Marktberichte

Minus und Panne in New York Dax trotzt Crash und Krisen

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Trotz aller Probleme: Am Handelsende steht beim Dax ein deutliches Plus.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Die mediale Dominanz der griechischen Schuldenkrise verdeckt eine viel größere Bedrohung für Weltkonjunktur und Weltfinanzmärkte: die chinesische Anlageblase", so ein Börsenexperte. Dem Dax merkt man nichts an, den Autowerten schon.

Die Laune der deutschen Anleger hat sich zur Wochenmitte deutlich gebessert. Trotz des weiter schwelenden griechischen Schuldenstreits und des erneuten Kursrutsches an den chinesischen Börsen gerieten die Börsianer in Kauflaune. Damit stellte sich das charttechnische Bild des deutschen Leitindex am Abend wieder positiver dar.

Das Motto lautete da: "Aus charttechnischer Sicht gilt es für den Dax, nun die 10.600-Punkte-Marke (...) zu verteidigen", so Andreas Paciorek von CMC Markets. Und das tat der Leitindex mit Bravour. Zum Handelsende lag der Dax mit 0,7 Prozent bei 10.747 Punkten deutlich im Plus. Am Dienstag hatte er noch 2 Prozent eingebüßt wegen des Hickhacks um Athen und seine Reformpläne. Das Tagestief zur Wochenmitte lag bei 10.653 Punkten - und damit nur unweit der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie. Der MDax ging mit einem Abschlag von 0,1 Prozent bei 19.398 Stellen aus dem Handel. Der TecDax verabschiedete sich 0,6 Prozent leichter bei 1615 Zählern aus dem Handel, hier belastete der Kursrutsch von LPKF.                      3.326,87   

Chinas Börsen geraten ins Trudeln

Chinas Börsen hatten bereits am Morgen erneute Störfeuer geliefert: Der Shanghai Composite als Leitindex verlor erneut 6 Prozent an Wert. Binnen sechs Wochen sackte er damit um mehr als 30 Prozent ab. Allerdings: Bis Ende Juni hatte er binnen Jahresfrist mehr als 150 Prozent zugelegt. "Die Entwicklung in China macht vielen hier Sorgen", sagte n-tv Börsenexpertin Sabrina Marggraf. "Die Befürchtungen wachsen, dass die Wirtschaft des Landes in Mitleidenschaft gezogen wird." Viele chinesische Privatanleger kauften Börsianern zufolge ihre Aktien auf Pump.

"Die mediale Dominanz der griechischen Schuldenkrise verdeckt eine viel größere Bedrohung für Weltkonjunktur und Weltfinanzmärkte: die chinesische Anlageblase", warnte Börsenexperte Robert Halver von der Baader Bank. Fatal für die Realwirtschaft wäre es, wenn normalerweise konsumfreudige Chinesen ihre Portemonnaies nun aus Gründen des "Angstsparens" geschlossen hielten.

Athens Uhr tickt - immer weiter

Am Mittwoch ging der Antrag Athens auf weitere Hilfen des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM bei der EZB ein. Nun hat die griechische Regierung bis Donnerstagabend Zeit, detaillierte Reformvorschläge zu machen. Der EU-Sondergipfel am Sonntag ist dann die allerletzte Chance auf eine Rettung des Landes vor der Pleite. Ein Blick auf die Rentenmärkte zeigte, dass Investoren nach wie vor auf Nummer sicher gehen: Bundesanleihen setzten die Kursgewinne der vergangenen drei Börsentage fort. "Sorgen vor einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone haben zu einer höheren Risikoaversion beigetragen und Bundesanleihen gestützt", merkte die Helaba an. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die sich entgegengesetzt zum Kurs verhält, hat in den vergangenen vier Handelstagen von 0,90 auf 0,65 Prozent nachgegeben.

Einzelwerte: China-Crash belastet Autowerte

Papiere der zuletzt stark unter die Räder geratenen Aktien wurden als Schnäppchen betrachtet und gekauft. So legten beispielsweise Bayer und Deutsche Post zwischen 1,8 und 2,0 Prozent zu. Am anderen Ende rangierten die Autowerte. Hier drückten negative Analystenkommentare sowie die schwierige Marktlage im Reich der Mitte: Zum einen crashen die Börsen, zum anderen ist der Absatz in China im Juni erstmals seit Langem im Vorjahresvergleich zurückgegangen. BMW büßten fast 2,1 Prozent ein. VW und Conti verloren 2,6 und3,2 Prozent. Daimler rutschten 0,9 Prozent ab.

