Marktberichte

Wahnsinn in Westminster Börsianer warten auf den nächsten Brexit-Akt

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12. April, 22. Mai, 30. Juni ...: Das Warten auf Ansagen, Termine und Fristverlängerungen geht weiter.

(Foto: dpa)

Der verbissene Kampf der britischen Regierung lässt Anleger ratlos zurück: Endet das Theater wie das "Hornberger Schießen" oder kommt der Chaos-Brexit? Alles ist offen. Klar ist nur: Die volle Breitseite des Börsen-Chaos' bekäme das Pfund ab. Gibt es noch was anderes als Brexit? Ja.

Nach Einschätzung von Experten wird die tickende Brexit-Uhr auch in der kommenden Woche auf der Börsen-Stimmung lasten. Marktbeobachter sind gespalten.  

"Gut möglich, dass die Farce, die britische Politiker ihren Wählern und der Welt zumuten, ausgeht wie das berühmte Hornberger Schießen", sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Ein langfristiger Aufschub des EU-Ausstiegs oder ein Rückzug des Austrittsantrags seien wahrscheinlich.

Britisches Pfund / Euro
Britisches Pfund / Euro 1,10

Einige Analysten warnen allerdings, dass die Gefahr eines ungewollten ungeregelten Brexit nicht gebannt sei. In diesem Fall sagen sie einen Kursrutsch des Pfund Sterling von fünf Prozent voraus. Aktuell kostet die britische Währung etwa 1,31 Dollar.

Bis zum 12. April muss Großbritannien entscheiden, ob es einen längerfristigen Aufschub des EU-Ausstiegs oder gar einen Exit vom Brexit will. Das Unterhaus stimmte in der vergangenen Woche zwar dafür, die EU um einen weiteren kurzen Aufschub zu bitten. Die Staatengemeinschaft knüpft eine Verlängerung der Frist bis zum 22. Mai - unmittelbar vor der Europawahl - bislang aber an die Bedingung, dass der von Premierministerin Theresa May ausgehandelte Brexit-Deal zuvor das britische Parlament passiert.

Dieses hat die Scheidungsvereinbarung bislang drei Mal abgelehnt. Am Mittwoch werden die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten wohl unter anderem über Mays Antrag, den Brexit bis zum 30. Juni aufzuschieben, beraten. "Sicher ist im Moment nur, dass die Unsicherheit bleibt", sagt Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Hoffnung für die Handelsgespräche

Positive Impulse versprachen sich Börsianer dagegen von den Handelsgesprächen zwischen den USA und China. Nach einer Serie von Signalen zu Fortschritten bei den Verhandlungen zur Beilegung des Zollstreits hoffen sie auf handfeste Ergebnisse. "Eine weitere wichtige Frage ist, ob eine Einigung die Stimmung in der Wirtschaft heben und den Welthandel ankurbeln kann", sagt Tai Hui, Chef-Anlagestratege für den asiatisch-pazifischen Raum beim Vermögensverwaltung der US-Bank JPMorgan.

Nach der jüngsten Aktienrally werde die Luft langsam dünn, warnt Analyst Gregor Kuhn von Emden Research. "Eine Atempause tut not. Gewinnmitnahmen und eine gesunde Konsolidierung wären vor diesem Hintergrund keine Überraschung."

DAX
DAX 11.651,18

In den vergangenen Tagen bescherten Spekulationen auf einen Handelsdeal dem Dax ein Plus von etwa vier Prozent. Damit steuerte er auf den größten Wochengewinn seit fast zweieinhalb Jahren zu.

Geldpolitik im Blick

Diese politischen Unwägbarkeiten drängen die anstehenden Konjunkturdaten in den Hintergrund. Auf dem Terminplan stehen unter anderem die Auftragseingänge der US-Industrie (Montag) sowie die chinesische Handelsbilanz (Freitag). Rückschlüsse auf die US-Geldpolitik erhoffen sich Anleger von den US-Verbraucherpreisen am Mittwoch. "An dem Trend einer sehr moderaten Inflation dürfte sich nichts ändern", sagte Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

Ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht die Notenbank Fed die Mitschriften ihrer jüngsten geldpolitischen Beratungen. Experten erwarten sich wieder einmal Hinweise zur Länge der erwarteten Pause bei den Zinserhöhungen.

Von den geldpolitischen Beratungen der Europäischen Zentralbank (EZB) versprechen sich Experten derweil keine konkreten Entscheidungen. Allerdings könnte EZB-Chef Mario Draghi auf der Pressekonferenz am Mittwoch Entlastungen für die Geschäftsbanken, die unter der anhaltenden Niedrigzinspolitik leiden, in Aussicht stellen. Denkbar seien auch weitere Details zu den geplanten langfristigen Billig-Krediten an die europäischen Geldhäuser.

Quelle: n-tv.de

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