "Zeit".

Mit Verweis auf die zurückliegenden drei besten Jahre in der Geschichte der Lufthansa erklärte er weiter: "Wenn sie auch künftig erfolgreich sein soll, muss sie auch weiterhin ihr Schicksal unternehmerisch gestalten können." Laut Kabinengewerkschaft Ufo soll Spohr zuvor intern erklärt haben, dass er das Unternehmen lieber in die Insolvenz in Form eines Schutzschirmverfahrens führe, als sich von der Politik reinreden zu lassen.

Gehaltsverzicht auf Pilotenseite

Derweil hatten sich die Lufthansa-Piloten am Donnerstag zu einem Gehaltsverzicht von bis zu 45 Prozent bereiterklärt. Die Piloten "bekennen sich zu ihrer Verantwortung", erklärte der Präsident der Piloten-Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl. Voraussetzung sei aber, dass sich auch der Konzern "zu seinen Mitarbeitern bekennt", um "die Kreise gemeinsam mit diesen sozialpartnerschaftlich zu überwinden", pochte Wahl auf einen Erhalt der Arbeitsplätze.

Wegen der Pandemie ist der Flugbetrieb bei der Lufthansa, ebenso wie auch bei anderen Fluggesellschaften, fast vollständig zum Erliegen gekommen. Da aber weiterhin laufende Kosten entstehen, wird das Unternehmen durch Milliardenverluste belastet. Die meisten Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit.

Quelle: ntv.de, cri/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.