Analysten: Porsche AG aussichtsreich - Management entschlossen, aufzuräumen
Es bedürfe einer mehrjährigen Anstrengung, Porsche AG zu alter Stärke zurückzuführen, urteilt die UBS. Aber die Analysten der Schweizer Bank glauben, dass nun der richtige Zeitpunkt sei, die Aktie zu kaufen. Denn Elemente der Trendwende seien erkennbar: Ein besser abgestimmtes Produktportfolio, die Fehlentscheidungen der Vergangenheit mit einem zu starken Fokus auf Elektrofahrzeuge würden korrigiert.
Laut UBS zeigt das neue Management Entschlossenheit, aufzuräumen und sich auf Produktqualität zu konzentrieren. Nach Jahren halbherziger Effizienzmaßnahmen entstehe ein schlankeres "neues" Unternehmen. Die Restrukturierung dürfte mit den Zweitquartalszahlen angekündigt werden. Die Analysten erwarten, dass Porsche zur 13-prozentigen operativen Marge zurückkehren werde. Dies werde zu einem Ergebnis je Aktie von 4,20 Euro und einem freien Cashflow von 3,7 Milliarden Euro führen.
Bieterkampf um Monte dei Paschi könnte Gift für Commerzbank-Aktie sein
Die Aktie der Commerzbank könnte wegen des Bieterkampfes um die italienische Bank Banca Monte dei Paschi di Siena unter Verkaufsdruck geraten, falls Unicredit einsteigt, meinen die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods. Die Anleger könnten davon ausgehen, dass Unicredit ihr Angebot für die Commerzbank mit geringerer Wahrscheinlichkeit aufstocken wird, wenn sie sich für ein Gebot für Monte dei Paschi entscheidet, so die Analysten. Wann und wie sich Unicredit in die Monte-dei-Paschi-Saga einmischt, sei eine Schlüsselfrage für Investoren, so KBW.
Unicredit - der größte Aktionär der Commerzbank - hat im vergangenen Monat ein Übernahmeangebot für die Aktien der deutschen Bank unterbreitet, die sie noch nicht besitzt. Die Commerzbank-Aktie fällt um 0,4 Prozent, während Unicredit 0,8 Prozent niedriger handelt.
Milliardendeal: Roche sichert sich Rechte an Krebsmittel
Roche baut seine Medikamenten-Pipeline mit einem Milliardendeal aus. Für die gemeinsame Entwicklung und Vermarktung des Blutkrebs-Wirkstoffs Bexobrutideg zahlt Roche dem US-Partner Nurix Therapeutics eine Vorabprämie von 700 Millionen Dollar, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Inklusive erfolgsabhängiger Meilensteinzahlungen könne das Volumen der Vereinbarung auf bis zu 2,3 Milliarden Dollar anwachsen. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Bexobrutideg soll im Sommer in die entscheidende dritte Phase der klinischen Prüfung für die Behandlung von chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) gehen. Es gehört zu einer neuen Klasse von Medikamenten, die gezielt krankheitsverursachende Proteine abbauen. Damit sollen auch Resistenzen überwunden werden, die bei bisherigen Standardtherapien auftreten. Neben Blutkrebs sehen die Unternehmen zudem Potenzial für den Einsatz in der Immunologie und Neurologie, etwa bei Multipler Sklerose.
Finanzdienstleister äußert sich zu Fed-Zinspfad
Macquarie bekräftigt nach dem robusten Arbeitsmarktbericht vom Freitag seine Basiserwartung für den Zinspfad der US-Notenbank Federal Reserve, meint David Doyle, Chefvolkswirt des Finanzdienstleisters. "Wie wir schon seit einiger Zeit betonen, sehen wir den nächsten Schritt als eine Anhebung, wobei wir in unserem Basisszenario vom ersten Quartal 2027 ausgehen", sagt er. Die Risiken hierfür hätten sich in Richtung einer früheren Anhebung verschoben, wobei die Märkte nun eine Anhebung im vierten Quartal 2026 einpreisten, sagt er. "Die Rhetorik des Offenmarktausschusses dürfte sich in den kommenden Wochen weiter von einer Tendenz zu Zinssenkungen hin zu einer Tendenz zu Zinserhöhungen verschieben."
Gold stark unter Druck - Ist die 4000-Dollar-Marke in Gefahr?
