Wirtschaft

Wettbewerb der Weltkonzerne Warum Amazon seine Löhne verdoppelt

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(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Es ist eine ziemliche Ansage: Amazon erhöht seine Gehälter dramatisch. Aber der Shopping-Riese von Jeff Bezos ist nicht plötzlich zum Wohltätigkeitsgiganten mutiert. Ein Arbeitsmarktexperte erklärt, was es damit auf sich hat und ob auch deutsche Amazon-Mitarbeiter profitieren.

Es ist eine Lohnerhöhung, die sofort ins Auge fällt: Amazon will seinen Mitarbeitern in Zukunft bis zu 350.000 Dollar Gehalt zahlen und damit mehr als doppelt so viel wie bisher. Das hat der Online-Riese vor wenigen Tagen angekündigt. In den vergangenen Jahren lag die Obergrenze "nur" bei 160.000 Dollar.

Aber Enzo Weber sieht leider keine Verbesserungen für Amazon-Mitarbeiter, die gerade auf eine baldige Lohnerhöhung hoffen. Die Ankündigung gilt nicht unbedingt für Menschen, die in den Lagern von Amazon Pakete packen oder sie mit dem Lieferwagen zu den Kundinnen und Kunden bringen, sondern für die Belegschaft im Management und vor allem im IT-Bereich, sagt der Ökonom vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Und die Ankündigung gilt auch nicht für Deutschland, sondern nur für die USA.

"Es gibt bestimmte Gebiete wie die Region um San Francisco, in denen sich zahlreiche Weltkonzerne clustern, also sammeln", erklärt Weber im ntv-Podcast "Wieder was gelernt". Das seien Hochlohn-Gebiete mit extrem hohen Mieten, wo andere Löhne gezahlt würden als anderswo in den USA und der Welt. "Dementsprechend klingen 350.000 Dollar als maximales Gehalt wahnsinnig viel, sind aber zumindest etwas moderater, als es den Anschein macht."

Wettbewerb der Weltkonzerne

Die Weltkonzerne, die der Ökonom umschreibt, sind bekannt. Apple, die Google-Mutter Alphabet, das besser als Facebook bekannte Meta oder auch Netflix haben ihren Sitz rund um die Bucht von San Francisco im berühmten Silicon Valley. Genauso wie weniger prominente, aber ähnlich finanzkräftige Firmen wie der Softwarehersteller Oracle, Kreditkartendienstleister Visa oder die US-Großbank Wells Fargo. Zusätzlich unterhalten auch weiter nördlich beheimatete Konzerne wie Microsoft oder eben Amazon größere Büros in der Region, die Amerikaner gerne kurz und bündig Bay Area nennen. Denn aufgrund der hohen Technologiedichte leben dort oftmals die talentiertesten Software-Entwickler, IT-Ingenieure oder andere hochbegabte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Tech-Branche.

Wo finde ich "Wieder was gelernt"?

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"Digitale Geschäftsmodelle haben durch die Corona-Krise noch mal einen deutlichen Schub bekommen", erklärt IAB-Experte Weber. Um sie ausbauen zu können, suchen die genannten Großkonzerne, aber auch finanzkräftige Startups händeringend nach dem richtigen Personal aus der Technologie-Branche. Dies sei ein Wettbewerb, der sehr intensiv betrieben werde, sagt der Ökonom. "Die Leute, die diese Anforderung erfüllen, sind extrem gefragt und konkurrieren im Bereich von einigen Hunderttausend Dollar pro Jahr. Das treibt die Löhne, aber auch die Lebenshaltungskosten hoch."

Hohe Löhne für hohe Mieten

Vor allem Meta, also Facebook, hat die Lohn-Entwicklung in der Bay Area in den letzten Jahren angetrieben. Aufgrund zahlreicher Skandale tat sich das Unternehmen von Mark Zuckerberg schwer, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Um dennoch das richtige Personal für den angestrebten Konzernumbau zu bekommen, lockt man seit einiger Zeit mit besonders hohen Löhnen - anders als Amazon, wo die maximale Vergütung abseits von Aktien-Paketen mit 160.000 Dollar im Jahr vergleichsweise niedrig ausfiel. Und das in einer Region, in der schon für eine 70-Quadratmeter-Wohnung nicht selten mehr als 3000 Dollar Miete pro Monat fällig werden.

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Allein aus diesem Grund sei eine ähnliche Entwicklung in Deutschland eher unwahrscheinlich, sagt Enzo Weber. Dazu kämen die starken Gewerkschaften, die üblicherweise Tarifverträge für gesamte Branchen abschließen. Auf den unteren Ebenen verdient man in Deutschland deshalb oft besser als in den USA, auf den obersten etwas weniger. Die berühmte Schere klafft nicht so weit auseinander.

Dennoch können Expertinnen und Experten aus dem IT-Bereich auch hierzulande teilweise mehrere Hunderttausend Euro im Jahr verdienen. Das sei gerade in Hochlohn-Regionen wie München denkbar und in Zukunftsbranchen wie dem Tech-Bereich, sagt der IAB-Experte. "Die Entwicklung wird sich fortsetzen", prophezeit er. Dass Unternehmen ihre Gehaltsobergrenzen wie Amazon reihenweise mehr als verdoppeln? Leider nicht.

"Wieder was gelernt"-Podcast

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Bekommt die Deutsche Bank ihr Geld von Donald Trump zurück? Warum bezahlen manche Berufspiloten Geld für ihren Job? Warum ziehen Piraten von Ost- nach Westafrika? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

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Quelle: ntv.de

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