Wirtschaft

Soll Sportwagenmarke an Börse? VW arbeitet an Abspaltung von Lamborghini

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Ob sich diese Marke zu Gold machen lässt? VW braucht Geld für seine Investitionen in die Elektromobilität.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Gerüchte gibt es schon länger: Volkswagen wolle seine italienischen Luxusmarken Lamborghini und Ducati abspalten, um sie schick für die Börse zu machen. Bisher scheitern solche Pläne an Betriebsrat und Eigentümern. Nun macht VW-Chef Diess einen neuen Anlauf. Er braucht dringend Geld.

Volkswagen trifft erste Vorbereitungen für eine Abspaltung seiner italienischen Beteiligungen Lamborghini und Ducati. Man arbeite an der rechtlichen Struktur der Beteiligungen, zu denen auch das Designstudio Italdesign gehört, sagte Konzernchef Herbert Diess bei einer Telefonkonferenz mit Analysten. Es gehe darum, die zu Audi gehörenden italienischen Töchter in eine Struktur bringen, um damit handlungsfähig werden zu können. Entschieden sei noch nichts. Finanzvorstand Frank Witter sagte weiter, das Management hätte dem Aufsichtsrat einen solchen Schritt nicht vorgeschlagen, wenn man nicht bestimmte Handlungsoptionen im Kopf hätte.

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Reuters hatte im Oktober aus Finanzkreisen berichtet, VW bereite eine mögliche Abspaltung von Lamborghini mit dem Ziel vor, den Hersteller von Luxusportwagen an die Börse zu bringen. Dabei wolle Volkswagen weiter an Lamborghini beteiligt bleiben. Analysten sehen die Herauslösung von Randbereichen als wichtigen Schritt, um die Marktkapitalisierung des Konzerns zu erhöhen. So würde sich Volkswagen weitere Quellen eröffnen, um die enormen Investitionen für den Schwenk in die E-Mobilität und selbstfahrende Autos zu finanzieren.

Das Thema gilt wegen der Machtkonstellation im Wolfsburger Konzern als höchst sensibel. Nicht nur der Betriebsrat muss ins Boot geholt werden, auch auf Seiten der Kapitalvertreter gibt es unterschiedliche Ansichten, von welchen Beteiligungen sich der Konzern trennen könnte und von welchen nicht. Volkswagen war bereits vor einiger Zeit mit dem Versuch gescheitert, sich von Ducati zu trennen. Der Betriebsrat und Teile der Eigentümerfamilien hatten sich dagegen gesträubt. Das Geld für die enormen Zukunftsinvestitionen will VW daher weiter sowohl durch den Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft - zunächst also vor allem durch den Verkauf von Verbrennern - als auch durch Einsparungen selbst erarbeiten.

VW-Belegschaft auf den Wandel einstimmen

Das von ihm ausgegebene Ziel einer Börsenkapitalisierung von 200 Milliarden Euro versteht Diess eher als Versuch, die Mitarbeiter beim Umbau zu einem softwaregetriebenen Anbieter von Elektromobilität zu motivieren. Witter sagte, es sei ein "Weckruf" gewesen, um die Organisation auf den Wandel einzustimmen. Analysten haben wiederholt angemahnt, VW müsse mehr tun, um zumindest in die Richtung dieser Marke zu kommen. Aktuell ist Volkswagen an der Börse rund 78 Milliarden Euro wert. Tesla, an dem sich die Wolfsburger messen, ist mit 326 Milliarden Euro vier Mal so viel wert.

Der VW-Aufsichtsrat hat für die kommenden fünf Jahre Investitionen von 73 Milliarden Euro in klimaschonendere Antriebe, die Umrüstung der Werke und die Digitalisierung freigegeben. Damit gibt der Konzern jeden zweiten Euro seines gesamten Gesamtbudgets von 150 Milliarden Euro in diesem Zeitraum für Zukunftstechniken aus. Volkswagen will in den nächsten Jahren zum weltweit führenden Anbieter von E-Fahrzeugen und selbstfahrenden Autos aufsteigen. In der Softwareentwicklung wollen es die Wolfsburger mit jährlichen Ausgaben von über 2,5 Milliarden Euro beim autonomen Fahren mit den großen der Branche wie der Google-Schwester Waymo und Tesla aufnehmen.

Quelle: ntv.de, mau/rts