Wirtschaft

Schon vor American-AbsageUnited Airlines wollte wohl Delta übernehmen

27.07.2026, 02:44 Uhr
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Die beiden Fluggesellschaften gehören zu den größten der Welt. (Foto: AP Photo/David Zalubowski)

Scott Kirby hat riesige Visionen. Er ist bereits Chef einer der größten Airlines der Welt, doch das reicht ihm noch nicht. Sie soll um jeden Preis wachsen. Offenbar will Kirby einen Konkurrenten auf Augenhöhe schlucken.

United Airlines war auf der Suche nach einem Megadeal und ist deshalb im vergangenen Jahr an Delta Air Lines herangetreten. Dabei ging es um eine Fusion, die die beiden wertvollsten US-Fluggesellschaften zusammengeführt hätte, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Im Rahmen des Vorstoßes habe United-Chef Scott Kirby den CEO von Delta, Ed Bastian, angerufen, wie einige der Personen sagen.

Die Führung von Delta habe den Vorstoß und die Vorteile eines potenziellen Deals im Rahmen einer vorläufigen Due-Diligence-Prüfung erörtert, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Gespräche seien nicht vorangekommen und beide Unternehmen hätten den Vorschlag später verworfen, heißt es.

Der Vorstoß, über den bisher nicht berichtet wurde, unterstreicht Kirbys Neigung zu großen Würfen bei der Verfolgung seiner globalen Ambitionen für United. Sein späterer Versuch, Fusionsgespräche mit American Airlines aufzunehmen, den American zurückwies, wurde ebenfalls Anfang dieses Jahres öffentlich.

United und Delta gehören zu den vier Giganten, die die US-Flugzeugbranche nach einer Reihe von Fusionen in den vergangenen zwei Jahrzehnten dominieren. Branchenvertreter sind seit langem der Meinung, dass eine Fusion zwischen diesen Fluggesellschaften aufgrund von kartellrechtlichen Bedenken unmöglich wäre. Führungskräfte aus vielen Branchen waren jedoch zuversichtlich, dass große Deals - selbst solche, die in der Vergangenheit undenkbar gewesen wären - während einer zweiten Amtszeit von Trump realisierbar sein könnten.

Eine Fusion von United und Delta - zwei der größten Fluggesellschaften der Welt - hätte weitreichende Auswirkungen auf den Wettbewerb im Flugverkehr und die Verbraucher gehabt. Sie wäre wahrscheinlich von den Kartellbehörden und den Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten geprüft worden.

Delta inspiriert United schon jetzt

Kirby hat aus seinem Respekt für Delta kein Geheimnis gemacht. Die in Atlanta ansässige Fluggesellschaft hat jahrelang die gängige Branchenmeinung widerlegt, dass es Kunden vor allem um den billigsten Sitzplatz geht. Durch die Konzentration auf das Reiseerlebnis hat sie Premium-Reisenden einen Grund zur Treue gegeben und ist zur profitabelsten US-Fluggesellschaft aufgestiegen.

Diese Strategie trug in den letzten Jahren dazu bei, die eigene Transformation von United zu inspirieren. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten United und Delta über 90 Prozent der Gewinne der Branche. Mit Stand vom Freitag hatte Delta eine Marktbewertung von etwa 56 Milliarden US-Dollar. Der Marktwert von United lag bei rund 38 Milliarden Dollar.

Anfang dieses Jahres gab es heftige Gegenreaktionen, als Bloomberg berichtete, Kirby habe in einem Treffen mit Präsident Trump die Idee einer Fusion zwischen United und American ins Spiel gebracht. Abgeordnete äußerten Bedenken, dass der Zusammenschluss den Reisenden schaden könnte. Trump sagte, ihm gefalle die Idee nicht. Und Robert Isom, CEO von American, bezeichnete sie als "wettbewerbswidrig".

United will keine kleinen Airlines übernehmen

Hohe Treibstoffpreise, die die Branche derzeit erschüttern, waren in der Vergangenheit bereits ein Katalysator für Umwälzungen in der Luftfahrtindustrie. Bastian sagte, es könnte eine Konsolidierung unter den angeschlagenen kleineren Akteuren geben, aber das sei nichts, was Delta anstrebe.

Kirby hatte deutlich gemacht, er habe wenig Interesse an kleineren Fusionen. "In der Vergangenheit ging es bei Fusionen von Fluggesellschaften meist darum, dass zwei angeschlagene Fluggesellschaften zusammenkamen, um Kosten, Flüge und Personal abzubauen. Meine Bestrebungen könnten nicht unterschiedlicher sein", schrieb er im April in einer Erklärung zu dem Vorschlag bezüglich American.

Aber ohne einen willigen Partner, so Kirby im Mai, sehe er nicht, dass United in absehbarer Zeit an einer Branchenkonsolidierung teilnehmen werde. Er hat bestritten, dass United an einer Übernahme der in New York ansässigen Fluggesellschaft JetBlue interessiert sei, und sagte Analysten und Investoren im Mai, er sei seit langem der Meinung, dass nur eine große Transaktion, wie die, die er mit American versucht habe, sinnvoll sei.

Quelle: ntv.de, mpa/DJ

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