Die zunehmenden Sorgen der Anleger über die künftige Geldpolitik wichtiger Notenbanken setzen den Goldpreis stark unter Druck. Das Edelmetall verbilligt sich zeitweise um ein Prozent auf rund 4293 US-Dollar je Feinunze und erreicht damit den tiefsten Stand seit fast sechs Monaten. Nach überraschend starken US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag rechnen viele Anleger fest mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank in diesem Jahr. Zugleich befürchten sie, dass die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten die Energiepreise und damit die Inflation weiter anheizen.
"Gold könnte als Nächstes die psychologisch wichtige Marke von 4000 Dollar testen, sollte der US-Inflationsbericht in dieser Woche höher als erwartet ausfallen", warnt Han Tan, Chefanalyst bei der Handelsplattform Bybit. Bei steigenden Zinsen schichten Anleger vermehrt in verzinste Anlagen um, was die Nachfrage nach Edelmetallen dämpft.
Neues vom Geldmarkt
Relativ ruhig zeigt sich der Frankfurter Euro-Geldmarkt zu Wochenbeginn. Der Blick der Disponenten ist auf die EZB-Sitzung am Donnerstag gerichtet. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte gilt als ausgemachte Sache. Für die Zeit danach erwarten Marktteilnehmer, dass sich die Notenbank die maximale Handlungsfähigkeit erhält und keine weiteren Schritte vorab ankündigen wird.
Tagesgeld: 1,87 - 2,07 (1,87 - 2,07), Wochengeld: 1,93 - 2,13 (1,83 - 2,13), 1-Monats-Geld: 2,21 - 2,51 (2,21 - 2,51), 3-Monats-Geld: 2,38 - 2,68 (2,14 - 2,44), 6-Monats-Geld: 2,32 - 2,42 (2,58 - 2,78), 12-Monats-Geld: 2,70 - 2,82 (2,64 - 2,76), Euribors: 05.06. 03.06. 3 Monate: 2,3120 2,2990, 6 Monate: 2,5840 2,5490, 12 Monate: 2,8420 2,8010
Wagniskapital für deutsche Biotech-Firmen brach 2025 ein
Biotech-Firmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Geld eingesammelt. Inmitten der schwachen Wirtschaft erhielten sie 2025 rund 1,8 Milliarden Euro von Investoren und aus Kapitalaufnahmen an der Börse, fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Wagniskapital-Investitionen, mit denen sich Geldgeber an aufstrebenden Firmen beteiligen, brachen sogar um ein Drittel auf 601 Millionen Euro ein. Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY und des Branchenverbands BIO Deutschland. Zudem konzentriere sich das Geld auf wenige, bereits entwickelte Unternehmen.
"Deutschland hat ein Problem mit der Wertschöpfung von biotechnologischen Erfindungen und Entwicklungen», sagte Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland. «Die wissenschaftliche Exzellenz ist unbestritten, doch sie führt bislang nicht im gleichen Maße zu wirtschaftlicher Stärke."
Schwacher Automarkt gefährdet Chinas Wachstumsplan
Der chinesische Automarkt steckt tief in der Krise. Im Mai brach der Absatz verglichen mit dem Vorjahr um 22,3 Prozent ein, wie aus Daten des chinesischen Branchenverbandes CPCA hervorgeht. Es war damit der achte Monat in Folge mit einem Minus. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband nun mit einem Absatzrückgang von elf Prozent. Bislang hatte der CPCA lediglich ein Prozent Rückgang vorhergesagt. Der wichtigste Grund für den Einbruch sei die wegbrechende Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen angesichts der hohen Ölpreise seit Ausbruch des Iran-Kriegs, sagte CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu. Allerdings läuft auch das Geschäft mit Elektroautos schlechter. Ihr Absatz ging um 7,5 Prozent zurück, das ist das fünfte Minus in Folge.
Für die Regierung in Peking kommt die Schwäche auf dem Automarkt zur Unzeit. Sie strebt für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 4,5 bis fünf Prozent an. Der Automarkt leidet nach Einschätzung von Analysten jedoch unter einem gesunkenen Verbrauchervertrauen und dem Wegfall einiger Elektroauto-Subventionen.
