Marktberichte

Dollar-Stärke nagt am Export Dax schließt tief im Minus

Schwache Signale vom US-Arbeitsmarkt und ein wieder erstarkender Dollar ziehen den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag erneut weit in die Verlustzone. Vor allem bei den Banken und einigen Exporttitel geht es kräftig nach unten. Selbst der TecDax kann sich dem Abwärtstrend nicht entziehen.

RTR299R9.jpg

Blick in den Frankfurter Börsensaal: Die Reaktion auf die Arbeitsmarktdaten ist gut zu erkennen.

(Foto: REUTERS)

Dax
Dax 12.655,28

Der Leitindex Dax schloss 1,79 Prozent tiefer bei 5746,97 Punkten und knüpfte damit an seine Vortagsverluste an. Beim MDax standen Abschläge von 1,33 Prozent auf 7647,54 Zähler zu Buche. Der TecDax verlor 0,51 Prozent auf 822,09 Zähler.

MDax
MDax 25.872,02

"Der Dax-Schluss unter 5800 Punkten ist ein sehr pessimistisches Signal", kommentierte Händler Christian Schmidt von der Postbank. Da zudem der schwache Euro für Druck sorge, "könnten wir eine kleine Trendwende sehen", warnte er. Der Euro war zeitweise auf ein Sechsmonatstief zum US-Dollar gesunken.

TecDax
TecDax 2.805,04

Der Zwischenbericht von Goldman Sachs hat nach Einschätzung von Beobachtern die Anleger an den europäischen Aktienmärkten zu Gewinnmitnahmen im großen Stil veranlasst. "Die Zahlen von Goldman Sachs waren gut, aber nicht gut genug, um auf dem Niveau weiter am Aktienmarkt zu kaufen", fasste ein Händler zusammen.

Die Absicht der US-Regierung, das Bankengeschäft stärker zu regulieren, belastete ebenfalls die Kurse und sorgte an der Wall Street nach Handelsschluss in Europa für eine beschleunigte Talfahrt. Zudem hatten einige Konjunkturdaten aus den USA Zweifel an einer raschen Erholung der US-Wirtschaft geschürt.

Goldman Sachs hatte für das vierte Quartal 2009 mit seinen Gewinn die Prognosen deutlich übertroffen. "Goldman Sachs druckt weiter Geld", sagte Walter Todd, Portfolio Manager bei Greenwood Capital Associates. Händler in Frankfurt waren etwas skeptischer. Die Zahlen seien zwar sehr gut, aber damit sei schon gerechnet worden, erklärte einer.

In der aktuellen Berichtssaison hat Goldman Sachs nun als letzte der großen US-Banken seine Bilanz vorgelegt. Insgesamt hinterließen die Institute ein gemischtes Bild: Während hohe Kreditverluste einigen zu schaffen machte, florierte bei anderen das Investmentbanking. Doch genau hier drohen demnächst Einschnitte. US-Präsident Barack Obama legte seine Pläne am Abend zeitgleich mit dem Handelsschluss in Europa vor. Noch während er sprach, beschleunigten die Aktien von Goldman Sachs ihre Talfahrt. Auch die übrigen Bankenwerte gerieten in New York massiv unter Druck.

Zuvor waren die Aktien der Deutschen Bank in Deutschland 2,5 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen. Zwischenzeitlich waren sie um 1,8 Prozent auf 49,05 Euro geklettert. Die Papiere der Commerzbank fielen 3,8 Prozent ins Minus. Beobachter wiesen darauf hin, dass die Bankaktien auch im Hinblick auf die finanzielle Situation Griechenlands weiter unter Druck stehen. In London rutschten Barclays um knapp sechs Prozent ab, in Paris Societe Generale um 4,7 Prozent.

Der überraschend deutliche Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der Vorwoche lastete ebenfalls auf der Stimmung. Zudem war der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia schlechter als gedacht ausgefallen. "Viele fürchten, dass die Konjunktur in den USA nicht so stark wie erwartet, anziehen wird", erklärte ein Händler.

