Marktberichte

eWall Street schließt uneinheitlich Dax mit 240 Punkten Handelsspann

Die Schaukelbörse in Europa setzt sich fort. Nach volatilem Verlauf verliert der Dax 1,1 Prozent auf 9.862 Punkte. Im Tageshoch hatte der deutsche Leitindex bei 10.078 gestanden. Auch in den USA geht alles andere als einheitlich zu.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag dem Begriff "Schaukelbörse" alle Ehre gemacht. Nachdem der Dax am Vormittag bis auf ein Tagestief von 9867 Punkten gesackt war, drehte die Stimmung und der Leitindex kletterte im Anschluss bis auf sein Tageshoch von 10.078 Zählern, nur um dann am späten Nachmittag wieder unter die 10.000er Marke und deutlich ins Minus zu rutschen. Ein neues Tagestief wurde bei 9838 markiert. "Die 10.000er Marke war offenbar nur das zwischenzeitliche Ziel der Anleger", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf. Zwei Dax-Werte gaben die jeweilige Richtung vor.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 1,1 Prozent und 9862 Punkten aus dem Handel. Am Montag und Dienstag konnte er deutlich zulegen, am Mittwoch gab es einen Rückschlag. Der MDax schloss 0,9 Prozent schwächer bei 20.047 Zählern. Der TecDax büßte 0,6 Prozent auf 1631 Stellen ein.

Rohstoffe: Ölpreis rauf und runter

Der Ölpreis konnte lange seine starken Vortagesgewinne halten und somit den Aktienmarkt stützen. Am Abend stand dann aber ein leichter Preisrückgang. So kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 47,57 Dollar. Das waren rund 0,1 Prozent weniger als am Mittwochabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel ebenfalls: 0,3 Prozent auf 46,11 Dollar.

Am Mittwoch hatte ein überraschender Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den USA den Ölpreis um etwa zwei Dollar nach oben getrieben. Experten gingen davon aus, dass ein Ausfall von Öllieferungen aus Kanada wegen starker Waldbrände in der Ölprovinz Alberta dazu geführt hatte, dass die USA verstärkt auf die Ölreserven zurückgreifen mussten. Für zusätzlichen Preisauftrieb sorgte ein Rückgang der US-Ölproduktion.

Dax: Gegenbewegung bei Versorgern

Die Quartalszahlen von Unternehmen bestimmten weiter das Börsengeschehen - auch im Dax. Von gemischten Zahlen sprach ein Marktteilnehmer bei Vonovia. Den Ausblick habe das Unternehmen leicht angehoben, obwohl die Mieteinnahmen etwas hinter den Erwartungen zurückblieben. "Gedämpft werden könnte die Stimmung von der Verschuldung", sagte der Händler. Gemessen am Net Asset Value sei die Schuldenquote von 45,9 Prozent trotz eines leichten Rückgangs immer noch relativ hoch. Vonovia-Anteilsscheine schlossen nahezu unverändert.

Von guten Zahlen sprachen Marktteilnehmer bei RWE. Der Konzern hatte die Gewinnerwartungen deutlich übertroffen. "Grund ist ein gutes Ergebnis im Energiehandel", sagte Heino Ruland, Chefanalyst von ICF Brokers. Nach den hohen Kursverlusten zur Wochenmitte zogen RWE rund 7 Prozent an, Eon noch 1,5 Prozent.

Nicht überbewerten sollten Marktteilnehmer die höhere Gewinnprognose von Adidas: "Das ist ein reiner One-Off", kommentierte ein Händler. "Mit der operativen Entwicklung hat das nichts zu tun." Adidas hatte den Ausblick für den Gewinn und die Marge erhöht, weil Chelsea den Vertrag mit dem Konzern vorzeitig beendete und deshalb eine Zahlung geleistet hat. Adidas-Papiere bewegten sich 0,5 Prozent aufwärts.

Toyota bremst deutsche Autowerte

Ein schwacher Ausblick von Toyota drückte die Stimmung bei den Autotiteln. Der Konzern rechnet im neuen Fiskaljahr mit einem Umsatzrückgang von 6,7 Prozent und mit einem Gewinnrückgang um mehr als ein Drittel. "Das ist durchaus auf andere Hersteller übertragbar", sagte ein Marktteilnehmer. VW gaben rund 2 Prozent ab. Daimler und BMW büßten etwa 1 Prozent und 1,5 Prozent ein.