Dax rot - Ölpreise steigen kräftig
Update von der Frankfurter Börse: Der Dax hat mittlerweile einen Teil seiner Verluste wieder abbauen können. Am Mittag notierte der deutsche Leitindex 0,6 Prozent tiefer bei 24.615 Punkten, zuvor war er bis auf 24.427 Zähler runtergefallen. Der EuroStoxx50 fiel um ebenfalls 0,6 Prozent auf 6029 Stellen. Der Euro lag 0,1 Prozent leichter bei 1,1513 US-Dollar. Deutlich nach oben ging es mit den Ölpreisen - Brent und WTI verteuerten sich um 4,4 beziehungsweise 5,1 Prozent auf 96,86 beziehungsweise 94,70 Dollar pro Barrel.
Warum die KI-Wette vorerst gestoppt ist
Am Freitag rauschte der Börsenindex Nasdaq in den USA ab - vor allem, weil KI-Aktien stark unter Druck geraten. Ein Grund dafür ist der Mega-Börsengang von SpaceX, der seine Schatten voraus wirft. ntv-Börsenreporterin Corinna Wohlfeil analysiert, was den KI-Hype abbremst.
Rendite zehnjähriger Bundesanleihen steigen deutlich
Die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone sind im frühen Handel gestiegen, wobei die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe laut LSEG mit 3,072 Prozent ein Zweiwochenhoch erreicht hat. Die Renditen der Eurozone folgen den Renditen von US-Staatsanleihen, da die Ölpreise anziehen, während der fragile Waffenstillstand im Nahen Osten durch einen Schusswechsel zwischen Israel und dem Iran erneut auf die Probe gestellt wird.
Unterdessen konzentrieren sich die Anleger auf die bevorstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Märkte erwarten die erste EZB-Zinserhöhung seit 2023. "Am Donnerstag wird die EZB ihr Engagement bei der Inflationsbekämpfung mit einer ersten Anhebung bestätigen, und wir denken, dass die Märkte bereits auf mehr vorbereitet sein werden", schreiben die Strategen von ING in einer Research Note.
Bank-Aktie schießt nach oben
Die Aussicht auf einen Bieterkampf um die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) beflügelt die Aktie. Das Papier des Geldinstituts aus der Toskana schoss an der Mailänder Börse um mehr als elf Prozent nach oben. Der größere Rivale Banco BPM kündigte am Sonntag an, MPS zu Gesprächen über eine Fusion einzuladen. Zugleich hat Intesa Sanpaolo bereits ein Gebot über 30,6 Milliarden Euro für alle MPS-Aktien angekündigt. Insidern zufolge erwägen auch weitere Konkurrenten wie die BPER Banca ein Angebot für die einst vom Staat gerettete Traditionsbank. Die Aktien von Intesa geben rund vier Prozent nach, die Titel von BPM ein halbes Prozent. BPER-Papiere klettern um fünf Prozent.
Sentix-Konjunkturindizes für Deutschland und Euroraum berappeln sich
Die Einschätzung von Investoren zur deutschen Konjunktur hat sich im Juni etwas verbessert. Der von dem Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindex stieg nach zwei Rückgängen in Folge wieder etwas, und zwar auf minus 28,5 (Vormonat: minus 30,9) Punkte. Der Index der Lagebeurteilung sank auf minus 42,5 (minus 42,3) Punkte, während der Index der Erwartungen auf minus 13,3 (minus 18,8) Punkte zulegte. Der Sentix-Konjunkturindex des Euroraums stieg auf minus 13,4 (minus 16,4) Punkte, wobei der Lageindex auf minus 20,0 (minus 21,5) Punkte anzog und der Erwartungsindex auf minus 6,5 (minus 11,3) Punkte.
"Während sich die globale Wirtschaft zunehmend von den Belastungen der vergangenen Monate löst, bleibt die deutsche Konjunktur hinter dieser Entwicklung zurück", erklärte Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy. "Die deutsche Wirtschaft bleibt somit das Sorgenkind innerhalb der größeren Wirtschaftsregionen und kann bislang nur begrenzt von den internationalen Aufhellungstendenzen profitieren." Der Chefvolkwirt von Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger, schrieb: "Investoren scheinen sich mit den gestiegenen Energiepreisen zu arrangieren. Die Situation ist nicht schön, sie wirft die Weltwirtschaft aber auch nicht um. Den Anstieg der Aktienkurse stützt die Sentix-Befragung allerdings nicht. Wirklich gut dürfte die Stimmung erst werden, wenn die Straße von Hormus wieder passierbar ist."
