Wirtschaft
Der Flughafenbetreiber Fraport rechnet am Flughafen in Frankfurt mit insgesamt fast 660 Ausfällen bei Starts und Landungen.
Der Flughafenbetreiber Fraport rechnet am Flughafen in Frankfurt mit insgesamt fast 660 Ausfällen bei Starts und Landungen.(Foto: dpa)
Dienstag, 10. April 2018

Hunderte Flugzeuge am Boden: Verdi mobilisiert Zehntausende

Flughäfen, Bahnhöfe und Kitas sind geschlossen - das ist nicht einfach für Flugreisende, Pendler und Eltern. Die Warnstreiks von 60.000 Beschäftigten legen derzeit Teile des öffentlichen Dienstes in Deutschland lahm. Und sie sind noch nicht zu Ende.

Straßenbahnen blieben im Depot, Kitas geschlossen und Flugzeuge am Boden: Rund 60.000 Beschäftigte von Bund und Kommunen haben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mit Warnstreiks das öffentliche Leben teilweise lahmgelegt. Sie wollten damit Druck machen vor der nächsten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern. Schwerpunkt waren die Flughäfen in Frankfurt, München, Köln und Bremen. Dort kam es zu hunderten Flugausfällen.

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Gestreikt wurde nach Verdi-Angaben in insgesamt acht Bundesländern. Allein in Nordrhein-Westfalen beteiligten sich rund 42.000 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen. In Köln und Dortmund standen unter anderem die Stadtbahnen komplett still. Neben dem Nahverkehr waren landesweit auch die Müllabfuhr, Stadtverwaltungen, Jobcenter, Kindertagesstätten und Krankenhäuser vom Warnstreik betroffen.

Zu Streikaktionen kam es auch in Südbayern, wo unter anderem die Wasserstraßen des Bundes, Einrichtungen der Bundeswehr und kommunale Betriebe bestreikt wurden. In Baden-Württemberg waren Verwaltungen, Kitas, Kliniken und der Nahverkehr unter anderem in Karlsruhe, Baden-Baden und Freiburg betroffen. In zahlreichen Städten, darunter Köln, München, Kassel, Berlin und Karlsruhe gab es zentrale Demonstrationen.

Lufthansa streicht 800 Flüge

Die Lufthansa-Schalter vieler Flughäfen blieben leer.
Die Lufthansa-Schalter vieler Flughäfen blieben leer.(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Seit dem frühen Morgen hatten das Boden- und Kontrollpersonal sowie teilweise die Feuerwehr an den Flughäfen Frankfurt, München, Köln und Bremen die Arbeit niedergelegt. Allein an den größten deutschen Flughäfen Frankfurt und München waren mehr als 100.000 Fluggäste betroffen. In der Folge kam aus an den Airports in Berlin und Leipzig/Halle zu Ausfällen. Allein die Lufthansa strich über 800 Verbindungen.

Der Flughafenverband ADV kritisierte Verdi scharf. "Ein so genannter Warnstreik, der gleich zu wirtschaftlichen Millionenschäden bei Airlines und Flughäfen, langen Wartezeiten und massiven Flugausfällen führt, lässt jede Verhältnismäßigkeit vermissen", sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

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Angesichts der Auswirkungen der Warnstreiks forderte der CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann Einschnitte beim Streikrecht. "Die aktuellen Flughafenstreiks treffen vor allem unbeteiligte Fluggesellschaften und ihre Gäste anstatt die Tarifgegner der Gewerkschaften", sagte er dem "Handelsblatt". Natürlich müssten Streiks wehtun, aber sie müssten ebenso verhältnismäßig sein. Linnemann plädierte für die Einführung verbindlicher Vorwarnzeiten, wie in anderen europäischen Ländern, um die Auswirkungen für Dritte zumindest zu lindern.

Weitere Streiks geplant

Bei einer Kundgebung am Flughafen in Frankfurt am Main bekräftigte Verdi-Chef Frank Bsirske die Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn für die 2,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Bei den bisherigen zwei Verhandlungsrunden hätten die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt. Mit den Warnstreiks werde "ein klares Zeichen" gesetzt.

Sollte es bei der dritten Verhandlungsrunde ab Sonntag in Potsdam zu keinem Ergebnis kommen, "droht eine Eskalation des Tarifkonflikts", warnte Bsirske. Ab Mittwoch bis Freitag sind noch weitere Warnstreiks in zahlreichen Bundesländern geplant. Flughäfen sollen aber vorerst nicht mehr bestreikt werden.

Quelle: n-tv.de