Bayer-Aktien sackten etwa 5 Prozent ab. Der Konzern zieht einem Agenturbericht zufolge angeblich eine Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto in Erwägung. Wie Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen berichtete, soll Bayer diese Option bereits sowohl intern als auch mit Beratern diskutiert haben. Eine abschließende Entscheidung für oder gegen eine solche Offerte soll aber noch nicht gefallen sein. Monsanto hat aktuell einen Marktwert von fast 40 Milliarden Dollar. Ein Zusammengehen der beiden Konzerne würde den größten Saatgutanbieter der Welt hervorbringen. BASF büßten rund 2 Prozent ein.

MDax: Von Dürr bis Zalando

Bei den deutschen Nebenwerten richtete sich das Interesse unter anderem auf die Zahlen von Rheinmetall, Dürr, und Stada. Stada-Titel zeigten sich dabei nahezu unverändert. Die Zahlen seien zwar gut ausgefallen, getrieben werde der Kurs derzeit aber stärker vom Einstieg von Active Ownership Capital, heiß es im Handel. Das Beteiligungsunternehmen hält Stada für unterbewertet und strebt deshalb eine Veränderung der Strukturen an.

Positiv wurde am Markt das Zahlenwerk von Dürr bewertet. "Der Auftragseingang ist sehr stark", sagte ein Händler. "Für jeden Umsatz von 1,00 Euro kommen Aufträge im Volumen von 1,30 Euro herein", meinte er mit Blick auf die Book-to-Bill-Ratio von 1,3. Auch die Gewinnkennziffern lägen über den Erwartungen. Den Ausblick hatte der Lackieranlagenhersteller bestätigt. Für Dürr ging im späten Handel abwärts: 0,6 Prozent.

Dagegen konnten die Quartalszahlen von Zalando nicht überzeugen. "Der Umsatz liegt mit 769 klar unter dem Konsens von gut 821 Millionen Euro", so ein Marktteilnehmer. Ein anderer Händler bemängelte die Marge, die mit 2,5 Prozent weiterhin nicht überzeuge. Damit habe das Unternehmen noch deutlich Luft nach oben, um das bestätigte Jahresziel einer bereinigten Ebit-Marge von 3 bis 4,5 Prozent zu erzielen. Der Ausblick erscheine nun etwas ambitionierter, hieß es. Zalando sackten zeitweise 7 Prozent ab und schlossen mehr als 4 Prozent leichter.

Rheinmetall büßten rund 8 Prozent ein. Geringere Verluste in der Rüstungssparte bescherten dem Konzern zum Jahresauftakt zwar einen höheren Konzerngewinn. Allerdings ließ das Umsatzplus zu wünschen übrig. Bei einem Erlöswachstum von 1 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro legte das operative Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal um 40 Prozent auf 31 Millionen Euro zu.

TecDax: SMA liefert

SMA Solar zogen zeitweise mehr als 5 Prozent an, schlossen dann aber rund 1,5 Prozent schwächer. Die Zahlen lagen operativ deutlich über den Erwartungen und auch der Umsatz hatte die Schätzungen deutlich übertroffen. "Die Zahlen bestätigen den Turnaround", sagte ein Händler. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres hatte SMA Solar noch rote Zahlen geschrieben.

SLM Solutions setzte im ersten Quartal dank höherer Bestellungen ihren Wachstumskurs fort. Insgesamt erhielt der Hersteller von 3D-Metalldruckern in dem Zeitraum die Order für 25 Maschinen. Im Vorjahresquartal hatten die Bestellungen bei 17 Maschinen gelegen. SLM-Papiere gaben aber rund 2 Prozent nach.

Air Berlin noch tiefroter

Nach dem Rekordverlust 2015 flog Air Berlin zum Jahresbeginn noch tiefer in die roten Zahlen. Der Betriebsverlust (Ebit) weitete sich auf 172 Millionen Euro aus, nach einem Fehlbetrag von 160 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Diskussion um die umstrittenen Gemeinschaftsflüge mit dem Partner Etihad sowie die Anschläge in Ägypten und der Türkei hätten das Geschäft belastet, erläuterte Konzernchef Stefan Pichler. Der Umsatz schrumpfte um gut 7 Prozent auf 737 Millionen Euro. Die Aktien zogen sich knapp 3 Prozent an.