Wie lange trägt die Börsenrally noch?
Trotz geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlicher Risiken zeigen sich die Aktienmärkte stabil. Vor allem Technologie- und KI-Werte treiben die Entwicklung an den Börsen weiter an. Wie viel Kraft steckt noch in der aktuellen Entwicklung? Welche Faktoren jetzt wirklich zählen, was Anleger beachten sollten und warum die zweite Jahreshälfte spannend werden könnte, darüber spricht Friedhelm Tilgen mit Matthias Hüppe von der HSBC und Michael Proffe von Proffe Invest.
EZB steht vor präventiver Zinserhöhung
Die Europäische Zentralbank wird auf ihrer Sitzung am Donnerstag die Leitzinsen um 25 Basispunkte anheben. Davon gehen die SEB-Ökonomen Pia Fromlet und Marcus Widen aus. "Inflationsrisiken aufgrund höherer Energiepreise werden zu einer präventiven Anhebung führen, da indirekte und Zweitrundeneffekte auf die Inflation in den Daten noch nicht erkennbar sind", sagen sie. Sie erwarten, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz "viel Zeit" darauf verwenden werde, die aktualisierten Prognosen der Mitarbeiter und die Risikobewertungen zu erörtern. "Die Unsicherheit wird im Mittelpunkt stehen, was für die Zukunft einen 'wait-and-see'-Ansatz unterstützt", so die Ökonomen.
Bitcoin hakt schlechteste Woche seit über vier Jahren ab
Bitcoin erholt sich zaghaft, nachdem er am Freitag unter die wichtige Marke von 60.000 US-Dollar gefallen war und damit ein 20-Monats-Tief erreicht hatte. Die "fragile" Erholung spiegele die erneuten Zuflüsse in börsengehandelte Fonds nach einer 13-tägigen Abfluss-Serie von 4,4 Milliarden Dollar wider, schreibt Naeem Aslam, Analyst bei Zaye Capital Markets, in einem Kommentar. Zudem würden große Krypto-Inhaber weiterhin eine langfristige Akkumulation signalisieren.
Der starke Ausverkauf von Bitcoin in der vergangenen Woche ist neben den jüngsten ETF-Abflüssen auch auf geopolitische Unsicherheit zurückzuführen sowie auf die Ankündigung des Bitcoin-hortenden Unternehmens Strategy, die Kryptowährung zum ersten Mal seit 2022 verkauft zu haben. Der Vorstandsvorsitzende von Strategy, Michael Saylor, deutete am Wochenende neue Bitcoin-Käufe an, obwohl das Unternehmen noch keine Transaktion offiziell bekannt gegeben hat. Bitcoin steigt laut LSEG-Daten um 1,8 Prozent auf 62.984 US-Dollar, nachdem er am Freitag bis auf 59.125 US-Dollar gefallen war.
Dax rutscht ab
Mit einem deutlichen Abschlag startet der Dax in das heutige Geschäft. Der deutsche Börsenleitindex notiert aktuell im Bereich von 24.440 Punkten, nachdem er am Freitag mit 24.759 Zählern geschlossen hatte – mit einem Tagesverlust von 0,8 Prozent. ntv-Börsenkorrespondentin Corinna Wohlfeil verweist unter anderem auf einen "Ausverkauf bei Technologiewerten" in Asien. Gleichzeitig zögen auch die Ölpreise wieder an.
Industrieaufträge brechen ein
Die Aufträge der deutschen Industrie sind im April fast doppelt so stark eingebrochen wie erwartet. Das Neugeschäft fiel um 3,8 Prozent geringer aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dafür sorgte die schwächere Nachfrage aus den Euro-Ländern und in wichtigen Branchen wie dem Auto- und Maschinenbau. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von 2,0 Prozent gerechnet, nachdem es im März einen Zuwachs von revidiert 4,5 Prozent gegeben hatte.
"Der Nahost-Krieg fordert seinen Tribut", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Der Einbruch sei zwar vor allem eine Gegenbewegung zum starken Anstieg im März, als im ersten Monat des Nahost-Kriegs viele Unternehmen Bestellungen aus Angst vor kriegsbedingten Lieferproblemen vorgezogen hatten. Der Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima lasse aber keine baldige Erholung erwarten. "Vielmehr dürfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal etwas schrumpfen", sagte Krämer.
