Dax-VorschauBörsianer werden vorsichtiger

Nach den sommerlichen Kletterkursen der vergangenen Handelstage werden Anleger in der anstehenden Woche nach Einschätzung von Marktexperten das Tempo drosseln. Das liegt vor allem an der Berichtssaison, die nun auch in Deutschland langsam an Fahrt aufnimmt. Marktexperten fürchten bei den Bilanzen eher negative Enttäuschungen.
DaxDer deutsche Aktienmarkt
dürfte in der neuen Woche einen Gang zurückschalten. "Der Dax hat in den vergangenen
Tagen deutlich zugelegt, dieses Tempo wird er jedoch kaum beibehalten können",
sagt Bernd Krampen, Stratege bei der NordLB. Auf Wochensicht gewann der Leitindex
zeitweise bis zu 3,3 Prozent, vor allem dank einiger US-Bilanzen,
die besser ausfielen als von vielen befürchtet. Ein kräftiger Kursrutsch im späten Freitagshandel ließ dann aber nur noch ein Wochenplus von 1,1 Prozent übrig.
Für weitere Enttäuschung könnte
nun aber die deutsche Berichtssaison sorgen, die in der neuen Woche an Fahrt aufnimmt.
Die Krise in Südeuropa werde bei einigen Unternehmen wohl ihre Spuren hinterlassen
haben, sagt Krampen. Auch Commerzbank-Analyst Markus Wallner geht davon aus, dass
die Berichte für das zweite Quartal die Erwartungen eher verfehlen dürften.
Fünf Dax-Konzerne berichten
In die Bücher schauen lassen
sich neben der Deutschen Börse und VW (Donnerstag) auch die Dax-Schwergewichte Daimler
(Mittwoch), BASF und Siemens (Donnerstag). Zudem legen zahlreiche Unternehmen aus
der zweiten und dritten Reihe ihre Zahlen vor, unter anderem Qiagen, Dialog Semiconductor,
Kontron (Dienstag) und Wacker Chemie (Mittwoch).
Aufmerksamkeit werden auch
die Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks auf sich ziehen. Commerzbank-Analyst
Christoph Balz erwartet, dass die US-Wirtschaft am Freitag eine unbefriedigende
Bilanz für das zweite Quartals vorlegt. Er rechnet mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent
- im Schnitt gehen die Experten von einem Plus von 1,8 Prozent aus nach 1,9 Prozent
im ersten Quartal. Auch der Auftragseingang für langlebige Güter im Juni (Donnerstag)
birgt Enttäuschungspotenzial. "Sollten die Konjunkturdaten anhaltend schwächeln,
wird die Hoffnung auf neue Stützungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed immer größer",
sagt ein Börsianer.
Spekulationen auf neue Fed-Hilfen halten an
US-Notenbankchef Ben Bernanke
hatte jüngst vor beiden Kammern des US-Kongresses betont, dass die Fed bereit sei
zu handeln, sollte dies nötig werden. Die Fed entscheidet das nächste Mal am 1.
August über ihren weiteren geldpolitischen Kurs.
Wenig erfreulich könnten
auch die Zahlen aus dem Euroraum ausfallen. "Zwar dürften sich die Einkaufsmanagerindizes
(Dienstag) auf niedrigem Niveau stabilisieren, das Ifo-Geschäftsklima ist aber wohl
weiter gefallen", schreibt Commerzbank-Experte Balz. Die Stimmung in der deutschen
Wirtschaft war im Juni im Sog der Eurokrise bereits so schlecht ausgefallen wie
seit über zwei Jahren nicht mehr. Analysten rechnen am Mittwoch im Schnitt mit einem
erneuten Rückgang auf 104,8 von zuletzt 105,3 Punkten.