Ausverkauf beim US-DollarTrumps Eskapaden bringen Leitwährung massiv ins Wanken
Von Juliane Kipper
Der US-Dollar schwächelt wie seit Jahren nicht mehr. Analysten machen US-Präsident Trumps erratische Politik als größte Ursache aus. Das Problem: Eine Alternative zur Weltleitwährung ist nicht in Sicht.
Der US-Dollar sackt ab und notiert nahe seinem schwächsten Stand seit fast vier Jahren. Die Leitwährung ist im Jahr 2025, gemessen am Dollar-Index, um fast 10 Prozent gefallen und hat am Dienstag einen Tiefstand wie seit Anfang 2022 nicht mehr erreicht.
Analysten sehen die Dollarschwäche als eine Folge der politischen Unsicherheiten in den USA. "Die Kapriolen und Eskapaden von Präsident Donald Trump, innenpolitische Probleme mit der Abschiebebehörde ICE, sowie Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank sorgen international für Skepsis", sagt der Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, Robert Halver, im Gespräch mit ntv.de. Dem Devisen-Analyst Volkmar Baur von der Commerzbank zufolge beschleicht die Verbündeten der USA nach dem Grönland-Konflikt außerdem langsam das Gefühl, dass die USA unter Trump auch zum Äußersten bereit sind, um Zugeständnisse zu erzwingen.
Während der Dollar an Wert verliert, legten die Kurse von Edelmetallen wie Gold und Silber sowie andere große Währungen zuletzt zu. Der Euro überstieg die symbolische Marke von 1,20 Dollar. Ein Ende der Dollar-Dominanz sehen Halver und Baur in Kürze trotzdem nicht – allein, weil es an Alternativen fehlt. Der Dollar macht knapp 60 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus, der Anteil des Euro liegt bei etwa 20 Prozent. Die Dominanz der USA im Welthandel und die Größe ihrer Kapitalmärkte dürften dafür sorgen, dass sich daran so schnell nichts ändert.
Sowohl Halver als auch Baur verweisen darauf, dass der chinesische Yuan und der Euro theoretisch eine größere Rolle spielen könnten. Laut Halver wäre das allerdings gar nicht im Interesse Chinas. "Eine stärkere internationale Nutzung ihrer Währung würde bedeuten, dass der Yuan freigegeben werden müsste. Das würde zu einer massiven Aufwertung führen und damit den Export, eine zentrale Säule der chinesischen Wirtschaft, stark belasten", sagt der Ökonom der Baader Bank. Zudem sei die Binnenkonjunktur Chinas derzeit zu schwach.
Der Euroraum kann Halver zufolge vor allem aus einem Grund keine ernsthafte Alternative sein: "Der Zusammenhalt innerhalb der Eurozone ist nicht stark genug, um als globale Währung zu fungieren. Gleichzeitig ist Europa stark exportorientiert – eine noch stärkere Währung wäre für die Wirtschaft ebenfalls nachteilig." Auch Baur ist sich sicher, dass der US-Dollar weiterhin die Nummer eins bleiben wird. Der Euro sei zwar eine monetäre Union, hinter der Währung stehe aber kein richtiger Souverän.
Von einem schwachen Dollar profitieren derweil international vor allem US-Exporteure. Ferner ziehen laut Baur zudem Schwellenländer daraus ihren Nutzen. Sie sind oftmals in US-Dollar verschuldet. Mit einem schwächeren US-Dollar sind diese Schulden, gemessen an ihrer eigenen Währung, weniger wert. Aber auch Rohstoffimporteuren kommt ein schwacher Dollar zugute, da Rohstoffe oftmals in US-Dollar gepreist sind und diese somit für die Importeure in eigener Landeswährung günstiger werden. "Zuletzt profitieren innerhalb der USA große Unternehmen von einem schwächeren US-Dollar, weil ihre im Ausland erzielten Gewinne in US-Dollar mehr wert sind", sagt Baur. Zu den Verlierern gehören derweil private Haushalte, weil importierte Konsumgüter teurer werden. Halver gibt derweil zu bedenken, dass eine Weltleitwährung eine gewisse Stärke besitzen muss, sonst verliere sie an Attraktivität für internationale Anleger. "Es geht also um eine Balance: Der Dollar darf weder zu stark noch zu schwach sein."
Ob der Tiefstand zum Warnsignal für die US-Wirtschaft wird, hängt unter anderem auch davon ab, wie lange die politischen Eskapaden noch anhalten. Von einer Führungsnation wie den USA erwartet Halver eine gewisse Stabilität und Leitfunktion. "'America First‘ mag in Ordnung sein, doch ‚America Alone‘ wäre fatal. Eine Balance zwischen Eigeninteresse und internationaler Verantwortung signalisiert Stärke – ein zu starkes Abschotten wirkt hingegen negativ – etwa auf den Dollar", sagt Halver.
Noch sieht Baur keinen Grund für Alarmismus. Die US-Wirtschaft laufe weiterhin gut und werde stark von Investitionen im eigenen Land getragen. Hinzu komme, dass die US-Wirtschaft deutlich weniger vom Außenhandel abhängig sei als die Wirtschaft anderer Länder. "Der US-Dollar ist auf lange Frist betrachtet noch immer hoch bewertet, der zyklische Tiefstand ist daher nicht besorgniserregend", sagt Baur. Um die globale Finanzstabilität ins Wanken zu bringen, wäre eine deutlich stärkere Abwertung über einen kurzen Zeitraum vonnöten. Baader-Ökonom Halver ergänzt, die USA müssten erkennen, dass sie nicht allein über die Welt bestimmen und China sowie Europa ernsthafte Konkurrenten sind. "Eine Überreizung der Situation könnte die Position des Dollars und Amerikas insgesamt weiter schwächen", so Halver.
Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass der US-Dollar auch in den kommenden Monaten unter Druck bleiben wird. Allerdings dürfte das Tempo der Abwertung deutlich abnehmen. Auch Halver geht nicht davon aus, dass der Dollar endlos abwertet. Das könne Trump nicht gebrauchen. Der Baader-Ökonom vergleicht eine Währung mit dem Aktienkurs eines Landes. "Wenn sie stark abschwächt, verliert das Land an Attraktivität – Investitionen, Aktienmärkte und internationale Reputation werden beeinflusst." Deshalb sei es entscheidend, die Stabilität des Dollars grundsätzlich zu sichern.
Damit der Dollar wieder an Stärke gewinnen kann, muss Ruhe im Weißen Haus einkehren. "Politisch ruhigeres Fahrwasser und ein klares Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Fed würden vermutlich bereits genügen, um den US-Dollar wieder aufwerten zu lassen", sagt Baur. Dass Letzteres tatsächlich auch eintritt, erwartet der Commerzbank-Analyst allerdings nicht.
Ähnlich wie der Euro wird auch Gold den US-Dollar als Leitwährung kurzfristig nicht ersetzen können. Notenbanken weltweit legen ihre Währungsreserven zwar zunehmend in Gold an, weil es physisch vorhanden ist, Sicherheit bietet und kein zusätzliches Risiko trägt. Eine Währung wie der US-Dollar könne beliebig vermehrt werden – Schulden ließen sich auf Knopfdruck der Notenbank finanzieren. Gold hingegen ist ein rares Gut, gibt Halver zu bedenken. "Der Dollar bleibt trotz Schwäche die führende Weltwährung", so der Baader-Ökonom.