Wirtschaft
EZB-Chef Draghi zeigt sich besorgt über das Vorgehen der USA.
EZB-Chef Draghi zeigt sich besorgt über das Vorgehen der USA.(Foto: dpa)
Donnerstag, 08. März 2018

Draghi attackiert Trump: "Wer ist eigentlich der Feind?"

Die EZB übt ungewöhnlich scharfe Kritik an den USA. Die Notenbanker betrachteten die internationalen Beziehungen mit Sorge, heißt es. Streitigkeiten sollten immer im Gespräch gelöst werden - nie im Alleingang.

EZB-Chef Mario Draghi hat die Ankündigung von Einfuhrstrafzöllen durch US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Es gebe eine gewisse Sorge über den Stand der internationalen Beziehungen. "Wenn Sie Zölle gegen Verbündete verhängen, könnte man sich fragen, wer eigentlich die Feinde sind", sagte er. Handelsstreitigkeiten sollten multilateral und nicht unilateral gelöst werden. "Denn einseitige Entscheidungen sind gefährlich."

Steigender Protektionismus sei eines der Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum. Dazu gehörten auch andere globale Faktoren - etwa die Entwicklung der Wechselkurse. Insgesamt hielten sich Risiken und Chancen aber weitgehend die Waage. Und so rechnen die EZB-Ökonomen damit, dass die Wirtschaftsleistung des Euroraums im laufenden Jahr um 2,4 Prozent steigen wird und damit etwas stärker als im Dezember prognostiziert. Für 2019 und 2020 werden weiterhin Wachstumsraten von 1,9 und 1,7 Prozent erwartet.

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Für die Inflation prognostiziert der Rat nun 1,4, 1,4 und 1,7 Prozent. Die Inflationsprognose für 2019 wurde somit leicht gesenkt. Laut Draghi ist die EZB dennoch zuversichtlich, dass die Inflation im Euroraum mittelfristig den Zielwert von knapp zwei Prozent erreichen wird. Der Wachstumsausblick stützte diese Zuversicht, hieß es.

Belastend für die Wirtschaft des gemeinsamen Währungsraumes könnte sich auch ein lange währendes politisches Patt erweisen. "Es ist nicht zu unterschätzen, dass eine lang anhaltende Instabilität das Vertrauen untergraben könnte", sagte der Italiener. "Alles, was das Vertrauen untergräbt, wirkt sich sowohl auf die Inflation als auch auf die Aussichten negativ aus."

Um Sachlichkeit bemüht

Zugleich bemühte sich Draghi, die Streichung eines Passus zu Wertpapierkäufen herunterzuspielen. Bei der Erläuterung der jüngsten geldpolitischen Beschlüsse sagte er, diese Entscheidung sei "rückwärtsgewandt", sie enthalte keine neuen Informationen. Das Inflationsbild habe sich seit der Januar-Sitzung nicht deutlich geändert. "Es gab nicht viele Diskussionen über Änderungen der Geldpolitik in den kommenden Monaten." Die Geldpolitik werde "reaktiv" bleiben.

Zuvor hatte der EZB-Rat beschlossen, den Finanzmärkten keine Ausweitung ihrer Anleihekäufe mehr in Aussicht zu stellen. Volkswirte hatten indes mehrheitlich erwartet, dass sich die EZB mit diesem Schritt noch Zeit lassen würde. Sie rechnen nun damit, dass die Europäische Zentralbank im Juni entscheiden wird, wie sich die Wertpapierkäufe ab Oktober weiter entwickeln werden und welche Leitzinsentwicklung sie den Finanzmärkten signalisieren soll.

Quelle: n-tv.de