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"Sell in May and go away"? Dax-Anleger haben die Qual der Wahl

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"Sell in May an go away" - ein weiser Ratschlag oder doch eher ein Kalauer?

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Seit Jahresanfang verbucht der deutsche Leitindex satte 17 Prozent Plus. Sollten Anleger Kasse machen und erst im September wieder Aktien kaufen, so wie es die Börsenweisheit für den Wonnemonat empfiehlt? Börsianer stehen am Scheideweg. Folgendes sollten sie deshalb auf dem Zettel haben.

Nach der Börsenweisheit "Sell in May and go away, but remember to come back in September" sind die ersten Tage im Monat Mai an den Aktienmärkten alles andere als wonnig. "Sie rät Anlegern, die statistisch schwachen Sommermonate zu meiden und im Herbst wieder einzusteigen", erläutert Ulrich Stephan, der bei der Deutschen Bank Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden ist.

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Auch angesichts der zuletzt hohen Kursgewinne könnte die Regel in diesem Jahr Börsianern zufolge so zutreffend sein wie lange nicht mehr. Seit Anfang April hat der Dax mehr als sieben Prozent gewonnen, seit Jahresbeginn sind es siebzehn Prozent. In der abgelaufenen Woche legte der deutsche Leitindex 0,8 Prozent zu.

Stratege Jens Herdack von der Weberbank sieht die Börsen derzeit am Scheideweg. Eine Wende zum Schlechten sei nicht zwingend, unterstreicht er. Als positiv wertet der Experte unter anderem die Berichtssaison in den USA, die bislang besser gelaufen sei als erwartet, und die von China wegen des Handelskriegs mit den USA auf den Weg gebrachten Konjunkturhilfen. "'Sell in May' könnte also diesmal trotz gutem Jahresstart der Aktien vielleicht eher die falsche Entscheidung sein", folgert Herdack.

Neue Signale von der Konjunkturfront

Auch das Angst-Thema Konjunkturabkühlung ist in den Köpfen der Anleger derweil weniger präsent. Denn die wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone war im ersten Quartal besser als von vielen erwartet. Am Dienstag legt die EU-Kommission ihre Frühjahrsprognose vor.

Neue Hinweise auf die Konjunktur liefern am Montag die Einzelhandelsumsätze der Euro-Zone im März. Es folgen für Deutschland die Auftragseingänge (Dienstag) und die Industrieproduktion (Mittwoch). Aus den USA werden Investoren vor allem auf die Erzeugerpreise im April (Donnerstag) und die Konsumentenpreise (Freitag) beäugen. Die Börsen in Tokio und London bleiben am Montag feiertagsbedingt geschlossen.

Bilanzflut hält an

Die Bilanzflut geht in der neuen Woche weiter: Am Dienstag stehen unter anderem die Zahlen von BMW und Henkel an. Am Mittwoch folgen Münchener Rück, Siemens und Wirecard. Bei der Commerzbank rechnen Analysten mit einem Gewinneinbruch.

Das Frankfurter Geldhaus mit seinem Fokus auf Privatkunden und den deutschen Mittelstand dürfte nun das Interesse einer ausländischen Großbank auf sich ziehen, da der Platzhirsch – die Deutsche Bank - von ihr abgelassen hat. Am Donnerstag legen Deutsche Telekom, Heidelcement und Conti vor. Am Freitag ist Deutsche Post an der Reihe.

Die Analysten von Baader Helvea rechnen damit, dass der Konzern einen soliden operativen Geschäftsverlauf präsentieren wird. Sie halten für möglich, dass die Post in diesem Jahr eine operativen Gewinn (Ebit) am oberen Ende der Prognosespanne erzielen wird.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts

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