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Jörg Bohn Reichtum boomt

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

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Dieser Chart ist eine Augenweide: Um gut 300 Prozent ist die Aktie des Schweizer Luxuskonzerns Richemont seit Frühling 2009 explodiert. Dagegen verblasst selbst das bisherige Allzeithoch aus dem Jahr 2007. Die Botschaft der Edel-Aktie ist überdeutlich: Luxus boomt. Auf diesem Planeten gibt es immer mehr Super-Reiche.

Richemont steht mit Marken wie Cartier und Jaeger-LeCoultre für das High-End-Segment bei Juwelen und Uhren. Der steigende Konsum von Luxusgütern macht sich aber auch in anderen Branchen bemerkbar. So hat sich der Aktienkurs des 1744 gegründeten Auktionshauses Sotheby’s seit dem Tief im Jahr 2009 versechsfacht.

Entsprechend nach oben schossen die Preise für Kunstwerke; gleich zweimal wechselte im Jahr 2010 das teuerste Kunstwerk der Auktionsgeschichte den Besitzer: Für kurze Zeit durfte sich Alberto Giacomettis „L’homme qui marche“ mit diesem Titel schmücken, bis ihm Picassos „Nude, Green Leaves and Bust“ zum Preis von 106,5 Millionen Dollar den Rang ablief.

Wein-Index legt fast 200 Prozent zu

Geld fließt aber nicht nur in die Kunstwelt. Auch der Liv-Ex Fine Wine Index spiegelt den Wunsch der Reichen wider, sich etwas Außergewöhnliches zu gönnen: Die Benchmark für die 100 gesuchtesten Weine weltweit ist von 125 Punkten im Jahr 2006 auf inzwischen 350 geklettert – nahezu eine Verdreifachung in vier Jahren!

Damit nicht genug: Die Preise von Luxusimmobilien in Deutschland erreichen ebenfalls neue Höchststände. So werden für den Quadratmeter in Berlin derzeit 8.000 Euro fällig, in München sind es 12.000 und in Hamburg 15.000 Euro. Den Vogel schießt Kampen auf Sylt ab, wo für Nobelhäuser 30.000 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden.

Billiges Geld als Brennstoff für den Luxus-Boom

Der Luxus-Boom hängt zum einen mit dem Wachstum in den Schwellenländern zusammen, zum anderen mit der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Durch den Kauf von Anleihen in Billionen-Höhe führen die Währungshüter dem Bankensystem massiv Geld zu, das von den Kreditinstituten aber kaum als Darlehen vergeben oder nur verhalten nachgefragt wird. Stattdessen fließt es in Form von Boni in die Taschen der Wall-Street-Banker – so schüttete etwa die US-Investmentbank Goldman Sachs für 2010 Boni in Höhe von 17,5 Milliarden Euro an ihre Angestellten aus. Oder es findet direkt den Weg an die Finanzmärkte, wo es unter anderem die Rohstoffpreise in die Höhe treibt – was vor zwei Jahren in etlichen armen Ländern zu Revolten führte.

World Luxury Index startete 2007

Abseits dieser Beurteilung stellt sich für Anleger die Frage, wie sie am Wachstum des Luxus-Segments partizipieren können. Zum einen können sie natürlich direkt auf Aktien einschlägiger Unternehmen setzen. Zum anderen bieten sich spezielle Indizes wie der World Luxury Index an, die über mehrere Branchen streuen und das Risiko etwas verringern. Diese Benchmark setzt seit 2007 auf die Anlagesegmente Private Banking, Luxusautomobile, Luxushotels, Premium-Lebensmittel und hochwertige Verbrauchsgüter wie Bekleidung, Schmuck oder Hauselektronik und wird vierteljährlich angepasst.

Der Autor Jörg Bohn ist Vorstand und Chefstratege der Vermögensverwaltung Artus Direct Invest und einer der Experten des Internetportals Vermögensprofis.de.

Quelle: ntv.de