Wirtschaft

Mehr Absatz, Umsatz und Gewinn Volkswagen ruft neue "E-Offensive" aus

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"Haben uns trotz starken Gegenwinds ordentlich geschlagen": Volkswagen-Chef Herbert Diess, hier bei der Präsentation eines E-Buggys in Genf.

(Foto: www.imago-images.de)

Europas größer Autobauer steckt sich ehrgeizige Ziele: In der kommenden Dekade will Volkswagen-Chef Diess sehr viel mehr Geld in die E-Mobilität pumpen als bisher bekannt. Trotz Diesel, WLTP und China-Schwäche verdient Volkswagen 2018 netto mehr als zwölf Milliarden.

Der Automobilkonzern Volkswagen will deutlich mehr Elektromodelle auf den Markt bringen als bisher geplant. Bis 2028 sollen fast 70 neue E-Autos in den Verkauf gehen, wie der Autobauer mitteilte. Bisher hatte VW von geplanten 50 E-Modellen gesprochen. In den kommenden zehn Jahren will VW insgesamt 22 Millionen Elektroautos auf eigenen Plattformen bauen statt wie bisher geplant 15 Millionen.

"Um die notwendigen Investitionen für die E-Offensive tätigen zu können, müssen wir unsere Effizienz und unsere Performance in allen Bereichen weiter steigern", sagte VW-Konzernchef Herbert Diess. Volkswagen will in den kommenden fünf Jahren 44 Milliarden Euro in neue Technik wie E-Antriebe, autonomes Fahren und Digitalisierung stecken.

Ungeachtet der Kosten für die Aufarbeitung des Dieselskandals und der Zulassungsprobleme durch den neuen Abgastest WLTP konnte der Autobauer Volkswagen seinen Gewinn steigern. Unter dem Strich stand für 2018 ein Gewinn nach Steuern von 12,1 Milliarden Euro. Das sind rund sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor (knapp 11,5 Milliarden Euro).

"Wir haben uns trotz starken Gegenwinds ordentlich geschlagen", fasste VW-Konzernchef Herbert Diess die Lage zusammen. Volkswagen habe ein erfolgreiches Jahr hingelegt, betonte er. Weltweit wurden insgesamt 10,8 Millionen Fahrzeuge aller Konzernmarken an Kunden ausgeliefert - ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Rekordwert. Der Konzernumsatz stieg um 6,3 Milliarden Euro auf 235,8 Milliarden Euro. Die "negativen Sondereinflüsse" im Zusammenhang mit der Dieselkrise summierten sich auf 3,2 Milliarden Euro.

Für 2019 erwartet Volkswagen stärkeren Gegenwind, unter anderem wegen der sich eintrübenden Erwartungen an das Wirtschaftswachstum und der sich abzeichnenden Abkühlung im wichtigsten Auslandsmarkt China. Investieren will Volkswagen daher vor allem in neue Technik. Im nächsten Jahrzehnt greifen in der EU härtere Vorschriften für den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid. Um die Vorgaben einhalten zu können, müssen Autohersteller den Einsatz abgasarmer oder gar abgasfreier Antriebstechnologien in ihrem Flottenangebot ausbauen, um Strafzahlungen zu vermeiden.

VW-Marke verbucht Umsatzplus

Die Marken des Volkswagen-Konzerns haben im vergangenen Jahr vor allem wegen der Einführung neuer Abgas- und Verbrauchstests teilweise deutlich an Gewinn einbüßen müssen. Bei der Kernmarke VW fiel das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen trotz eines Umsatzanstiegs von 3,3 auf 3,2 Milliarden Euro, wie der Wolfsburger Dax-Konzern mitteilte.

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Höhere Rabatte, unter anderem die sogenannte Umweltprämie für den Umtausch alter Dieselautos, Wechselkurseffekte und Vorleistungen für neue Elektromodelle kosteten ebenfalls Geld. Der VW-Umsatz kletterte dank gestiegener Verkäufe hingegen um 6,8 Prozent auf 84,6 Milliarden Euro. Der Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz rutschte dagegen von 4,2 auf 3,8 Prozent. Damit verfehlte die Marke VW knapp das selbst gesetzte Renditeziel von 4 Prozent.

Audi und Skoda leiden unter WLTP

Der Konzern konnte wegen ausbleibender Neuzulassungen als Folge des neuen Abgas- und Verbrauchstests WLTP viele Modelle über längere Zeit nicht anbieten. Auch die Tochter-Marke Audi bekam das WLTP-Problem zu spüren: Der Umsatz der Ingolstädter ging leicht auf 59,2 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen fiel von 5,1 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden.

Auch bei der Tochter Skoda belastete WLTP das Ergebnis. Die Sportwagentochter Porsche steigerte den Umsatz um 9,2 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 2,7 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu.

Die Konzernmarken hätten hart an ihrer Entwicklung gearbeitet, sagte Konzernchef Diess. "Jetzt gilt es, dieses Anstrengungen noch zu verstärken." Konkrete Maßnahmen dazu nannte er zunächst nicht. Vor dem Wochenende hatte es im "Handelsblatt" geheißen, Diess wolle bei der Kernmarke mit der Streichung von rund 5000 Stellen weitere Milliarden sparen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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