Tech-Abverkauf trifft Asien-Anleger
Die asiatischen Aktienmärkte werden von mehreren Faktoren belastet und geben auf breiter Front teils massiv nach. Händler nennen Zinsängste, steigende Ölpreise und die Eskalation im Nahostkrieg. Die unerwartet starken US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag verstärken die Spekulationen in den USA auf Zinserhöhungen. Dazu flammt die militärische Auseinandersetzung zwischen dem Iran und Israel wieder auf. Beide Seiten überzogen sich mit Angriffen aus der Luft. Ein Appell von US-Präsident Donald Trump an den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, nicht auf die iranischen Raketenangriffe zu reagieren, blieb ungehört. Das dämpft Hoffnungen auf ein Friedensabkommen, in der Folge ziehen die Ölpreise an.
Verkauft werden mit den Zinserhöhungssorgen unter anderem Technologiewerte aus dem Halbleiterbereich, wozu aber auch Gewinnmitnahmen nach der fulminanten Rally beitragen. Besonders betroffen sind davon die Börsen in Südkorea, Japan und Taiwan. In Südkorea wurde der Handel wegen massiver Verluste teils unterbrochen. Der technologielastige Kospi in Seoul sinkt um 5,6 Prozent, lag aber auch schon über 8 Prozent im Minus. Der südkoreanische Leitindex hat in diesem Jahr dank des KI-Booms weltweit bislang am besten abgeschnitten.
Samsung Electronics und SK Hynix büßen 5,6 und 3,3 Prozent ein, nachdem sie zu Beginn des Handels schon zweistellig hinten lagen Taiwan Semiconductor Manufacturing rutschen in Taipeh um 2,8 Prozent ab.
Nvidia schmiedet KI-Allianzen
Nvidia treibt den Ausbau von KI-Rechenzentren nach eigenen Angaben mit neuen Partnerschaften in Südkorea voran. Der US-Chipkonzern habe anlässlich eines Besuchs von Firmenchef Jensen Huang Vereinbarungen mit SK Hynix, Naver und Doosan bekanntgegeben, meldete Reuters. Mit SK Hynix wurde eine mehrjährige Technologiepartnerschaft für Speicherchips der nächsten Generation geschlossen, die eine stabile Versorgung sichern und neue KI-Bereiche erschließen soll. Das Schwesterunternehmen SK Telecom plant zudem eine KI-Cloud im Gigawatt-Maßstab mit einem ersten Rechenzentrum ab 2027. Der Internetkonzern Naver und der Mischkonzern Doosan wollen Nvidia-Technologie für eigene KI-Rechenzentren nutzen. Doosan, das Materialien für Nvidias Blackwell-Chips herstellt, erwartet im Gegenzug den Einsatz seiner Energielösungen bei dem US-Konzern und will dessen physische KI-Technologie nutzen. Finanzielle Details wurden nicht genannt.
Börse wird von zwei Seiten in die Mangel genommen
Mit weiteren Kursverlusten werden die Börsen in Europa zum Beginn der neuen Handelswoche erwartet. Die Börse werde von zwei Seiten in die Mangel genommen - bei den Aktienbewertungen und den Gewinnaussichten. Dazu kommt eine Eskalation im Nahost-Konflikt: Nach einem Angriff Israels auf den Libanon schlug der Iran zurück, worauf wiederum Israel den Iran angriff, obwohl US-Präsident Trump versucht hatte, Irsaels Premier Netanjahu davon abzuhalten. Der Dax-Futures notiert rund 1 Prozent beziehungsweise gut 200 Punkte im Minus.
Der "Payroll-Schock" vom Freitag greift derweil direkt die extrem hohen Aktienbewertungen an. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den USA im Rahmen des US-Arbeitsmarktberichts für Mai fiel doppelt so hoch wie erwartet aus und macht Zinssenkungshoffnungen zunichte. Zugleich ist die Erwartung einer US-Zinserhöhung per September auf über 38 Prozent gestiegen, verglichen mit 19,5 Prozent eine Woche zuvor. Die 10-jährigen US-Zinsen schnellten von unter 4,50 auf zeitweise über 4,60 Prozent.
Wichtige Konjunkturdaten stehen heute nicht an. Unter Druck werden Fluglinienaktien erwartet, besonders die Titel von Billigfliegern. Der Airline-Verband IATA sprach am Wochenende eine Warnung aus und rechnet wegen der Kerosinkosten mit einer Halbierung der Gewinne.
