Wirtschaft

Mega-Börsengang mit Risiken Ubers 120-Milliarden-Dollar-Wette

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Fahrerlose - und daher güngstige - Robotaxis sollen Uber in Zukunft irgendwann einmal einen Gewinn ermöglichen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einer angestrebten Bewertung von 120 Milliarden Dollar plant Uber den größten US-Börsengang seit Facebook. Der herbe Kursverlust beim Konkurrenten Lyft sollte Anlegern eine Warnung sein. Sie investieren in eine riskante Vision mit viel Fantasie.

Die Bedingungen für Börsengänge sind nach den kräftigen Kursgewinnen in den vergangenen Wochen und Monaten so gut wie lange nicht mehr. Schnell noch Geld einsammeln, solange die Stimmung hält - das dachten sich unter anderen auch die Fahrdienstvermittler Lyft und Uber, die Milliarden einnehmen wollen. Beide verdienen eine Provision für die Vermittlung eines privaten Fahrers, den Kunden über ihre App bestellen können. Lyft ist der Sprung auf das Börsenparkett mit Milliardengewinnen bereits gelungen, Uber hat seinen Börsengang (IPO, initial public offering) für Mai angemeldet.

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Die Entwicklung bei Lyft zeigt aber auch, welche Risiken in den Aktien stecken, ganz unabhängig vom harten Konkurrenzkampf mit Uber. Das dämmerte den Investoren nach dem IPO, als die Aktie kurz nach oben schoss, um danach deutlich unter den Ausgabepreis von 72 Dollar zu fallen. Im Tief sank die Lyft-Aktie auf rund 55 Dollar, wohl aufgrund von hohen Short-Positionen, die aufgebaut wurden. Hierbei kamen Put-Optionen zum Einsatz, die von fallenden Notierungen profitieren. "Die Nervosität aufgrund der Entwicklung in der Lyft-Aktie spiegelt sich in einer hohen Volatilität wider", erklärt Rinol Hasaj, Derivate-Experte der Deutschen Bank. So liege die Volatilität zum Beispiel bei Optionen mit Fälligkeit im Dezember 2019 für die Lyft-Aktien derzeit um 50 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt der Titel im Nasdaq 100.

Nervös sind aber keineswegs nur die Anleger, sondern auch die Verantwortlichen bei Lyft, die Morgan Stanley beschuldigt haben, ihren Kunden Short-Produkte angeboten zu haben, um auf fallende Kurse zu setzen. Sie sollen den Kurssturz nach der Emission ausgelöst haben.

Unabhängig davon sind allerdings Zweifel an der Bewertung von 24 Milliarden Dollar zur Emission angebracht: Lyft fährt bei einem Umsatz von etwas über zwei Milliarden Dollar Verluste von fast einer Milliarde Dollar ein. Nur etwas besser sieht es beim Rivalen Uber aus. Die Verluste sind ähnlich hoch, aber der Umsatz beläuft sich immerhin auf mehr als 11 Milliarden Dollar.

Größter Börsengang seit Facebook

Die Bewertung ist bei beiden Aktien das Problem und zeigt, wie optimistisch der IPO-Markt mal wieder gestimmt ist. Uber soll der größte IPO seit Facebook werden und 10 Milliarden Dollar einsammeln, bei einer Börsenbewertung von insgesamt rund 120 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das entspricht dem Wert von BMW und Daimler zusammen.

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In den Kursen steckt also eine Menge Fantasie, die vor allem durch das autonome Fahren ausgelöst wird. In Zukunft sollen die Kunden in fahrerlosen Autos transportiert werden. Das bringt ein enormes Gewinnpotenzial, da unter anderem die Personalkosten für die Fahrer entfallen. Sie sind bisher keine Angestellten, sondern unabhängig, weshalb die Fahrten schon heute preiswert angeboten werden können. Genau hierin liegt allerdings eines der Risiken des Börsengangs. Uber selbst hat im Börsenprospekt auf die Möglichkeit steigender Kosten hingewiesen, sollte man rechtlich gezwungen werden, die Fahrer als Angestellte in den Büchern zu führen. Verschiedene Gerichtsverfahren laufen dazu. Eine Veränderung der aktuellen Situation würde Uber - laut eigenem Prospekt - zu einem fundamentalen Wechsel des Geschäftsmodells zwingen.

Wo bleibt das Wachstum?

Ein weiterer Risikofaktor ist die Gewinn- beziehungsweise eher die Verlustentwicklung. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Uber Verluste in Höhe von 3 Milliarden Dollar, in den vergangenen drei Jahren waren es sogar rund 10 Milliarden. So schnell wird sich das wohl nicht ändern, gibt Uber selbst zu, weil die Expansion vorangetrieben werden soll. Solche Verluste bei stark wachsenden Unternehmen akzeptieren Anleger. Das hat die Technologiehausse vielfach bewiesen. Doch was passiert, wenn das Wachstum ausbleibt?

Das könnte Uber auch ereilen, wie der Börsenprospekt verdeutlicht. Das Unternehmen warnt darin vor zunehmender Konkurrenz im In- und Ausland. Im Gegensatz zu Lyft, das sich auf Nordamerika konzentriert, ist Uber international in mehr als 60 Ländern vertreten. Wie realistisch diese Sorge von Uber ist, zeigen die jüngsten Wachstumsraten in wichtigen Geschäftsbereichen: Bereits im vergangenen Jahr lag das Kunden- und das Buchungswachstum im Quartalsvergleich meist nur noch im einstelligen Bereich. Die Umsätze im Kerngeschäft, also den Fahrten durch die Uber-Vermittlung, gingen vom dritten auf das vierte Quartal 2018 sogar zurück.

Interessierte Anleger sollten daher bei Uber an die Neuemissionen von zuletzt Lyft oder auch Facebook vor ein paar Jahren denken: Es gibt oft noch eine zweite Einstiegschance unterhalb des Ausgabepreises.

Quelle: n-tv.de

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