Marktberichte

Richtung 1400 Dollar Goldpreis hangelt sich zurück

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Anleger müssen selbst abwägen: Was spricht für Gold, was dagegen?

(Foto: REUTERS)

Der Goldpreis scheint nach dem historischen Preissturz wieder Boden unter den Füßen zu finden. Der gnadenlose Ausverkauf der vergangenen Handelstage hat die Feinunze etwa 15 Prozent an Wert gekostet. War's das jetzt? Möglich. Der eine oder andere wittert günstige Preise, wieder einzusteigen.

Der Goldpreis erholt sich. Mit 1392 Dollar je Feinunze notiert der Preis für die Feinunze mittlerweile deutlich über den späten New Yorker Preisen. In der vergangenen Nacht war der Goldpreis noch zeitweise auf 1322,43 Dollar abgerutscht und damit auf den tiefsten Stand seit etwa drei Jahren.  Mit dem Ausverkauf scheint jetzt Schluss zu sein. Experten wittern nach der Korrektur die beginnende Schnäppchenjagd.

Der extreme Preisrutsch von etwa 15 Prozent seit vergangenem Donnerstag wird von Händlern als übertrieben bewertet. Einige Anlegern hätten den massiven Einbruch zum Einstieg genutzt. "Die erste große Panik ist raus", kommentierte Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg die leichte Preiserholung am Goldmarkt. Allerdings sei jetzt das Vertrauen der Anleger in das gelbe Edelmetall beschädigt.

Nach schwachen chinesischen Konjunkturdaten am Montag hatte sich der Ausverkauf beim Gold mit großem Elan fortgesetzt. Beobachter taten sich mit Erklärungen für die plötzlich stark beschleunigte Abwärtsbewegung schwer. Einen einzelnen Auslöser für die Kurseinbrüche gab es nicht. Vielmehr verwiesen die Marktbeobachter auf die derzeitige Gemengelage, die viele Anleger dazu bewege, ihre Goldanlage zu hinterfragen.

Der Goldpreis sei einfach "zu schnell und zu  stark" gestiegen, sagte der Rohstoff-Experte Bart Melek von TD  Securities. Viele Anleger, die bislang auf einen weiteren Kursanstieg gewettet hätten, hätten nun auf den Verfall gewettet. Angesichts der seit Jahresbeginn steigenden Aktienkurse hätten zudem viele ihre Anlagestrategie und schwenkten auf Aktien geändert. "Der Preisverfall wurde durch das Unterschreiten wichtiger charttechnischer Marken, die zu Anschlussverkäufen führten, noch verstärkt", so die Commerzbank.

Hervorragende Kaufgelegenheiten?

Die Frage ist, wann der Preisverfall die Schnäppchenjäger auf den Plan ruft . Denn so billig war Gold schon lange nicht mehr. Für Gold spricht nach wie vor, dass die Notenbanken die Märkte immer noch kräftig mit Geld fluten. Seit der Finanzkrise hat sich durch die Geldmenge allein in den USA, Japan, Großbritannien und der Euro-Zone um mehr als fünf Billionen Dollar erhöht - und damit verdoppelt. Noch einmal 2,5 Billionen Dollar sind von der Federal Reserve und der Bank of Japan bis Ende 2014 schon fest eingeplant. Diese lockere Geldpolitik könnte immer noch zur Geldentwertung führen, meinen Experten. Gold gilt traditionell als "Anti-Inflations"-Währung. Das Problem bei dieser Argumentation ist, dass es noch keine Anzeichen für die befürchtete Inflation gibt. Wann oder ob die Geldflut jemals ein Problem darstellen wird, wird von vielen Experten auch stark angezweifelt.

Andere halten das noch nicht für ausgemachte Sache und wittern damit "hervorragende Kaufgelegenheiten", so wie Marc Faber, Autor des Reports "Gloom, Boom & Doom", im Gespräch mit Bloomberg. Ähnlich sieht das der Investor und "Gold-Bulle" Jim Rogers. Er hatte bereits im August 2011 davor gewarnt, dass zu viele Spekulanten im Markt seien. Seiner Ansicht nach vollzieht der Goldpreis nun die notwendige Kurskorrektur. Wieder einsteigen will er, wenn der Goldpreis auf 1200 Dollar je Feinunze gesunken ist, wie er kürzlich in einem Interview verriet.

In den vergangenen zwei Wochen hatten gleich mehrere Großbanken vor einem Preisverfall bei Gold gewarnt. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte dabei Goldman Sachs, wo man innerhalb von zwei Wochen die Prognosen gleich zweimal senkte. Bis zum Jahresende rechnen die Experten nun mit einem Preis von 1450 Dollar je Feinunze, bis zum Jahresende 2014 rechnen sie dann mit einem Rückgang bis auf 1270 Dollar.

Ölpreise bleiben auf Talfahrt

Während sich der Goldpreis erholte, ging die Talfahrt der Ölpreise weiter. Der Preis für Nordsee-Öl fiel erstmals seit zehn Monaten unter die Marke von 100 US-Dollar. Die Sorge vor einem Abkühlen der Weltwirtschaft und einer sinkenden Nachfrage nach Rohöl habe die Preise weiter unter Verkaufsdruck gehalten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am Morgen im asiatischen Handel 99,60 US-Dollar. Das waren 1,03 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Mai-Lieferung sank um 1,06 Dollar auf 87,65 Dollar.

Am frühen Morgen rutschte der Brent-Preis zeitweise auf 98,0 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Juni 2012. Der US-Ölpreis fiel in der Spitze auf 86,06 Dollar und damit auf ein neues Jahrestief. Händler nannten als Ursache für die anhaltende Talfahrt der Ölpreise enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA. In der größten Volkswirtschaft der Welt hatte sich die Stimmung in den Unternehmen im US-Bundesstaat New York zuletzt unerwartet stark eingetrübt.

Quelle: n-tv.de, ddi/DJ

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