Wirtschaft

Börsendebüt mit Hindernissen Uber stolpert aufs Parkett

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Uber will das neue Amazon der Transportbranche werden und drängt an die Börse. Ob die Aktionäre dieser Vision folgen, ist allerdings fraglich.

(Foto: REUTERS)

Der Börsengang soll Ubers skandalumwitterte Erfolgsgeschichte krönen. Doch das Debüt steht unter keinem guten Stern: Mitarbeiterproteste und Streit in der Führungsriege deuten auf tiefsitzende Probleme. Und dann verdirbt auch noch Donald Trump die Stimmung.

Wenn für Uber an der Wall Street heute zum ersten Mal die Glocke läutet, wird einer nicht dabei sein: Travis Kalanick. Als visionärer Gründer ist er zwar unzertrennlich mit dem Fahrdienstleister verbunden. Er hat Uber mit unbedingtem Siegeswillen und gegen alle Widerstände groß gemacht. Doch der Verwaltungsrat hat Kalanick auf die Zuschauerränge verbannt. Zu groß wäre der Imageschaden, wenn er auf dem symbolträchtigen Balkon den Startschuss für den Aktienhandel geben dürfte. Es würde die Öffentlichkeit an die zahllosen Skandale erinnern, die Uber in Verruf gebracht haben.

Kalanick ist für Uber Fluch und Segen zugleich: In den sieben Jahren seiner Amtszeit pushte er mit einer aggressiven Wachstumsstrategie den Unternehmenswert auf fast 70 Milliarden US-Dollar. Kalanick wurde als der nächste Mark Zuckerberg gehandelt. Geldgeber standen Schlange, um in das bahnbrechende Unternehmen zu investieren. Dabei interessierte es sie nicht, dass Uber ausschließlich rote Zahlen schrieb, solange die Nutzerzahlen nur weiter stiegen.

Doch mit der Zeit häuften sich Berichte über Kalanicks aggressiven Führungsstil sowie Vorwürfe von Sexismus, Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz. Hinzu kamen der Verdacht, dass Uber der Google-Tochter WaymoTechnologie für selbstfahrende Autos gestohlen haben soll und eine Ermittlung zu mutmaßlicher Täuschung der Regulierungsbehörden. Einflussreiche Geldgeber verloren die Geduld und zwangen Kalanick 2017 zum Rücktritt. Mit seinem Nachfolger Dara Khosrowshahi soll endlich Ruhe einkehren.

Der größte Tech-Börsengang seit dem Debüt des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba 2014 soll der triumphale Wendepunkt für Uber werden: neuer Chef, neues Image, neue Investoren. Doch nicht nur die Personalie Kalanick wird zum Hindernis. Auch landesweite Proteste von Uber-Fahrern machen dem Unternehmen schwer zu schaffen. Und dann ist da noch die Twitterwut von Donald Trump.

Drahtseilakt im Börsenbeben

Vergangenes Jahr wurde Uber noch eine Bewertung von 120 Milliarden Dollar zugetraut. Doch bereits bei der Festlegung des Ausgabepreises in der Spanne von 44 bis 50 Dollar pro Aktie peilte das Unternehmen nur noch eine vorsichtigere Bewertung von 90 Milliarden Dollar an. Und nun macht auch noch Donald Trump dem Fahrdienst einen Strich durch die Rechnung: Der US-Präsident heizt den Handelsstreit mit China zum für Uber denkbar ungünstigsten Zeitpunkt wieder an.

Vergangene Nacht erhöhte er die Strafzölle für nahezu die Hälfte aller US-Importe aus China kräftig. Weltweit gingen die Finanzmärkte aus Angst vor dem großen Knall im Handelskrieg schon die ganze Woche merklich auf Talfahrt. Mitten in dem Börsenbeben stolpert Uber nun aufs Parkett. Das Timing könnte kaum schlechter sein.

Die Nachfrage nach den Papieren des Fahrdienstes war deutlich verhaltener als erwartet. Uber setzte den Ausgabepreis schließlich am unteren Ende der anvisierten Preisspanne auf 45 Dollar je Aktie fest und kommt damit auf eine Gesamtbewertung von rund 82 Milliarden Dollar. Der Preis liegt sogar unter dem aktuellen Kurs von Uber-Konkurrent Lyft, der Ende März an die Börse gegangen war: Eine "schlaue und umsichtige Strategie", die zeige, dass Uber "von seinem 'kleinen Bruder' Lyft und dessen Erfahrungen im vergangenen Monat gelernt hat", meint ein Analyst.

An Ubers Läuterung glauben nicht alle

Lyft
Lyft 36,20

Seit seinem Debüt erlebt Lyft eine heftige Talfahrt: Die Papiere gingen bei 72 Dollar an den Start, am Donnerstag lag der Kurs aber nur noch bei 55,18 Dollar pro Aktie - fast ein Viertel des Börsenwerts ist verpufft. Ein schlechtes Omen für Uber. Denn nicht nur der Rivale Lyft schreibt Verluste, auch bei Uber bestehen erhebliche Zweifel, ob die Firma überhaupt profitabel wirtschaften kann. Der Fahrdienstvermittler schreibt nach wie vor rote Zahlen und hat bislang kein zukunftsfähiges Finanzierungsmodell präsentiert. 8,1 Milliarden Dollar erlöst Uber zwar beim Börsengang, doch das ist weniger als die Firma bei einer Bewertung am oberen Ende der Preisspanne eingespielt hätte. Wie es mit dem Fahrdienst weitergeht, hängt deshalb stark davon ab, ob Uber den Ausgabepreis nach dem Läuten der Startglocke halten kann.

Entscheidend dafür ist auch, ob die neuen Aktionäre Uber-Chef Khosrowshahi den radikalen Kurswechsel abkaufen. Nicht jeder scheint von der Wandlung überzeugt zu sein. Denn die Probleme sitzen tief. Die Fahrer des Unternehmens gingen zwei Tage vor dem Börsendebüt in vielen Städten in den USA, Australien und Großbritannien auf die Straße. Zusammen mit den Kollegen von Lyft forderten sie höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

Vorstandschef Khosrowshahi zeigte sich von den jüngsten Entwicklungen unbeeindruckt. Uber soll nach seinen Worten eine Art Amazon für die Transportbranche werden: übermächtig, unangefochten und aus dem Leben der Kunden nicht mehr wegzudenken. Beim Sprung aufs Parkett wird sich zeigen, ob die Anleger seiner Vision folgen oder ihnen das Risiko doch zu hoch ist.

 

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