Marktberichte

Ernüchterung belastet Euro gibt Gewinne ab

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Nach dem morgendlichen Kick-Start geht es eher mit Stützrädern weiter.

(Foto: dpa)

Nach dem Ja zum griechischen Sparpaket kann der Euro zunächst deutlich zulegen, kommt dann aber wieder zurück. Auf dem Markt herrschen gemischte Gefühle. Das "Armageddon" ist abgewendet, heißt es. Für ein "Hurra" sei es aber noch zu früh.

Der Euro hat einen Großteil seiner Gewinne wieder eingebüßt und ist mit 1,3217 Dollar unter den ehemaligen Widerstandsbereich um 1,3250 Dollar gerutscht. Händler sehen die erste Euphorie nach der Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket einer Ernüchterung weichen.

Vor allem die große Zahl der Abweichler von fast einem Fünftel der Abgeordneten mache Sorgen, heißt es. Zudem sei die Perspektive Griechenlands unklar: "Man kann nicht wirklich darauf vertrauen, ob die nächste Regierung sich an diese Vereinbarung hält", sagt ein Händler.

Am Morgen hatte der Euro zunächst mit kräftigen Kursgewinnen auf die Abstimmung in Athen reagiert und war von rund 1,32 auf 1,3280 Dollar gesprungen. Die Zustimmung des griechischen Parlaments für das Sparpaket sorgte für Erleichterung. Die Abgeordneten in Athen haben das Sparpaket in der Nacht mit Mehrheit gebilligt. Die Zustimmung war Voraussetzung für die Freigabe der nächsten Hilfsgelder durch IWF und EU-Kommission und damit Grundlage, um eine Staatspleite abzuwenden.

Die Augen des Marktes richten sich nun auf Mittwoch: Dann müssen die Finanzminister aus der Eurozone das zweite Sparpaket bewilligen. Zudem soll die Einigung der privaten Gläubiger mit der griechischen Regierung verkündet werden. Vollkommen unklar ist jedoch, wie hoch die Annahmequote der Privaten ausfallen wird.

Skeptische Stimmen warnen jedoch vor der faktischen Unmöglichkeit für die Griechen, ihre Sparversprechungen umzusetzen. Das Land befinde sich in einer Depression, zudem fehle der echte Wille zur Reform. Dies zeigte sich an der Abstimmung im Parlament: Die Regierungskoalition musste dort 43 eigene Abgeordnete ausschließen, fast ein Fünftel aller Abgeordneten. Zudem lastet die Anarchie in Athen auf dem Markt.

Auch die Commerzbank ist skeptisch: "Eigentlich hat das Parlament heute Nacht nur beschlossen, nicht schon zum jetzigen Zeitpunkt auf weitere Hilfen zu verzichten", sagt Lutz Karpowitz. Dass die griechische Regierung nach der Wahl im April völlig anders aussehen werde, scheine schon jetzt klar. So würde die PASOK (sie erhielt bei den letzten Wahlen fast 44 Prozent) nach den neuesten Umfragen nur noch auf 8 Prozent der Stimmen kommen, während vor allem die Kommunistische Partei und die radikale Linke enorm zugelegt hätten. Damit schwele laut Karpowitz im Hintergrund immer die Frage mit, wie lange diese Entscheidung eigentlich Gültigkeit habe. Wer auf die explosive Lage in Griechenland schaut, dürfte nicht überrascht sein, wenn im April Reformgegner das Ruder übernehmen würden.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