Trump widerspricht Volkswirten
US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Worten keinen Druck auf den neuen Fed-Chef Kevin Warsh ausüben - und mahnt zugleich angesichts der guten Arbeitsmarktsituation zu Zinssenkungen. "Es gibt keinen Grund, die Zinsen anzuheben", sagte er im Gespräch mit dem US-Sender NBC News mit Blick auf den anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve Mitte Juni.
Höhere Zinsen würden den derzeitigen "Erfolg" ausbremsen. "Wir sollten die Zinsen jetzt eigentlich senken", forderte Trump wie bereits mehrfach in der Vergangenheit ungeachtet der konjunkturellen Parameter. Dem widersprechen Volkswirte, die eine lockerere Geldpolitik aufgrund des guten Arbeitsmarktes derzeit für unwahrscheinlich halten und stattdessen sogar eine Erhöhung der derzeitigen Zinsspanne von 3,5 bis 3,75 Prozent für möglich halten. Grund dafür ist die anhaltend hohe Inflation infolge des Iran-Krieges. Die Fed soll unabhängig von politischer Einflussnahme über die Geldpolitik entscheiden.
50 Milliarden Euro schwere Bankenfusion steht im Raum
Die italienische Bank Banco BPM will den Rivalen Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) übernehmen. BPM kündigte an, MPS zu Gesprächen über eine Fusion einzuladen. Allerdings könnte es zu einem Bieterwettkampf kommen: Auch die Konkurrenten Intesa Sanpaolo und BPER Banca erwägen Insidern zufolge ein Angebot für das ehemals staatlich gerettete Geldhaus Monte dei Paschi.
Der BPM-Verwaltungsrat habe einstimmig beschlossen, MPS eine "Fusion unter Gleichen" vorzuschlagen, teilte die Bank mit. BPM, die von Citi und Goldman Sachs beraten wird, betonte, der Vorschlag werde beide Banken stärken. Der neue Konzern käme auf einen Börsenwert von rund 50 Milliarden Euro. Banco BPM rechnet mit jährlichen Vorsteuer-Synergien von mehr als 1,1 Milliarden Euro, was den Gewinn je Aktie um über zehn Prozent steigern dürfte. MPS erklärte, man werde sich erst nach Beratungen des eigenen Verwaltungsrats äußern. Einem Insider zufolge steht das Thema bereits heute auf der Tagesordnung einer Sitzung.
Ausverkauf trifft Asien-Börsen
Die Furcht vor steigenden US-Zinsen und eine militärische Eskalation im Nahen Osten setzen die asiatischen Aktienmärkte massiv unter Druck. In Tokio rutscht der Nikkei um knapp vier Prozent ab, und der breiter gefasste Topix verliert 3,08 Prozent auf 3827,63 Zähler. Auch in China geben die Kurse deutlich nach: Der Shanghai-Composite sinkt 2,2 Prozent, während der CSI300 2,4 Prozent einbüßt. In Hongkong fällt der Hang-Seng-Index 1,5 Prozent. Besonders hart trifft es den südkoreanischen Kospi, der um fünf Prozent einbricht.
Auslöser des Ausverkaufs sind ein enttäuschender Ausblick des US-Chipkonzerns Broadcom sowie ein starker US-Arbeitsmarktbericht, der die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen dämpfte. "Die Bewegung sieht eher nach einer Auflösung von Positionen aus als nach einer Neubewertung der langfristigen KI-Geschichte", sagt Marc Velan, Investmentchef bei Lucerne Asset Management. In Japan brechen die Aktien von Sumco um 13 Prozent ein, Renesas verlieren 12,1 Prozent. In China rutschten die Papiere des Nvidia-Zulieferers Zhongji Innolight um vier Prozent ab.
Japans Wirtschaft kühlt sich ab
Die japanische Wirtschaft hat im Quartal von Januar bis März im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten wegen schleppender Unternehmensinvestitionen an Schwung verloren. Dies geht aus revidierten Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) hervor. Das BIP wuchs im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,8 Prozent, teilte das Kabinettsbüro mit. Ein Wert von 2,1 Prozent war zunächst geschätzt worden. Die mittlere Prognose von Volkswirten hatte bei einem Wachstum von 1,3 Prozent gelegen. Das BIP wuchs ohne Hochrechnung um 0,5 Prozent. Dies übertraf die mittlere Prognose von 0,3 Prozent leicht und entsprach dem vorläufigen Wert.
