Wirtschaft

Stahlsparte wohl vor dem Verkauf Thyssenkrupp-Aktie hebt ab

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Der Essener Konzern könnte seine Stahlsparte schon bald nach London verkaufen.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Die kriselnde Stahlsparte steht bei Thyssenkrupp womöglich kurz vor dem Aus. Der britische Stahlkonzern Liberty Steel hat bereits ein Angebot für das schwächelnde Segment abgegeben. Die Anleger freut's.

Bei den Aktionären von Thyssenkrupp hat sich am Freitag Hoffnung auf eine Lösung für das angeschlagene Stahlgeschäft breit gemacht. Grund dafür: Das britische Unternehmen Liberty Steel will die komplette Sparte übernehmen. "Wir haben heute ein indikatives Angebot für einen Erwerb des Stahlgeschäfts erhalten", hieß es von Thyssenkrupp. "Dieses Angebot schauen wir uns jetzt sorgfältig an. Gleichzeitig werden wir die Gespräche mit anderen potenziellen Partnern in gleicher Weise wie bisher konsequent fortsetzen. Unser Ziel ist es, das Stahlgeschäft nachhaltig zukunftsfähig zu machen. Es kommt für uns darauf an, dafür die beste Lösung zu finden."

Die arg gebeutelte Thyssenkrupp-Aktie schoss dadurch um bis zu knapp ein Viertel nach oben. Zuletzt führten sie den MDax noch mit einem Plus von 15,09 Prozent auf 4,79 Euro an. Nach dem milliardenschweren Verkauf der Aufzugsparte könnte sich der Ruhrgebietskonzern damit auch von seinen Wurzeln trennen. Auch die indische Tata-Gruppe sowie der schwedische SSAB-Konzern gehörten zu den Interessenten, hieß es in einem "Spiegel"-Bericht.

Thyssenkrupp
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Thyssenkrupp wollte die Informationen am Freitagmorgen nicht kommentieren. Nach einer grauenvollen Aktienkursentwicklung von Thyssenkrupp, die das Chaos in dem Konzern widerspiegele, berge der Bericht über den Verkauf der Stahlsparte hohes Potenzial, so ein Händler. So haben die Papiere allein im bisherigen Jahresverlauf rund 60 Prozent eingebüßt.

Ein Verkauf würde de facto bedeuten, dass sich Thyssenkrupp aufspalte, da bereits das Aufzuggeschäft veräußert sei und auch andere Bereiche noch zum Verkauf stünden, erklärte der Händler. So hatten die Essener Ende Juli die Aufzugsparte für gut 17 Milliarden Euro an Finanzinvestoren verkauft und sich finanziell damit Luft verschafft.

Thyssenkrupp braucht seit Jahren Geld, um den Konzernumbau zu stemmen und die Schulden zu senken. Die Corona-Krise macht den Essenern bei den ursprünglichen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung, in diesem Geschäftsjahr erwarten sie einen Milliardenverlust. Die Zukunft des Stahlgeschäfts trieb Anlegern zuletzt denn auch häufiger Sorgenfalten in die Stirn.

Die IG Metall hatte vor einigen Tagen einen Einstieg des Staates in die Stahlsparte des Essener Traditionskonzerns als Rettungsmaßnahme gefordert. Aus der Politik waren aber ablehnende Signale gekommen. Konzernchefin Martina Merz ist deshalb schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Partner. Alle bisherigen Versuche scheiterten jedoch.

Quelle: ntv.de, dhe/dpa