Wirtschaft

Öl-Crash und Weltrezession Warum die Börse jetzt in Panik gerät

Lange blendeten die Anleger an den Börsen das wirtschaftliche Risiko der Corona-Epidemie aus. Nun kommt das Erwachen. Neben dem Schock auf dem Ölmarkt machen auch die aktuellen Entwicklungen in Deutschland den Anlegern Angst.

Lange reagierten die Anleger an den Finanzmärkten überwiegend gelassen auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2. Noch Mitte Februar - China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt stand schon seit Wochen praktisch still, und auch in Deutschland gab es bereits erste Infektionen - notierten die Leitindizes in vielen Ländern auf Rekordniveau. Erst seit etwa zwei Wochen scheinen die Börsen überhaupt von der Corona-Epidemie ernsthaft Notiz zu nehmen und schalteten zuletzt in den Panik-Modus. Was die Anleger plötzlich so erschreckt:

Saudis lassen den Ölpreis crashen

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Unmittelbarer Auslöser des jüngsten Kurssturzes ist das Auseinanderbrechen der sogenannten Opec plus. Gemeinsam mit Russland hatte das Öl-Export-Kartell den Preis des wichtigsten Rohstoffs der Welt in den vergangenen Jahren in der Balance gehalten und damit für Stabilität gesorgt. Doch auf den Einbruch vor allem der chinesischen Wirtschaft und damit verbunden die nachlassende Nachfrage nach Öl findet das Zweckbündnis keine gemeinsame Antwort. In der Folge drohen nun Angebot und Nachfrage auf dem Ölmarkt aus den Fugen zu geraten.

An den Börsen führt das direkt zum Crash der Aktien der Ölproduzenten, die zu den Schwergewichten in vielen Aktienindizes gehören. Darüber hinaus geraten aber auch ganze Volkswirtschaften, die vom Export von Öl und anderer Rohstoffe abhängig sind, ins Wanken. Das spiegelt sich an den Börsen etwa im Verfall des russischen Rubel, des saudischen Rial oder des brasilianischen Real wider. "Wenn so etwas massiv zusammenbricht, schafft das Unsicherheit", kommentiert Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse von der Baader Bank den Ölpreissturz. Das betreffe letztlich alle Akteure am Finanzmarkt.

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Die globale Rezession kommt

Unter normalen Umständen ist ein sinkender Ölpreis für Ölverbraucher positiv, für Fluglinien zum Beispiel. Doch auch die haben derzeit kaum Grund zur Freude. Denn es wird immer deutlicher: Der Hintergrund des Ölpreisrückgangs, die Lähmung immer größerer Teile der Weltwirtschaft durch die Corona-Epidemie, trifft auch sie. So gab etwa die Lufthansa Ende vergangener Woche bekannt, dass sie ihre Kapazitäten um bis zur Hälfte zusammenstreicht. Laut einer aktuellen Umfrage des Sentix-Instituts gehen Kapitalmarktprofis inzwischen weltweit von einer tiefen Wirtschaftskrise aus. Nie zuvor sei ein so starker synchronisierter Einbruch der Welt-Konjunktur in den Sentix-Daten messbar gewesen, sagte Geschäftsführer Manfred Hübner. Von den Rohstoffförderern über die Schifffahrt, die Autobauer und andere Industriezweige und die Dienstleistungsbranche: Es gibt kaum Unternehmen, die nicht von Unterbrechungen der Produktion und der sinkenden Nachfrage betroffen sind.

Exponentielle Ausbreitung auch in Deutschland

Endgültig obsolet ist auch die Illusion, dass starke Industrieländer wie Deutschland mit Epidemien besser fertig werden könnten als etwa Italien oder China. Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass sich das Virus auch in Deutschland exponentiell ausbreitet.

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Damit ist absehbar, dass die deutsche Wirtschaft und die vieler anderer Länder, nicht mehr nur wie bisher durch die Auswirkungen der Epidemie in Italien und der Lombardei, sondern ganz direkt zu Hause betroffen sein wird. So könnten auch Fabriken in Deutschland in großer Zahl bald stillstehen, Kinos, Messen und Restaurants leer bleiben. So wie wir es bereits in China und in Norditalien gesehen haben.

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"Homöopathische" Hilfe

Die Reaktion der Regierungen und Zentralbanken auf die Krise reicht bislang nicht aus, um die Anleger zu beruhigen. Die am Wochenende auf den Weg gebrachten Maßnahmen der Bundesregierung sind laut dem ZEW-Institut nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. "Die Dosis dieser Konjunkturhilfen ist homöopathisch und wird nicht messbar wirken", sagte Konjunkturexperte Friedrich Heinemann vom ZEW.

Zudem wirkten die Zusatz-Investitionen viel zu spät. Höhere Investitionen in den kommenden Jahren nützten wenig, wenn es schon in diesem Frühjahr zu einem heftigen Wachstumseinbruch komme. Auch die bisher angekündigten Zinssenkungen unter anderem der US-Notenbank Fed reichen den Anlegern bislang nicht aus.

Quelle: ntv.de, mbo