Ölpreise steigen wieder deutlich
Die Ölpreise steigen nach der jüngsten Eskalation in Nahost wieder deutlich. So kostet ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent zur Lieferung im August 95,51 US-Dollar. Das sind 2,6 Prozent mehr als noch am Vortag.
Am Sonntagabend hatte der Iran zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Die Angriffe erfolgten als Reaktion auf israelische Angriffe auf die Hisbollah-Miliz im Libanon. Die jüngste Eskalation weckt die Befürchtung eines erneuten offenen Konflikts zwischen den beiden Ländern. Ebenfalls droht damit auch ein mögliches Abkommen zwischen dem Iran und den USA zu scheitern.
Das ist los im frühen Devisenhandel
Am Devisenmarkt hält sich der Dollar auf hohem Niveau, da Anleger angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der Aussicht auf länger hohe US-Zinsen die amerikanische Währung suchen. Im asiatischen Devisenhandel gewinnt der Dollar geringfügig auf 160,34 Yen und legt 0,3 Prozent auf 6,7829 Yuan zu. Zur Schweizer Währung notiert er 0,2 Prozent höher bei 0,7974 Franken. Parallel dazu bleibt der Euro fast unverändert bei 1,1528 Dollar und zieht 0,2 Prozent auf 0,9193 Franken an.
"Das Schlussfeuerwerk der KI-Hausse"
Auch in dieser Woche dürften Börsianer zwischen KI-Euphorie und geopolitischen Ängsten schwanken. Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz lehnte zuletzt eine Waffenruhe im Libanon ab, während Israel einen Truppenabzug ausschloss. Der Iran macht ein Ende der israelischen Angriffe im Libanon zur Bedingung für ein Friedensabkommen mit den USA. "Dennoch sorgt die fortwährende Kriegsunsicherheit an den Finanzmärkten immer weniger für eine Zunahme der Risikoaversion - auch dank fortgesetzter KI-Fantasie", kommentieren die Experten der Helaba. So war der Dax am Freitag nach starken Schwankungen im Wochenverlauf mit 24.759 Punkten ins Wochenende gegangen.
Laut LBBW-Analysten besteht jedoch zwischen dem unsicheren geopolitischen Umfeld und steigenden Indizes nur ein scheinbarer Widerspruch. Die große Mehrzahl der Aktienkurse entwickelt sich demnach unterdurchschnittlich und reagiert damit durchaus auf die wachsenden Schwierigkeiten.
Auch die Ölpreise legten in der alten Woche um drei bis sechs Prozent zu. "Das alles wird durch das Thema KI überdeckt", heißt es im LBBW-Bericht. Dessen Sog ziehe immer mehr Aktien nach oben, sofern diese direkt oder indirekt vom Bau und Ausrüstung der gewaltigen Rechenzentren profitieren könnten - Halbleiter und deren Produktion, Stromversorgung, Vernetzung, Spezialmaterialien. "Auf uns wirkt dies wie das Schlussfeuerwerk der KI-Hausse."
Der Rekord-Börsengang von SpaceX kommenden Freitag, bald gefolgt von Anthropic und OpenAI, läute nun die Phase der Gewinnmitnahmen für die Risikokapitalgeber ein. Er dürfte ein wichtiger Test dafür werden, wie aufnahmefähig die Kapitalmärkte für hoch bewertete Wachstumsunternehmen noch sind, kommentieren die Experten der Schweizer Privatbank Reichmuth & Co. Zugleich könnte das Börsendebüt laut Analyst Timo Emden erneut von den Krisenherden und geldpolitischen Fragezeichen ablenken.
Die neue Konjunkturdaten-Woche eröffnet heute, aber zunächst die April-Zahlen für die Auftragseingänge der deutschen Industrie. Nun werde sich zeigen, ob das deutliche Plus im März - wie vom Wirtschaftsministerium vermutet - in erster Linie einem Sondereffekt zuzurechnen war, sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Ebenfalls heute warten Anleger auf das Barometer der Beratungsfirma Sentix für Juni. Dieses zeigt an, wie Börsianer auf die Konjunktur in der Eurozone blicken.
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