Wirtschaft

Abwrackprämie für Mopeds Tübingen sagt CO2-Schleudern den Kampf an

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Mopeds und Roller sollen künftig aus dem Tübinger Stadtbild verschwinden.

(Foto: dpa)

Mopeds und Roller sind wahre Dreckschleudern. Die Stadt Tübingen will ihre Luft künftig sauberer halten und lobt eine Abwrackprämie für die Zweitakter aus. Erste Anträge liegen bereits vor. Wie viel die bundesweit einzigartige Maßnahme bringt, ist allerdings fraglich.

Das Knattern eines Rollers schallt von den hohen Mauern und Hauswänden in der Tübinger Mühlstraße am Rande der Altstadt zurück und vermengt sich mit dem übrigen Verkehrslärm von Bussen und Taxis. Zum Lärm kommt die unsichtbare Belastung: der Schadstoffausstoß. "Das sind schlicht Giftgasgeräte", sagt Oberbürgermeister Boris Palmer über Mopeds und Roller. Mit einer deutschlandweit einzigartigen Abwrackprämie will der Grünen-Politiker möglichst viele davon aus dem Verkehr ziehen.

Feinstaub

Als Feinstaub werden alle freischwebenden Teilchen in der Luft bezeichnet, die im Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer sind. Er entsteht vor allem durch Abgase und Industrieemissionen, aber auch durch natürliche Prozesse wie Bodenerosion.

Besonders gefährlich sind Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, denn größere Teile bleiben in Rachen oder Nase hängen, während die ultrafeinen Staubteilchen tief in das Lungengewebe eindringen und in die Blutbahn gelangen. Dort können sie Entzündungsprozesse in den Lungen auslösen, die Blutgerinnung beeinflussen und sogar die  Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems stören.

Palmers Angaben zufolge fahren täglich 100 Zweitakter durch die enge Straße, in der an einer festinstallierten Station die Feinstaubbelastung für Tübingen gemessen wird. Sie stoßen mehr Schadstoffe aus als der Busverkehr an dieser Stelle. "Wer Luftreinhaltung ernst nimmt, kann so was nicht mehr in der Stadt tolerieren."

Wie viele Zweitakter in Tübingen unterwegs sind, wird nicht erfasst - bei der letzten Zählung 1999 waren es 312 sogenannte Leichtkrafträder, wie die Stadt mitteilt. Die geringe Zahl der Fahrzeuge werde aber durch den enormen Schadstoffausstoß überkompensiert, sagt Palmer.

Fragwürdiger Effekt

Mopeds stoßen mehr Feinstaub und krebserregende Stoffe aus, als laut EU-Grenzwert erlaubt ist, wie aus einer Studie des Paul-Scherrer-Instituts aus Villingen in der Schweiz hervorgeht. Auch die Forscher beschreiben Mopeds darin als "unscheinbare Dreckschleudern auf zwei Rädern".

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Tübingens Oberbürgermeister will möglichst viele Mopeds und Roller aus dem Verkehr ziehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Tübinger Abwrackprämie funktioniert einfach: Wer sein Moped verschrottet und sich stattdessen ein Zweirad mit Elektromotor kauft, bekommt von der Stadt bis zu 500 Euro. Für das Programm stehen nach Angaben der Stadtverwaltung maximal 25.000 Euro aus dem städtischen Haushalt zur Verfügung. Mindestens 50 Mopeds könnten so abgeschafft werden - wie viel das bringt, ist allerdings fraglich. Die Universitätsstadt hat sich das Ziel gesteckt, die energiebedingten CO2-Emissionen pro Kopf bis 2022 um 25 Prozent gegenüber 2014 zu reduzieren.

"Ich halte die Abwrackprämie für Polemik", sagt der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion, Rudi Hurlebaus. Die CDU hatte gegen die Prämie gestimmt. Ein nennenswerter Effekt auf das Klima in der Stadt sei kaum zu erreichen bei der Zahl an Zweitaktern in der Stadt. Da sie Auslaufmodelle seien, würde sich das Problem seiner Meinung nach auch ohne Prämie bald von selbst lösen.

Erste Bürger denken mit

Seit dem 19. September kann die Prämie beantragt werden. Acht Anträge sind bereits eingegangen. Dem Verkehrsclub ADAC gefällt die Idee mit dem Ansatz Förderung statt Verbot. "Motorisierte Zweiräder, auch Mofas, sind relativ laut, eine Umstellung auf Elektroantrieb bringt erhebliche Vorteile", sagte ein Sprecher. Allerdings ist der Effekt der Abwrackprämie aufs Stadtklima auch nach Ansicht des ADAC eher niedrig.

Die Tübinger Idee wird anderswo interessiert verfolgt: Die CSU-Fraktion im bayrischen Landshut hat ihre Stadtverwaltung vor wenigen Tagen beauftragt zu prüfen, ob eine solche Abwrackprämie auch für Landshut sinnvoll wäre.

Quelle: n-tv.de, Lena Müssigmann, dpa

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