Unterstützung bekamen die Börsen von der guten Aufnahme der Geschäftszahlen des Internet-Auktionshauses Ebay und der Kaffeehauskette Starbucks begründet. Ebay-Aktien verteuerten sich in New York um gut zwölf Prozent, Starbucks um knapp ein Prozent.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Metro, die nach einer Kaufempfehlung der UniCredit mit einem Plus von 0,4 Prozent aus dem Handel gingen. In Amsterdam verteuerten hatte der Wettbewerber Ahold einen unerwartet starken Umsatzanstieg bekanntgegeben.

Der relativ starke Dollar belastete am Donnerstagnachmittag Adidas und Puma. Adidas verloren 2,9 Prozent auf 37,08 Euro, Puma gaben 3,5 Prozent nach auf 224 Euro. "Der starke Dollar heißt für beide Unternehmen, dass ihre Kosten steigen", erklärte ein Händler. Adidas und Puma produzieren überwiegend in Asien und müssen ihre Rohstoffe in Dollar einkaufen. Der Euro war am Donnerstag zeitweise auf ein Sechs-Monats-Tief von 1,4028 Dollar gefallen.

ThyssenKrupp verloren knapp vier Prozent. Der Vorstand hatte auf der Hauptversammlung eine Kostenexplosion beim Bau eines neuen Stahlwerks in Brasilien einräumen müssen.

Daneben bestimmte Analystenkommentare das Auf und Ab einiger Titel: Ein kritischer Kommentar von Morgan Stanley drückte die Aktien von Bayer am Dax-Ende um 4,9 Prozent ins Minus. Dagegen profitieren RWE wie Metro von Kaufempfehlungen und hielten sich mit Kursgewinnen von bis zu 0,4 Prozent auch zum Handelsschluss noch im Plus.

Nokia
Nokia 4,61

In Helsinki gewannen Nokia knapp ein Prozent. Der weltgrößte Handy-Hersteller will auf seinen Geräten künftig einen kostenlosen Navigationsdienst anbieten. Für die Anbieter von herkömmlichen Navi-Geräten wie TomTom oder Garmin wäre das ein herber Schlag. TomTom brachen in Amsterdam denn auch um 10,6 Prozent ein, während Garmin an der Nasdaq 4,6 Prozent niedriger notierten.

Die Aktien der Deutschen Post beendeten den Handelstag nach Spekulationen um eine Anwendung eines Entflechtungsgesetzes auf den Logistikkonzern 2,2 Prozent tiefer bei 13,22 Euro. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, die FDP halte eine Aufspaltung des Logistikers für möglich, und berief sich auf ein vertrauliches Papier der FDP-Bundestagsfraktion. Darin soll es heißen, dass das von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle geplante Entflechtungsgesetz fast auf das gesamte Briefgeschäft der Post anzuwenden sei. Brüderle teilte unterdessen mit, dass ein schärferes Wettbewerbsrecht nicht speziell die Deutsche Post aufs Korn nehme. Es sei nicht richtig, dass die FDP vor allem die Zerschlagung des Ex-Monopolisten anstrebe.

Merck KGaA
Merck KGaA 105,75

Die Anteilsscheine von Merck litten darunter, dass der Schweizer Pharmakonzern Novartis für sein neues Multiple-Sklerose-Mittel FTY720 die Zulassung in den USA und Europa beantragt hat. Somit holt Novartis im Wettlauf mit dem deutschen Konkurrenten um ein solches Produkt auf. Der belastete die Merck-Aktien mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 66,32 Euro.

Im Dax sorgten ansonsten Gerüchte über ein bevorstehendes Übernahmeangebot durch VW für Kaufinteresse bei MAN. Seit Monaten wird darüber spekuliert, dass VW den Lkw- und Maschinenbauer ganz übernimmt. Laut Reuters-Daten hält VW bereits knapp 30 Prozent. Ein VW-Sprecher wollte sich nicht äußern. MAN-Aktien verteuerten sich zeitweise um bis zu 2,6 Prozent, gaben zuletzt allerdings 0,3 Prozent ab. VW notierten in einem schwachen Gesamtmarkt 1,1 Prozent niedriger.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/dpa/rts

Mehr zum Thema
23.04.09
23.04.09
23.04.09
23.04.09
23.04.09
23.04.09
23.04.09
04.06.09