Wirtschaft
In Frankfurt sind überwiegend sorgenvolle Gesichter zu sehen.
In Frankfurt sind überwiegend sorgenvolle Gesichter zu sehen.(Foto: AP)
Dienstag, 24. Januar 2012

Kleiner Schlussspurt: Dax rettet 6400

Am deutschen Aktienmarkt herrscht am Dienstag größtenteils Tristesse. Die Anleger sind wegen des Tauziehens um die Entschuldung Griechenlands schlecht gelaunt. Ordentliche Konjunkturdaten können sie nicht aufmuntern. Zum Handelsende findet man immerhin am guten belgischen Geschäftsklima Gefallen.

Der Tauziehen um die Teilentschuldung Griechenlands zerrt zusehends an die Nerven der Aktienanleger. "Es sieht so aus, dass eine Einigung nicht allzubald erfolgen wird", sagte ein Analyst. Auch schwache Geschäftszahlen des Dax-Schwergewichts Siemens trugen dazu bei, dass es mit dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag bergab ging. Starke Konjunkturdaten wurden von den Börsianern wohlwollend aufgenommen. Für eine Belebung auf dem Frankfurter Parkett sorgten sie aber nicht.

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Zum Handelsende hin konnte der Dax seine Verluste etwas verringern. Nach den Einkaufsmanagerindizes aus Frankreich und Deutschland, die beide über den Erwartungen gelegen haben, gab es auch frohe Kunde aus Belgien. Das dortige Geschäftsklima verbesserte sich im Januar merklich.

So ging der Dax mit einem Minus von 0,3 Prozent auf 6419 Punkte aus dem Handel. Zuvor hatte der Leitindex klar unter der Marke von 6400 Punkten gelegen. Der MDax gab um 0,9 Prozent auf 9765 Zähler nach. Der TecDax verzeichnete ein Minus von 1,8 Prozent und wies 736 Punkte auf.

Knackpunkt der Verhandlungen in Athen ist vor allem der Durchschnittszins für die 30-jährigen Papiere, die die Banken oder Versicherungen im Tausch erhalten. Laut Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker soll dieser Zins deutlich unter vier Prozent liegen. Für die Banken war dies bisher die Schmerzgrenze. Griechenland verhandelt bereits seit Wochen mit dem internationalen Bankenverband IIF über den Forderungsverzicht. Die Gespräche standen bereits mehrmals vor dem Scheitern.

Dafür sind die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland für Januar besser als erwartet ausgefallen. Für das Verarbeitende Gewerbe stieg der Index auf 50,9 von 48,4 Punkten im Dezember. Volkswirte hatten lediglich 49,0 Punkte erwartet, gleichzeitig stieg der Index damit wieder über die wichtige Expansionsschwelle von 50,0 Punkten. Für das Dienstleistungsgewerbe stieg der Index auf 54,5 von 52,4 Punkten im Vormonat. Hier hatte der Ökonomenkonsens auf 52,5 Punkte gelautet.

Siemens verloren 1,3 Prozent. Der Gewinnrückgang des Münchner Technologieriesen sorgte bei den Börsianern für Unmut. Das Ergebnis nach Steuern des ersten Geschäftsquartals 2011/12 schrumpfte bei Siemens im Jahresvergleich um ein Sechstel auf 1,46 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr bestätigte Konzernchef Peter Löscher zwar die Gewinnprognose, erklärte aber, man müsse angesichts der anhaltenden Schuldenkrise hart arbeiten, um die Ziele zu erreichen. "Der Konzern stimmt die Anleger offenbar auf ein schwieriges Jahr ein, das verunsichert", sagte ein Händler.

Die sich hinziehenden Verhandlungen zu Griechenland ließen wieder Zweifel an den Perspektiven für die Finanzwerte hochkochen. Commerzbank gaben nach einem Plus von 41,4 Prozent seit Jahresbeginn um 2,8 Prozent nach. Deutsche Bank fielen nach einer Herabstufung durch JP Morgan auf "Neutral" von "Overweight" um 1,8 Prozent. "Gewinnmitnahmen sind angesichts der unsicheren Lage und der fulminanten Jahresanfangsrally nicht weiter verwunderlich", so ein Analyst.

Im TecDax gerieten die Papiere von Q-Cells ins Taumeln. Sie brachen um 18,1 Prozent ein. Nach weiteren Abschreibungen hat das Photovoltaikunternehmen Q-Cells steht am Abgrund und strebt einen Schuldenschnitt an. "Die Aktionäre zahlen die Zeche", kommentiert ein Händler.

Software AG verloren 6,6 Prozent. Das Darmstädter Unternehmen erwartet für das laufende Geschäftsjahr im Wachstumssegment BPE, in dem es Integrations- und Prozess-Software anbietet, ein Umsatzplus von fünf bis 15 Prozent. Im traditionellen Geschäftsbereich ETS, bisher die "cash cow" des Unternehmens, wird dagegen ähnlich wie 2011 ein Rückgang um sieben bis zwölf Prozent erwartet. Vor allem die Breite der Spannen sorge für Verunsicherung, erklärte ein Analyst.

Quelle: n-tv.de