LPKF schmieren ab

Aktien von K+S blieben wegen des Übernahmeangebots des kanadischen Wettbewerbers Potash ebenfalls im Fokus: Titel des Salz- und Düngemittelherstellers verloren 1,2 Prozent. Die kanadische Tageszeitung "Globe & Mail" schrieb unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, dass Potash unter Umständen bereit sein könnte, das Angebot zu erhöhen.

Im TecDax brachte eine Gewinnwarnung die Aktien von LPKF Laser zu Fall. Der Lasertechnik-Spezialist musste aufgrund eines unerwartet schwachen Auftragseingangs seine Jahresziele aufgeben, die Prognose für 2016 und darüber hinaus wird überprüft. Das sorgte bei der Aktie für einen Kursrutsch von am Ende immer noch 7,1 Prozent.

USA: Wall Street mit vielen Sorgen

Die US-Börsen warteten mit deutlichen Kursverlusten auf. Die Investoren standen unter dem Eindruck des Ausverkaufs an den chinesischen Aktienmärkten. Marktstratege Art Hogan vom Wertpapierhandelshaus Wunderlich Securities warnte Anleger vor übertriebenen Reaktionen. Die Ausschläge an den chinesischen Börsen sorgten zwar für Unsicherheit, sagte er. "Aber man muss sich in Erinnerung rufen, dass lediglich rund 15 Prozent der chinesischen Bevölkerung am Aktienmarkt engagiert ist."

Auch die griechische Schuldenkrise beschäftigte die US-Märkte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 1,5 Prozent und schloss bei 17.515 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 1,7 Prozent auf 2047 Zähler. Der Nasdaq Composite fiel um 1,8 Prozent auf 4910 Punkte.

Für Unruhe sorgte eine vierstündige Aussetzung des Handels an der Nyse, die auf technische Probleme zurückgeführt wurde. Die an der Nyse notierten Anteilsscheine wurden in der Zwischenzeit an anderen Börsenplätzen wie der Nasdaq OMX und BATS Global Markets weitergehandelt.

Unter den Einzelwerten sorgte Microsoft für Aufsehen. Der Softwareriese kündigte den Abbau von bis zu 7800 weiteren Stellen an, vor allem im Telefon-Hardware-Geschäft. Der Aktienkurs ging um 0,6 Prozent runter. Im Blick standen zudem Alcoa-Papiere, die um 5,8 Prozent nachgaben. Der Aluminiumkonzern legte nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vor.

Devisen: Euro ohne Grexit-Sorgen

Der Euro kämpfte sich zunehmen nach oben und notierte am Abend mit 1,10 71 Dollar deutlich über der Marke von 1,10 Dollar. Seit Wochenbeginn hatte die Gemeinschaftswährung um die Marke von 1,10 Dollar gependelt. "Alles deutet darauf hin, dass der Devisenmarkt auch in den kommenden Tagen, egal was in der Griechenland-Krise kommt, gelassen bleibt", sagte Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Ein "Grexit" könne dort sogar positiv für den Euro aufgefasst werden. Den Referenzkurs setzte die Europäische Zentralbank auf 1,1024 Dollar fest.

Asien: China-Börsen bereiten Sorgen

Die Sorge vor einem Zusammenbruch des chinesischen Aktienmarkts schickten in ganz Asien die Kurse auf Talfahrt. In Shanghai fiel der Leitindex Composite um 6 Prozent und löste damit auch an den übrigen Handelsplätzen eine Verkaufswelle aus. In Tokio brach der Nikkei-Index um mehr als 3 Prozent auf 19.737 Punkte ein. Der Index in Hongkong büßte 6 Prozent ein. Der MSCI-Index für die Region Asien-Pazifik unter Ausschluss Japans verlor mehr als 3 Prozent und notierte damit so niedrig wie seit Februar 2014 nicht mehr. "Heute ist 'China Tag'. Das wird auch die Realwirtschaft treffen", sagte Investment-Stratege Seiki Orimi von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

Viele Unternehmen in Japan wie auch in anderen Ländern setzen auf die starke Nachfrage aus China und fürchten nun um ihre Gewinne. So verbuchten in Tokio vor allem Konzerne Kursverluste, die stark in der Volksrepublik engagiert sind wie etwa Baufirmen. Die Sorge um Chinas Konjunktur drückte zudem Rohstoffpreise und Handelshäuser.

Die für die chinesischen Aktienmärkte zuständige Aufsichtsbehörde sprach von einer Panikstimmung. Weitere 500 Firmen wurden vom Handel ausgesetzt. Die am Wochenende bekannt gegebenen Stützungsmaßnahmen verpufften. Die Notenbank kündigte an, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Rohstoffe: Ölpreise fallen doch

Die Ölpreise gaben am Ende deutlich nach. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete 56,95 Dollar. Das waren 1,2 Prozent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel dagegen um 2,8 Prozent auf 51,43 Dollar.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/dpa

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