Apple zieht US-Börsen mit nach unten

Die US-Aktienmärkte schlossen uneinheitlich. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,1 Prozent höher aus dem Handel mit knapp 17.721 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notierte kaum verändert mit 2064 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,5 Prozent auf 4737 Stellen.

Erstaunlich gelassen nahm der Markt schwache Arbeitsmarktdaten zur Kenntnis. In den USA sind in der Vorwoche überraschend viele Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt worden. Es war der höchste Stand seit mehr als einem Jahr. Damit rückt eine US-Zinserhöhung in immer weitere Ferne, was am Aktienmarkt durchaus gern gesehen wird. Gestützt wurde diese Sicht durch niedrige Inflationsdaten. Die US-Importpreise waren im April zwar den zweiten Monat in Folge gestiegen.

Bei den Einzelwerten preschten Monsanto um 8,9 Prozent vor. Auslöser war ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, laut dem die deutsche Bayer Interesse an einem Kauf von Monsanto haben soll. Gute Quartalszahlen und ein optimistischer Ausblick zogen die Aktien von CA rund 3 Prozent nach oben, nachdem der Softwarehersteller mit Umsatz und Gewinn im vierten Geschäftsquartal die Erwartungen übertroffen hatte. Jack In The Box kletterten dagegen dank Zweitquartalszahlen über Markterwartung um rund 14 Prozent.

Die Apple-Aktie büßte zeitweise 3,2 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief ein. Hintergrund sind Sorgen um die Nachfrage nach iPhones. Der Börsenwert von Apple fiel unter den des Google-Mutterkonzerns Alphabet.

Unter Druck gerieten auch die Papiere der Kaufhauskette Kohl's, die fast zwölf Prozent abrutschten. Der Quartalsumsatz des Unternehmens ging im abgelaufenen Quartal auf vergleichbarer Basis überraschend zurück.

Rohstoffe: Gold-Nachfrage steigt, Preis fällt

Gold in USD
Gold in USD 1.770,03

Die Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung weltweit trieb die Nachfrage nach Gold nach oben. Von Januar bis März wurden 1290 Tonnen nachgefragt, das waren 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte der Weltgoldrat mit. Die Nachfrage habe damit den zweithöchsten Wert in der Geschichte erreicht. Der Goldpreis zog 0,3 Prozent auf 1276 Dollar an.

Devisen: Euro hält die 1,14

Der Euro konnte die 1,14er Marke am Mittag festigen. Die Gemeinschaftswährung wurde am Abend bei 1,1407 Dollar gehandelt. Das war zwar ein Abschlag von 0,2 Prozent zur Notiz am Mittwochabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag aber auf 1,1389 Dollar nach 1,1409 Dollar zur Wochenmitte. Das Tagestief lag bei 1,1378 Dollar.

Wirklich dynamisch ist die Entwicklung am Devisenmarkt derzeit laut Analystin Antje Praefke von der Commerzbank nicht: "Nachdem die US-Notenbank Ende April einem Zinsschritt im Juni quasi eine Absage erteilt hat, ist die Luft aus dem US-Dollar raus. Deutlich zugelegt hat hingegen das britische Pfund. Die Notenbank in London hatte vor der Abstimmung über einen Austritt des Landes aus der EU ihren Leitzins unverändert belassen.

Asien: Nikkei doch höher

Moderate Abgaben prägten den Handel an den ostasiatischen Märkten am Donnerstag. Aus den USA kamen negative Vorgaben. Dort weckten schwache Geschäftszahlen der Kaufhauskette Macy's Zweifel an der Konsumfreude der US-Amerikaner, die als tragende Säule der Wirtschaft gilt. Der private Konsum macht etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung aus. Überdies stieg die Nervosität vor der Veröffentlichung von Daten zur Kreditvergabe in China. Es wird erwartet, dass die chinesischen Banken im April deutlich weniger Kredite vergeben haben als im März. Damit dürfte auch weniger Geld in die Aktienmärkte fließen.

In Schanghai gab der Shanghai-Composite leicht nach. in Hongkong verlor der Hangseng-Index 0,8 Prozent. Der Kospi büßte in Seoul 0,1 Prozent ein. Der Tokioter Nikkei-Index schließt 0,4 Prozent fester bei 16.646 Punkten. Der S&P/ASX200 der Börse in Sydney gab 0,2 Prozent nach.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.